Geringe Auslastung, hohe Kosten

Analyse zu Kassel-Calden: Der Airport als Klotz am Bein der Kommunen

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Leidet unter geringer Auslastung und hohen Kosten: Der Flughafen Kassel-Calden, der im April 2013 eröffnet wurde. Bei unserem Foto handelt es sich um eine Montage.

Kassel / Calden. Der Flughafen Kassel-Calden wird zunehmend zu einer großen finanziellen Belastung für die kommunalen Gesellschafter. Besonders betroffen ist die finanzschwache Gemeinde Calden - die muss für etwas sparen, von dem sie bislang nicht profitiert.

Die Gemeinde erwägt einerseits Verkauf und Schließung etwa von Dorfgemeinschaftshäusern, muss aber andererseits schlimmstenfalls jährlich 800.000 Euro in einen Airport stecken, von dem sie bislang noch nichts hat.

Und derzeit spricht nichts dafür, dass sich das Defizit spürbar verringert. Denn die Fluggastzahlen werden in diesem Jahr eher niedriger ausfallen als 2013, und der große Wurf etwa in Form einer dauerhaften Linienverbindung scheint absehbar nicht zu gelingen. Turkish Airlines hat im November 2013 zwar Linienflüge von und nach Istanbul in Aussicht gestellt, seitdem aber geschwiegen.

Auf Anfrage teilte der Flughafen mit, dass es Gespräche, aber noch keine Ergebnisse gebe.

Aber die völlig unzureichende Auslastung ist nicht das einzige Problem des von Anfang an politisch motivierten Airports. In den schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen rang der kleinere Partner der CDU eine Vereinbarung ab, wonach der vom Land zu tragende Defizitanteil ab 2015 um jährlich zehn Prozent sinken soll - also von derzeit geplanten 5,5 Millionen Euro in diesem auf unter fünf Mio. im nächsten Jahr.

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Wie das gehen soll, weiß niemand. Derzeit arbeitet die Geschäftsleitung an einem neuen Wirtschaftsplan mit deutlich reduzierten Fluggastprognosen und Einnahmen. Nach der Sommerpause soll das Zahlenwerk vorgelegt werden. Darin sollen nach Angaben des Finanzministeriums auch Aussagen zur Defizitverringerung getroffen werden. In Betracht kämen Erlössteigerungen und Kosteneinsparungen sowie eine höhere Beteiligung der Mitgesellschafter (Stadt und Kreis Kassel sowie die Gemeinde Calden) und private Engagements.

Hintergrund

Die Flugsicherungskosten am Flughafen in Frankfurt zahlt nach Angaben des hessischen Finanzministeriums der Bund. Die Übernahme der Gemeinwohlkosten an anderen hessischen Regionalflughäfen werde sehr unterschiedlich gehandhabt, „Eine Übernahme durch die öffentlichen Gesellschafter ist allerdings keineswegs unüblich“, sagte Ministeriumssprecher Ralph-Nicolas Pietzonka auf Anfrage der HNA.

Man darf also gespannt sein auf den neuen Wirtschaftsplan und die Vorschläge zur Kostenreduzierung. Denn eines ist doch schon seit Langem klar: Die kommunalen Mitgesellschafter werden sich wohl kaum noch mehr Kosten aufbürden lassen, schon gar nicht die klamme Gemeinde Calden. Deutliche Erlössteigerungen sind nicht in Sicht, und warum sollten sich private Dritte angesichts der anhaltend hohen Verluste am Flughafen beteiligen?

Und vom kleineren Koalitionspartner droht weiteres Ungemach. In den vorweihnachtlichen Koalitionsverhandlungen wurde ferner vereinbart, dass der Flughafen 2017 auf den Prüfstand kommt. In zweieinhalb Jahren also wird geschaut, wo der Airport steht, welche Perspektiven er hat.

Darüber und über die dauerhafte Subvention dieses und anderer Flughäfen wacht auch die EU-Kommission. Sie hat ganz kleinen Airports zwar Zugeständnisse gemacht, besteht aber auf einer jährlichen Reduzierung der öffentlichen Zuschüsse.

Von José Pinto

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