Arbeitsmarkt: Wachleute sind durch Flüchtlingsunterkünfte gefragt

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Werden in Flüchtlingsunterkünften gebraucht: Wachleute sorgen für die Sicherheit.

Calden. Wo Flüchtlinge untergebracht werden, muss auch für die Sicherheit gesorgt werden. Durch die neu entstehenden Unterkünfte werden zurzeit mehr Wachleute gebraucht.

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft schätzt, dass im Moment bis zu 8000 private Kräfte in Aslybewerbereinrichtungen im Einsatz sind. Bis zum Jahresende wird mit etwa 10.000 gerechnet. Auch in der Erstaufnahmeeinrichtung in Calden werden zahlreiche Wachleute gebraucht.

„Die Nachfrage stieg in unserer Branche schon seit einiger Zeit. Durch die vielen Flüchtlinge spitzt sich das nun noch deutlich zu“, sagt Miguel Muina-Nieto, Geschäftsführer der Bochumer Sicherheitsfirma Spectra, die auch in der Erstaufnahme in Calden tätig ist. „Genügend Personal zu bekommen, ist nicht einfach. Bisher konnten wir die Nachfrage noch erfüllen. Bald wird es aber eng.“

Schon jetzt würden viele Neueinsteiger gebraucht. „Wir versuchen in den Unterkünften immer eine gute Mischung aus Anfängern und erfahrenen Sicherheitsleuten zu haben“, sagt der Geschäftsführer. Wer in den Beruf einsteigen will, muss eine sogenannte Unterrichtung besuchen. Die dauert 40 Stunden.

Dass die Sicherheitsfirmen zurzeit einen starken Zulauf erleben, kann auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg bestätigen. „In der Regel besuchen die Unterrichtung jedes Jahr etwa 60 bis 80 Leute. In diesem Jahr sind wir jetzt schon bei 164“, sagt Carsten Heustock, stellvertretender Bereichsleiter Unternehmensförderung bei der IHK.

Körperliche Voraussetzungen 

„Wir haben unsere Kapazitäten aufgestockt, sodass wir mehr Personen schulen können. Allerdings ist der Arbeitsmarkt mittlerweile leergefegt.“ Es gebe kaum noch Leute, die für das Bewachungsgewerbe eingesetzt werden können. „Das könnte zu einem Problem für die Sicherheitsfirmen werden.“

Einige Voraussetzungen sollten die Wachleute laut Muina-Nieto für den Einsatz erfüllen. „Sie müssen die deutsche Sprache beherrschen und auch körperlich für den Beruf geeignet sein.“ Arbeiten die Mitarbeiter in Flüchtlingsunterkünften, sei es darüber hinaus unbedingt notwendig, dass sie Englisch sprechen. Ebenso sei es hilfreich, wenn sie weitere Sprachen wie Arabisch oder Französisch beherrschen.

Gemeinsam mit zwei weiteren Sicherheitsdienstleistern ist Spectra in der Erstaufnahmeeinrichtung in Calden im Einsatz. Zehn Mitarbeiter des Bochumer Unternehmens sind vor Ort. „Insgesamt haben wir knapp 180 Sicherheitskräfte, die wir flexibel einsetzen können, dort wo gerade am meisten Nachfrage ist.“ Spectra bewacht auch mehrere Flüchtlingunterkünfte in der Stadt Kassel.

Das sagt Silke Sennhenn, Sprecherin der Agentur für Arbeit Kassel: 

„Wer für den Beruf qualifiziert ist hatte gute Chancen, schnell eine Stelle im Sicherheitsgewerbe zu bekommen. Manche konnten einen neuen Job antreten, bevor sie arbeitslos wurden oder kurze Zeit danach. Mittlerweile sind aber die, die genau für diese Berufe qualifiziert sind, nicht mehr verfügbar, weil sie schon vermittelt wurden. Jetzt bemühen wir uns darum, Arbeitssuchende aus verwandten Berufen zu vermitteln, wie zum Beispiel Türsteher. Die können Zusatzqualifikationen erwerben, um auch in Flüchtlingsunterkünften eingesetzt zu werden. Es wird aber immer schwieriger, genügend Leute zu finden.“

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