Bahntunnel bei Trendelburg wird für Radfahrer geöffnet

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Zentimeterweise Handarbeit: Die Tunnelwände werden Stück für Stück von losem Mörtel und Steinen befreit, dann mit Wasserdruck gereinigt. Der historische Ruß der Dampflokomotiven soll aber erhalten bleiben. Auf dem Gerüst Bauleiter Ralf Schinköthe (links) mit Vorarbeiter Dirk Friedrich. Fotos: Thiele

Deisel. Ein jahrzehntelanger Traum von Anwohnern, Wanderer, Touristikern und zuletzt auch Politikern steht kurz vor der Vollendung - voraussichtlich Ende August wird der sanierte Carlsbahntunnel bei Deisel als Wander- und Radwanderweg freigegeben und soll dann ein Höhepunkt des Hessischen Radfernweges R4 und des Diemelradweges werden.

Der Tunnel, der vor seiner Sperrung zeitweise als Drachenhöhle Touristen anlockte, wird derzeit für 320.000 Euro saniert, damit keinem Wanderer ein Stein auf den Kopf fällt. Zu den Sicherungsarbeiten an den 200 Meter langen Tunnelwänden steuern die EU 134 000 Euro, Bund und Land aus Denkmalpflegemitteln je 125.000 Euro, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 50.000 und der Landkreis 61.000 Euro bei.

Große Hürden

Zweitgrößte Hürde nach der Finanzierung war es, die Behörden zu einem Ja durchzuringen, wie Vizelandrätin Susanne Selbert beim offiziellen Baustart erklärte. Eine Untersuchung über die im Tunnel lebenden Fledermäuse mit der Verpflichtung zur Schließung des Tunnels konnte den RP überzeugen. Das FFH-Naturschutzgebiet vor dem Südportal bleibt unangetastet.

Ein neuer Weg vom Südeingang zum Radweg an der Diemel brachte den HessenForst als Besitzer dazu, den Tunnel langfristig an den Kreis zu verpachten. Daraus werde nun laut Selbert eines der spannendsten Tourismus- und Denkmalschutzprojekte im Landkreis Kassel. Selbert erinnerte daran, dass das Tunnelprojekt ohne den anhaltenden Druck von Anwohnern sicher nicht umgesetzt worden wäre. „Die ganze Region hat was davon“, ergänzte Trendelburgs Bürgermeister Kai Georg Bachmann. Peter Nissen von der Regionalförderung übergab den Drittschlüssel für das Tunnelportal an die Vizelandrätin.

Die Schäden im Tunnel sind übrigens weniger dramatisch als befürchtet. Die Ziegelausbrüche in der Tunneldecke werden gesichert. Sie entstanden unter anderem, als bei der Schließung des Tunnels 1970 die Beleuchtung mit einem Bagger abgerissen wurde. Die Mauern sollen neu verfugt, dann aber teilweise wieder freigekratzt werden - im Fußbereich beispielsweise als Schlupflöcher für Feuersalamander, im Deckenbereich für die Fledermäuse.

Zur Einweihung soll ein großes Fest stattfinden. Bis dahin sind aber noch etliche Tunnelmeter zu bearbeiten. (tty)

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