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Baustellen in Gottsbüren sorgen für großen Unmut

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Von: Denise Dörries, Natascha Terjung

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Keine Lkws erlaubt: Kornelia Dettmar aus Gottsbüren ärgert sich über die vielen Lkws, die trotz Verbot die schmalen Seitenstraßen Gottsbürens befahren.
Keine Lkws erlaubt: Kornelia Dettmar aus Gottsbüren ärgert sich über die vielen Lkws, die trotz Verbot die schmalen Seitenstraßen Gottsbürens befahren. © Terjung, Natascha

Im sonst so ruhigen Trendelburger Ortsteil Gottsbüren herrscht seit Anfang Juli regelmäßig ein kleines Verkehrschaos. Die Anwohner ärgern sich über die Baustellensituation, darunter auch Kornelia Dettmar und Marc Brandstetter.

Gottsbüren – „Eigentlich ist hier der Hund verfroren“, sagt Anwohnerin Kornelia Dettmar. Sie bekommt die Auswirkungen der Umleitung wegen der Bauarbeiten an der Landesstraße 763 direkt zu spüren: An ihrem Haus, das am Schulweg liegt – eine schmalen Einbahnstraße – fahren täglich viele Lkw vorbei. Dabei ist die Ortsdurchfahrt in Gottsbüren für Lastwagen eigentlich gesperrt.

Grund für die Sperrung und die damit verbundene großräumige Umleitung entlang der B 83 und 80 über Trendelburg, Bad Karlshafen und Gieselwerder, sind Bauarbeiten an der Landesstraße 763, dort muss eine Straßenstützwand erneuert werden. Die Lasten von zwei aneinander vorbeifahrenden Lkw konnten von dieser nicht mehr getragen werden.

Lkw missachten die Absperrung

Dass dieser Teil der Straße saniert werden muss, ist für Kornelia Dettmar absolut verständlich. Das Problem ist laut Dettmar auch nicht die Sperrung der Ortsdurchfahrt, sondern dass Lkw sie missachten. „Hier fahren regelmäßig 40-Tonner lang und stellen dann fest, dass sie in wegen der schmalen Straßen nicht weiterkommen.“

Dass die langen Lastwagen dann drehen wollten, käme nicht selten vor – in den Seitensträßchen sei das aber kaum zu bewältigen. „Unser Steinpfosten an der Grundstücksgrenze wurde schon kaputt gefahren, wer das war, wissen wir nicht“, erzählt Dettmar. Ein Lkw-Fahrer habe außerdem zu Beginn der Sanierungsarbeiten nachts Baken und Baumaterial weggeräumt, um durch die Baustelle fahren zu können.

Auf die Ortssperrung weisen eigentlich mehrere Schilder hin, zum Beispiel am Krähenberg in Hofgeismar, ein weiteres steht kurz vor einer Kreuzung auf der L  763 am Holzapetal. „Die Lkw-Fahrer haben mehrere Schilder missachtet, wenn sie dann in Gottsbüren sind“, meinte Dettmar.

Umleitung wegen gesperrter Ortsdurchfahrt sorgt für Ärger

Doch nicht nur die Lkw sorgen im Ort für Ärger: Obwohl die Umleitung wegen der gesperrten Ortsdurchfahrt innerhalb Gottsbürens sehr gut beschildert ist, fahren Auto- und Fahrradfahrer regelmäßig falsch herum durch die Einbahnstraße, diese gehört aber nicht zur Umleitungsstrecke. Aneinander vorbeifahren ist dort zudem unmöglich. „Nicht selten müssen die Fahrer dann rückwärts aus der Straße fahren“, sagt Dettmar. Das bisher keine Unfälle passiert sind, ist laut Dettmar ein Glücksfall.

Schon mehrfach hätten sie und ihr Mann die Fahrer darauf hingewiesen, dass sie die Straßen in Gottsbüren momentan eigentlich nicht befahren dürfen. „Das interessiert die wenigsten. Ich bin eigentlich niemand, der bei sowas die Polizei ruft, aber langsam wird es zu viel.“

Der rege Verkehr beginne schon früh morgens um 5 Uhr, wegen der schweren Lastwagen hätten sich bereits die Kanaldeckel gelöst. Dabei seien die erst vor einigen Jahren erneuert worden, als das Haus der Dettmars an den Kanal angeschlossen wurde.

Verkehrschaos könnte sich noch verschlimmern

Kornelia Dettmar fürchtet, dass das Verkehrschaos bald noch schlimmer werden könnte. „Wer weiß, was nach den Ferien hier los sein wird.“ Mit ihren Sorgen wandte sich Dettmar bereits an Hessen Mobil, die für rund 800 000 Euro die Stützwand erneuern. Die verwiesen sie an ihre Verwaltungsstelle in Bad Arolsen. Ihre Telefonanrufe endeten aber im nichts, auch auf einen Rückruf wartet die Gottsbürenerin vergeblich.

