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August Salzmann und Karl Lipphardt sind seit 80 Jahren Vereinsmitglieder in Calden

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Von: Marvin Hinrichsen

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Erinnerung: Dieses Projektil steckte im Oberschenkel von August Salzmann.
Erinnerung: Dieses Projektil steckte im Oberschenkel von August Salzmanns. © Marvin Hinrichsen

August Salzmann und Karl Lipphardt teilen eine bewegte Vergangenheit. Sie sind seit 80 Jahren Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Calden.

Hofgeismar – Engagement und Zusammenhalt – das sind nicht nur Werte, die im Verein zählen. Sie haben ihnen auch durch harte Zeiten geholfen. Die beiden 95-Jährigen haben den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Lipphardt wurde bereits für seine außergewöhnliche lange Mitgliedschaft geehrt, Salzmann wird noch ausgezeichnet.

Wir haben sie aus ihrem Feuerwehr-Leben erzählen lassen. Diese Jahre seien voll von besonderen Erlebnissen und Erinnerungen, da sind sich beide einig.

Die Motivation

Die Begeisterung für die Mitgliedschaft in der Feuerwehr erlangte Lipphardt vor vielen Jahrzehnten durch seinen damaligen Nachbarn, der ihm immer von dem Vereinsleben erzählte und zu einer Sitzung mitgenommen hat. „Heute ist Feuerwehr-Sitzung, da kommst du mit, sagte er“, erinnert sich der 95-Jährige. Es sei damals normal gewesen, sich in Vereinen zu engagieren. Bei Salzmann waren es ähnliche Beweggründe. Auch er sei bereits mit 15 Jahren in die Feuerwehr eingetreten.

Die Kriegszeit

Es war ein anderes Feuerwehrleben, das die zwei Männer vor allem in der Anfangszeit führten. Von der Lebensrealität der heutigen Vereinsarbeit ist dieses weit entfernt.

Im Zweiten Weltkrieg war der 15-jährige Karl Lipphardt bei den Bombenangriffen auf Kassel als einer der ersten Feuerwehrleute vor Ort. Eines der Erlebnisse, die in seinem Gedächtnis besonders haften geblieben sind, war der Bombenangriff 1943. Er sei als erster Junge aus Calden auf der Landesfeuerwehrschule gewesen.

Dort sei es nach dem Unterricht gängig gewesen, mit den Kameraden noch in die Stadt zu gehen. An einem Abend, bevor vor sie sich wieder bereit machen wollten, bat der Ausbilder darum, nicht wie üblich nach dem Unterricht in die Stadt zu gehen.

„Jungs, ich will euch mal was sagen, ich habe heute so ein ungutes Gefühl“, erinnert sich Lipphardt an die Worte seines Ausbilders. Dieser sollte recht behalten. Denn es war keine Stunde vergangen, da hörten die Schüler den Fliegeralarm, der vor den feindlichen Bombern warnte. „Womöglich verdanke ich dem Ausbilder mein Leben“, schildert Lipphardt.

Anfang 1944 wurde er an die Front zur Ardennenoffensive geschickt. Eine Rippenfellentzündung hatte zufolge, dass er ins Lazarett musste. Von Munsterlager ging es nach Süddeutschland. Dort geriet der gebürtige Caldener in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Auch für Salzmann war das prägendste Erlebnis der Bombenangriff auf Kassel 1943. Als der Fliegeralarm ertönte, der vor den Bombern warnen sollte, seien sie sofort ausgerückt. Mit einem Trecker und einer Motorspritze sei es dann in das Inferno gegangen. „Auf dem Weg haben wir noch die Bomben fallen hören“, erinnert sich Salzmann.

„Es war ein einziges Flammenmeer“, berichtet er. Durch den Rauch sei es schwer gewesen, die eigene Hand vor Augen zu sehen. Am darauffolgenden Tag sei die Feuerwehr wieder nach Kassel geschickt worden, um Überlebende zu finden. Doch die Hoffnung sei von Minute zu Minute geschwunden. „Leider konnten wir niemanden mehr retten, die meisten Menschen sind in ihren Kellern erstickt.“Tausende Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben.

Mit 16 Jahren wurde Salzmann an die Ostfront geschickt. Dort wurde er am 22. April 1945 durch einen russischen Panzer am Oberschenkel verwundet. Durch einen glücklichen Zufall sei er dann in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten, erzählt Salzmann.

Das Vereinsleben

Nachdem der Krieg vorbei war und beide wieder aus der Gefangenschaft nach Hause zurückgekehrt waren, trugen sie schlimme Erinnerungen bei sich, die ein Leben lang bleiben sollten. Die Motivation fürs Vereinsleben kam bei beiden aber sofort wieder.

So trat Salzmann 1946 erneut den Dienst bei der Feuerwehr in Calden an und half beim Wiederaufbau. Karl Lipphardt zog zwei Jahre später nach. Im Jahr 1960 wurde Lipphardt zum Bürgermeister von Calden gewählt. Salzmann wurde zu seinem Stellvertreter ernannt. Als Bürgermeister hätte Lipphardt gute Möglichkeiten gehabt, Beschaffungen für die Feuerwehr zu organisieren, sagt er. So zum Beispiel wurden in seiner Amtszeit zwei neue Feuerwehrfahrzeuge angeschafft.

Heute sind beide Männer in der Alters- und Ehrenabteilung der Wehr. So viele Veränderungen wie sie haben wohl die wenigsten Mitglieder mitgemacht. Eines jedoch hat sich nie geändert: die Motivation, sich als Gruppe für das Wohl der Gemeinschaft einzusetzen. (Marvin Hinrichsen)

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