Ute Reich gibt Leitung der Wahlsburger Bücherei auf

Bücherei auf der Kippe

Viele Bücher, kaum Leser: Nach dreieinhalb Jahren nimmt Ute Reich als Leiterin der Wahlsburger Gemeindebücherei aus Enttäuschung ihren Abschied. Die geringe Resonanz ist unverständlich, weil es aktuelle Bestseller umsonst zu lesen gibt. Foto: Nolte

Lippoldsberg. Die Wahlsburger Gemeindebücherei in Lippoldsberg hat zwei Probleme: Es kommen kaum Leser, die sich Bücher ausleihen wollen, und sie hat ab Anfang 2013 - zumindest vorerst - keine Büchereileiterin mehr.

Ute Reich, die seit dreieinhalb Jahren ehrenamtlich die Bücherei betreut, gibt auf. Die 64-Jährige hat alles versucht, nun nimmt sie enttäuscht und reichlich frustriert Abschied.

„Ich wollte diese Institution aufrecht erhalten, aber es ist nichts geworden. Ich habe mir alle Mühe gegeben, weil es doch echt toll ist, dass so ein kleines Dorf eine Bücherei hat“, sagt Ute Reich und in ihrer Stimme klingt nicht nur Frustration sondern auch Wehmut und ein kleiner Rest der anfänglichen Begeisterung mit.

Neue Bestseller

Im Juli 2009 hat sie die Bücherei übernommen und versucht ihre Ideen umzusetzen. Vieles ist ihr sichtbar gelungen: Die Bücherei ist wohlgeordnet, der Bestand gepflegt und aktualisiert. 2200 Bücher gibt es insgesamt, darunter viele aktuelle Bestseller und solche der vergangenen Jahre. Der Leseraum im historischen Eisenhammer ist gemütlich eingerichtet, lädt zum Verweilen. Eigentlich ist alles aufs Beste gerichtet, um eine große Leserschar anzulocken.

Die Realität sieht allerdings anders aus: Seit 2009 sind die Nutzerzahlen eher gesunken, daran änderten auch Aktionen wie unter anderem die Einführung einer Kleinteile-Tauschbörse nichts. Von anfänglich zwei Öffnungstagen pro Woche ist nur noch einer übriggeblieben. Und wenn Ute Reich zuletzt mittwochs von 16 bis 18 Uhr in der Bücherei saß, war sie zumeist allein.

„Es sind derzeit neun oder zehn Leser, die regelmäßig kommen. Wir haben eine Leihfrist von drei Wochen, das heißt, pro Sitzung sind im Schnitt zwei bis drei Leute hier. Da sitzt man rum und es kommt kaum jemand. Das ist nicht nur langweilig, sondern auch frustrierend. Ich bin richtig enttäuscht“, lässt die scheidende Büchereileiterin Luft ab.

Was Ute Reich absolut nicht verstehen kann, ist, dass nur so wenige das Angebot nutzen: „Hier kann man Bücher, darunter auch ganz neue, kostenlos ausleihen, die man sonst für teures Geld kaufen muss.“

Und besonders traurig ist die Lippoldsbergerin darüber, dass gar keine Kinder und Jugendlichen vorbeischauen. „Leider, leider, leider. Ich kann es ja verstehen, denn heutzutage haben Kinder viel um die Ohren.“

So endet die Ära Reich in der Lippoldsberger Bücherei ziemlich ernüchternd. Doch es gibt Hoffnung: Zwei Interessentinnen auf den bald vakanten, ehrenamtlichen Büchereileiter-Posten haben sich bei der Gemeinde gemeldet. Ob es klappt, steht noch nicht fest. Ute Reich jedenfalls würde es freuen: „Es wäre einfach nur schade, wenn die schönen Bücher hier vergammeln würden. Ich kann nur hoffen, dass meine etwaigen Nachfolger mehr Glück haben.“ (zno)

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