Auch wenn der Ärger über den Lastwagenverkehr bei Kornelia Dettmar groß sei, wollte sie nicht alle über einen Kamm scheren. Ein Lkw-Fahrer wollte zum Beispiel etwas in der Nachbarschaft anliefern. „Weil die Straßen so eng sind, hat er mit einem kleinen Gabelstapler ausgeliefert“, berichtet Dettmar. Dafür habe der Fahrer mehrfach hin und her fahren müssen.

Dettmar und ihre Nachbarn versuchen jetzt, die Lkw-Fahrer wegen des unerlaubten Fahrens in Gottsbüren anzuzeigen – damit sie künftig die ausgewiesenen Umleitungen über Bad Karlshafen, Trendelburg und Gieselwerder nutzen. „Verkehr im Ort ist normal, auch dass Lkw zur Anlieferung von Öl eine Zeit lang die Straße versperren“, sagt Kornelia Dettmar. Aber dass, wie momentan, täglich Verkehrsregeln missachtet und damit Anwohner gefährdet werden, sei untragbar.

Ebenfalls für Aufregung sorgte die Sanierung der L 763

Für Aufregung unter den Anwohnern sorgte auch die Straßensperrung der Landesstraße L 763 zwischen Gottsbüren und dem Abzweig zur Kreisstraße nach Beberbeck. Diese musste innerhalb kurzer Zeit gleich zwei Mal gesperrt werden. Grund dafür: Die frisch sanierte Fahrbahnoberfläche konnte der Hitze nicht standhalten.

Im Spätsommer vergangenen Jahres hatte eine Baufirma im Auftrag von Hessen Mobil eine Oberflächenbehandlung an der Fahrbahn durchgeführt. Das heißt, es wurde frisches Bitumen aufgetragen und Basaltsplit abgestreut.

Hitzeschaden sorgte für spiegelglatte Oberfläche

Das verwendete Bitumen wurde durch die Sonneneinstrahlung und die Hitze an den ersten warmen Sommertagen weich. Dieses härtete sich mit sinkenden Temperaturen wieder aus. So wurde das Teilstück der L763 spiegelglatt. Das stellte vor allem eine große Gefahr für Motorräder dar.

„Dass das Bitumen bei erhöhten Temperaturen weich wird, sollte natürlich nicht passieren und ist für alle Beteiligten ärgerlich. Wir vermuten, dass etwas bei der Zusammensetzung des Gemisches nicht gestimmt hat“, erläuterte Marco Lingemann, Sachgebietsleiter von Hessen Mobil.

Hessen Mobil entschied daher, die Straße im Juni und Juli rund vier Wochen für die Reparatur zu sperren. Das ärgerte viele Anwohner, darunter auch Marc Brandstetter aus Friedrichsfeld: „Dass die Straße nicht gut saniert wurde, ist bereits seit Januar bekannt, da fragt man sich, warum nicht vorher gehandelt wurde.“

Unmut der Anwohner trifft auf Verständnis

Etwas, was Brandstetter im Zusammenhang mit der Fahrbahnreparatur auch beschäftigt, ist die Baustelle in Gottsbüren. Hier wird die Straßenstützwand in der Ortsdurchfahrt von Gottsbüren erneuert. „Erst kam die Reparatur an der Landesstraße und dann folgte die Baustelle an der Straßenstützwand. Zeitweise war Gottsbüren echt abgeschottet“, sagte Brandstetter.

Lingemann könne den Unmut der Anwohner verstehen, betonte aber, dass die Strecke auf der L 763 aus Sicherheitsgründen kurzfristig gesperrt werden musste. Da für die Fahrbahnreparatur öffentliche Mittel eingesetzt wurden, musste zunächst ein Leistungsverzeichnis erstellt und eine Ausschreibung veröffentlicht werden. „Wir sind froh, dass sich gleich eine zuverlässige Baufirma gefunden hat, die so schnell tätig werden konnte“, sagte Lingemann.

Seit Mitte Juli ist die Landesstraße zwischen Gottsbüren und dem Abzweig nach Beberbeck wieder für den Verkehr freigegeben. Eine Großbaustelle bleibt Gottsbüren (Text oben) aber erhalten: Die Erneuerung der Straßenstützwand. Die Ortsdurchfahrt bleibt laut Pressemitteilung bis voraussichtlich Dezember voll gesperrt. (Natascha Terjung und Denise Dörries)

Die Fahrbahndecke der Landesstraße L 763 musste innerhalb weniger Wochen auf etwa 1,2 Kilometer Länge zweimal neu hergestellt werden. Nun ist sie für den Verkehr wieder freigegeben.
Die Fahrbahndecke der Landesstraße L 763 musste innerhalb weniger Wochen auf etwa 1,2 Kilometer Länge zweimal neu hergestellt werden. Nun ist sie für den Verkehr wieder freigegeben. © Thomas thiele

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