Bürgermeister Sattler: Diese Haushalte bringen Kommunen den Ruin

Aufruf: Hofgeismars Bürgermeister Heinrich Sattler (hier bei Begrüßung der Gäste) hat die Anwesenheit wichtiger Politiker genutzt, die aktuelle Art der kommunalen Haushaltsführung heftig zu kritisieren. Foto: Thiele

Hofgeismar. Den großen Bahnhof zu seinem Abschied (wir berichteten) und die Anwesenheit von Bundes- und Landespolitikern hat Bürgermeister Heinrich Sattler für ein starkes politisches Signal genutzt und eine Änderung der aktuellen kommunalen Doppik-Haushalte gefordert.

Sattler, während seiner Amtszeit auch Mitglied des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, geißelte mit scharfen Worten die sogenannte Doppik, die die kommunale Haushaltsführung nach kaufmännischen Prinzipien vorschreibt. „Wer sich das ausgedacht hat, hat von kommunalen Finanzen keine Ahnung“, sagte der scheidende Bürgermeister. Die Kritik an der Doppik sei mittlerweile zu seinem „Oberthema“ geworden. „Die Doppik treibt viele Kommunen in den Ruin“, fand er drastische Worte.

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Die Kritik auch aus vielen hessischen Kommunen gilt der Vorschrift, dass Städte und Gemeinden auch Abschreibungen auf sogenannte nichtrentierliche Anlagen wie Straßen, Feuerwehrhäuser oder Schulen ausweisen müssten. Das führe dazu, dass Hofgeismar „auf dem Papier 9,6 Millionen Schulden hat“, nach der alten kameralistischen Haushaltsführung aber ein Plus von 2,5 Millionen Euro zu Buche stehen hätte.

Unter dem Beifall des Publikums warb Sattler eindringlich dafür, die Doppik wenigstens zu modifizieren und den „Unsinn“ der Abschreibungen auf nicht rentierliche Anlagen abzuschaffen. Sattler: „Dann würden mindestens 40 Prozent unserer Kommunen raus aus der Schuldenspirale kommen." Der Bürgermeister, der noch bis zum 31. Dezember das Hofgeismarer Rathaus leitet, versicherte, auch im Ruhestand für die Reform der doppischen Haushaltsführung zu kämpfen. (geh)

Bilder der Verabschiedung

Verabschiedung von Heinrich Sattler

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