Tiere könnten Verkehrsunfall verursachen

Ausgerissene Rinder seit Vierteljahr auf der Flucht

Martina Brauner

Calden/Ahnatal. Die drei vor einem Vierteljahr bei Wilhelmsthal ausgebüchsten jungen Zuchtrinder genießen weiter ihre Freiheit und fühlen sich dabei augenscheinlich pudelwohl.

Nahezu täglich werden sie von Spaziergängern, Walkern oder Reitern beim Grasen im Gelände entdeckt. Ihr Bewegungsradius hat sich diesen Beobachtungen zufolge noch deutlich ausgedehnt. Gesehen wurden sie sowohl unweit des alten Flughafens als auch am Rande des Ahnataler Kammerbergs, häufig im historischen Tiergarten von Wilhelmsthal.

Die Tiere verschwanden kurz nach dem Weideauftrieb auf der neuerdings eingezäunten Flughafenausgleichsfläche südlich der Lindenallee zwischen Schloss Wilhelmsthal und dem Caldener Lindenrondell. Bis heute sei unklar, wie die Jungrinder entkommen konnten, sagte Eigentümerin Martina Brauner (Meimbressen) auf HNA-Nachfrage. Ihre eigene Situation nannte sie „verzweifelt“, die Zeit der Suche empfinde sie inzwischen als „eine kleine Ewigkeit“. Weiterhin seien sie und ihr Mann, wenn möglich mit Helfern, im ständigen Einsatz. Alle Bemühungen, die sogenannten Fresser - Rinder im Alter zwischen sechs Monaten und einem Jahr - einzufangen, seien bisher gescheitert.

Immer wieder gebe es Anrufe von Menschen, die ihnen den aktuellen Standort der Tiere mitteilten. Das Problem: Entweder seien diese bei Eintreffen nicht mehr vor Ort, zumal auch Helfer erst einmal zusammengerufen werden müssten. Oder aber man komme dicht an sie heran, werde dann aber durch vorbeikommende Personen oder Autos plötzlich so gestört, dass die unternehmungslustigen Halbstarken wieder das Weite suchten. Auch seien sie längst so pfiffig, dass sie jede Veränderung wie Vorkehrungen für eine Fangaktion sofort erkennen würden. Selbst eine Futterraufe mit Selbstfang wussten die Ausreißer zu meiden. Brauner: „So oft stand es schon kurz vor knapp und dann gelang es wieder nicht.“

Narkoseschuss schwierig

Ernste Sorge treibt die Eigentümer um, dass die längst auch in Freiheit sehr selbstsicheren Ausreißer einen Verkehrsunfall verursachen könnten. Gefährdet erscheint hier insbesondere die Rasenallee auf dem Teilstück zwischen Kammerberg und Schloss. Schweren Herzens haben sich die Halter der Tiere deshalb entschlossen, eine Abschussgenehmigung zu beantragen. Das Verfahren bei der Unteren Naturschutzbehörde läuft. Ein geeigneter Schütze sei gefunden, erklärte Martina Brauner. Aber auch das Erschießen berge massive Risiken, zum Beispiel für Menschen in der Umgebung durch Querschläger.

Als wenig realistisch habe sich der Gedanke erwiesen, die Getürmten mithilfe eines Narkosegewehrs schachmatt zu setzen. Mehrfach sei bereits ein Tierarzt alarmiert worden und auch herbei geeilt - ergebnislos. Der Narkoseschuss muss aus maximal 20 bis 30 Metern abgegeben werden. Beobachter des Spektakels in Wald und Flur fragen sich: Hat es überhaupt noch Sinn, das Ehepaar Brauner/Martin (Tel. 01 73/5 29 53 71) bei Entdecken der Rumtreiber zu informieren? „Unbedingt ja“, sagt die Eigentümerin. Hinweise nimmt auch die Polizei entgegen. 

Von Dorina Binienda-Beer

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