Mitarbeiter eines Lokals wegen sexueller Nötigung zu Bewährungsstrafe verurteilt

Beim Pizzaessen begrapscht

bad karlshafen/ kassel. Weil er in einem Bad Karlshafener Restaurant eine junge Frau begrapscht hatte, ist ein 47-jähriger Pizzabäcker wegen sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Zudem muss er 150 Sozialstunden leisten.

In dem Prozess vor dem Amtsgericht Kassel hatte der Angeklagte am Donnerstag die Tat bis zuletzt abgestritten. Dabei hatte der Vorsitzende Richter, Gerd Krämer, ihn gleich zu Anfang gewarnt. „Viele meinen, bei einer Aussage-gegen-Aussage-Situation könnten sie nicht verurteilt werden. Das stimmt aber nicht.“

Obwohl ihm das Gericht für den Fall eines Geständnisses eine mildere Strafe in Aussicht stellte, befolgte der Angeklagte den Rat nicht. Mit der Folge, dass das Opfer vor Gericht aussagen musste.

Nach Überzeugung des Schöffengerichts hatte der Mann im Mai 2009 eine Situation ausgenutzt, als die Frau allein im Gastraum der Pizzeria saß, um zu essen. Nach einer anzüglichen Bemerkung über ihre Brüste, hatte er der heute 19-Jährigen in den Ausschnitt gefasst. Der Angeklagte wollte von all dem nichts wissen. Er behauptete, gar nicht über das nötige Vokabular für Anzüglichkeiten zu verfügen. Denn Deutsch ist nicht seine Muttersprache. Er bezeichnete die Frau als gute Schauspielerin. Die Gründe für sein beharrliches Leugnen lieferte er im Grunde gleich mit: „Wenn ich verurteilt werde, hätte ich private Probleme.“ Denn seine Familie wisse nichts von den Vorwürfen, erklärte er.

Ein vom Verteidiger angeregtes Gutachten, um die Glaubwürdigkeit der Frau zu untersuchen, hatte das Gericht abgelehnt. Es bestehe keinerlei Anlass, an ihren Angaben zu zweifeln, betonte Richter Krämer. Der Verteidiger meinte trotzdem, Widersprüche in der Aussage der 19-Jährigen ausgemacht zu haben. So hatte sie angegeben, damals gelegentlich in der Pizzeria ausgeholfen zu haben, während Inhaber und Kellner dies vor Gericht nicht bestätigen wollten. „Man könnte zu dem Schluss kommen, dass bei diesem Beschäftigungsverhältnis nicht alles seine Richtigkeit hatte“, meinte hierzu der Richter.

Dass der Mann Gewalt angewendet hatte - Voraussetzung für den Tatbestand der sexuellen Nötigung - stand für die Richter fest. So habe er trotz Gegenwehr der Frau, die versucht hatte, seinen Arm wegzudrücken, weitergemacht. Allerdings sei die Gewaltanwendung gering gewesen, darum liege ein minderschwerer Fall vor.

Möglicherweise habe sich der 47-Jährige von der luftigen Kleidung des Opfers animiert gefühlt, sagte der Richter. Die aber sei „keine Einladung, ungefragt einzutreten“. (psü)

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