Freundschaft mit Mauerflüchtlingen hält in Hofgeismar seit 25 Jahren

Blick zurück auf den Mauerfall: Ein unverhofftes Wiedersehen feierten 1989 bei (von links) Helga, Sebastian, Claudia und Egon Sprecher in Hofgeismar die DDR-Bürger Rolf, Matthias und Regina Gramm (von rechts) mit den kurz zuvor über die CSSR geflüchteten Reneé Schäfer und Andreas Gramm. Auf dem Flucht-Wartburg steht Annemarie Gramm, rechts ist der Besuchs-Wartburg. Archivfoto: Thiele

Hofgeismar. „Gerade haben wir darüber gesprochen. Es ist, als ob es gestern war“, meint Egon Sprecher und denkt an den 11. November 1989.

Damals gab es ein ungewöhnliches Wiedersehen in Hofgeismar - DDR-Flüchtlinge trafen ihre nach dem Mauerfall legal ausgereisten Verwandten wieder.

Familie Sprecher hatte über die evangelische Kirchengemeinde Kontakt zur Patengemeinde in der DDR-Stadt Zeitz und dort die Familie Gramm aus Tabarz kennengelernt. Im Sommer 1989 waren Sohn Andreas Gramm (22) und sein Freund Renée Schäfer (19) über die CSSR in den Westen geflüchtet und waren bei Sprechers untergekommen, von wo aus sie eine Arbeit als Feinmechaniker in Vellmar fanden. Als dann die Mauer fiel, besorgten sich die Gramms ein Visum und erreichten nach 150 Kilometern in sechs Stunden Fahrt Hofgeismar, wo sie ihren Sohn wiedersahen. Dieser hatte sich nach der Flucht auf ein Nimmerwiedersehen eingestellt. Die Rührung bei allen war groß.

Für einen Teil des Begrüßungsgeldes kauften sich die Gramms in Hofgeismar bisher unerreichbare Farben und Wasserleitungsdichtringe für ihren sieben Jahre zuvor begonnenen Hausbau.

Die Freundschaft der Sprechers zur Familie Gramm hat sich in den vergangenen 25 Jahren gut entwickelt, Egon Sprecher wurde sogar Taufpate der 1989 geborenen Tochter Carolin, die jetzt ihr Medizinstudium beendet hat. Ihre Schwester Annemarie ist Apothekerin. Andreas Gramm hat nach Ausbildung im Westen seinen Meister gemacht und führt bei Tabarz eine Firma mit 30 Mitarbeitern. Egon Sprecher: „Es ist eine echte Erfolgsgeschichte geworden“.

Von Thomas Thiele

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