Viele Halter versorgen Tiere selbst

Angst vor der Pferdesteuer: Hobby nicht nur für Reiche

Profitieren vom Umgang mit Tieren. Laura Hägele, Alida Graßer und Lia Kampe lieben Pferde. Fast täglich sind die drei mit ihren tierischen Freunden zusammen, putzen sie und reiten auf ihnen aus etwa. Käme die Pferdesteuer würde dies sich wahrscheinlich ändern. Dann nämlich müsste Halterin Katja Graßer einige Tiere abschaffen. Foto: Temme

Westuffeln. Dass gerade auf dem Land viele Pferdehalter alles andere als wohlhabend sind, davon sind Katja Graßer und Carina Engelbrecht überzeugt.

Sollte in Calden die Pferdesteuer eingeführt werden, wird das laut der beiden Westuffelnerinnen starke Auswirkungen haben.

„Würden wir nicht hier leben, könnten wir uns das Hobby gar nicht leisten“, sagt Graßer, die drei Pferde und ebenso viele Ponys auf ihrem Hof hält. Im ländlichen Raum würden fast alle Halter ihre Tiere selbst versorgen, dies sei nicht vergleichbar mit Pensionsställen, wo die Unterbringung eines Pferdes zwischen 150 und 300 Euro koste.

Da viele Pferdebesitzer in Calden Eigentum haben, beispielsweise einen alten Resthof gekauft haben, fallen solch immense Kosten für die Unterbringung nicht direkt an. Tief in die Tasche greifen müssen die Tierfreunde vor allem, wenn sich der Tierarzt ankündigt und dies sei schwer kalkulierbar. „Rund 2000 Euro hat mich ein krankes Pferd letztens gekostet, aber das ist es mir natürlich wert“, erklärte Engelbrecht. Als feste Tierarztkosten rechnen die beiden rund 100 Euro im Jahr pro Pferd, welche aus Wurmkuren und Impfungen resultieren. Auch für das Futter komme einiges zusammen. Damit Graßer ihre sechs Schützlinge satt bekommt, muss sie wenigstens 50 Euro pro Woche rechnen. 40 Euro für Heu und nochmal 10 Euro für Stroh ohne Leckerlis.

„Was ein Tier bei mir an Futterkosten verursacht kann ich schlecht sagen - gut 400 Euro sind es aber jährlich.“ Zu den festen Ausgaben gehört auch die Hufpflege. „Alle sechs bis acht Wochen müssen die Hufe ausgeschnitten werden, was 40 Euro kostet“, bemerkt Engelbrecht. Sollte das Pferd Eisen benötigen, fallen 140 Euro im gleichen Rhythmus an.

„Neben all dem fällt auch noch die Wiesenpacht an und unsere Tiere müssen auch versichert werden“, ergänzt Engelbrecht, die fünf Pferde ihr Eigen nennen darf. Rechne man alles zusammen, käme man auf rund 1000 Euro pro Pferd im Jahr - und das ist vielen nur möglich, weil sie noch einen Nebenjob haben. Sowohl Graßer als auch Engelbrecht verbringen fast ihre gesamte Freizeit bei ihren Pferden. „Würden wir nicht alles selbst machen und hier auf dem Land leben, könnten wir uns das nicht leisten.“

Doch nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Kinder, nehmen sie die viele Arbeit und Entbehrungen in Kauf. „Unsere Kinder profitieren so sehr vom Umgang mit den Tieren - sollte die Pferdesteuer kommen, werden viele bestimmt nicht mehr die Gelegenheit zu reiten haben.“ (zta)

Lesen Sie auch:  Calden: Pferdesteuer könnte 200.000 Euro bringen

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.