Baugrund für die geplante Halle erkundet

Atommülllager bei Würgassen: Die ersten Bohrungen laufen

130 Erkundungsbohrungen in den Boden bringen wird das Team der Kieler Geotechnik-Firma Rommeis & Schmoll auf dem geplanten Gelände des Atommülllagers in Würgassen in den nächsten drei Wochen. BGZ-Sprecher Hendrik Kranert-Rydzy (rechts) beobachtete am Montag die Arbeiten.
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130 Erkundungsbohrungen in den Boden bringen wird das Team der Kieler Geotechnik-Firma Rommeis & Schmoll auf dem geplanten Gelände des Atommülllagers in Würgassen in den nächsten drei Wochen. BGZ-Sprecher Hendrik Kranert-Rydzy (rechts) beobachtete am Montag die Arbeiten.

Die Arbeiten für das geplante Lager für Atom-Müll bei Würgassen (NRW) laufen. Erste Bohrungen werden durchgeführt.

  • Bei Würgassen (NRW) soll ein zentrales Lager für Atommüll gebaut werden.
  • Dafür laufen nun erste Bohrungen.
  • Für das Vorhaben gibt es viel Kritik von Bürgern.

Mit lautem Hämmern rammt die Maschine auf einer Pferdewiese direkt neben dem ehemaligen Atomkraftwerk Würgassen (NRW) ein Bohrgestänge in die Erde. Auf dem ersten Meter dringt der Bohrkopf durch weichen Mutterboden, dann folgt eine Schicht aus Lehm, die nach unten von den im Wesertal überall vorkommenden Flusskies abgelöst wird. 

Erst nach etwa 13 Metern wird der Untergrund fest. Hier steht verwitterter Buntsandstein an. „Da hören wir dann auf zu bohren“, sagt der die Arbeiten leitende Mitarbeiter der Firma Geotechnik Rommeis & Schmoll aus Kiel.

Würgassen (NRW): Bohrungen für Atommülllager laufen

In den kommenden drei Wochen sollen die Geotechniker 130 dieser sogenannten Rammkern-Sondierungen auf und neben dem Gelände des früheren Akw in die Tiefe bringen. Die zu erkundende Fläche ist 45 Hektar groß.

Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) will wissen, ob sich der Untergrund in der Weseraue für den Bau eines gewaltigen Hallenbaus eignet. Denn hier im Dreiländereck von Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen soll das zentrale Zwischenlager für mittel- und schwachradioaktiven Müll aus dem gesamten Bundesgebiet entstehen. 

Lager für Atom-Müll bei Würgassen (NRW): Zentrum soll 2027 in Betrieb genommen werden

In Würgassen soll ab 2027 der Strahlenmüll gesammelt, passgenau in Chargen sortiert und mit Güterzügen und Lkw zum Schacht Konrad bei Salzgitter transportiert werden. Das ehemalige Eisenerzbergwerk ist das erste genehmigte deutsche Endlager für radioaktiv strahlenden Müll.

Die BGZ nennt das Atommülllager bei Würgassen „Logistikzentrum“. Der Bau soll 325 in der Länge, 125 Meter in der Breite und 16 Meter in der Höhe messen. Die Außenwände sollen eine Stärke von 85 Zentimetern erhalten, das Dach solle einen Meter dick werden, sagt Hendrik Kranert-Rydzy, Pressesprecher der BGZ, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Atom-Müll bei Würgassen (NRW): Kritik kommt von der BI gegen Atomdreck

Die dafür vorgesehen Flächen habe die Bundesgesellschaft am 16. März von der Preußen Elektra gekauft, sagt Kranert-Rydzy. Zu diesem Zeitpunkt habe die Gesellschaft auch die 4000 Tonnen mittel- und schwachradioaktiven Müll übernommen, die seit dem Rückbau noch auf dem Gelände des Akw lagern. Der BGZ-Sprecher geht davon aus, dass frühestens im zweiten Halbjahr 2021 das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium Detmold beginne, „vielleicht aber auch erst 2022.“

Die Erkundungsarbeiten sind nichts, was die Realisierung des Projekts manifestiere, sagt Kranert-Rydzy, „sondern sie dienen nur der Klärung der Frage, können wir hier bauen“. Die BI gegen Atomdreck im Dreiländereck kritisiert dagegen die Arbeiten zum jetzigen Zeitpunkt scharf. Mit dem Beginn der Arbeiten habe sich die BGZ über den Wunsch vieler hinweg gesetzt, während der Corona-Krise nichts zu unternehmen. 

BI kritisiert Pläne für Atom-Müll-Lager bei Würgassen (NRW)

„Mit diesen Untersuchungen wird klar, dass hier Tatsachen geschaffen werden sollen“, sagte BI-Sprecher Dirk Wilhelm bei einer Mahnwache vor dem Akw am Montag. Damit seien die Versprechungen der BGZ von Bürgerbeteiligung und Offenheit nichts wert, so Wilhelm.

BGZ-Sprecher Kranert-Rydzy ist derweil auf der Suche nach Räumlichkeiten für die Einrichtung einer Infostelle in Beverungen. „Wir wollen nichts verbergen und die Öffentlichkeit informieren.“

DieErkungsarbeiten für ein mögliches Atommüllager im ehemaligen Atomkraftwerk  Würgassen schreiten voran. Jetzt haben die Vermessungsarbeiten begonnen. 

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