Schwein und Wurst brauchen viel Pflege

Bauernläden im Trend: Familie Ullrich aus Fürstenwald schlachtet selbst

Im Stroh fühlen sie sich wohl: Die rund 240 Schweine der Familie Ullrich müssen bis zur Schlachtung keine langen Transportwege erleiden.
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Im Stroh fühlen sie sich wohl: Die rund 240 Schweine der Familie Ullrich müssen bis zur Schlachtung keine langen Transportwege erleiden.

Bei Familie Ullrich in Fürstenwald werden die Schweine noch selbst geschlachtet und vermarktet. Außerdem wurde auch der Hofladen erweitert.

Fürstenwald – Beim Betreten des Schweinestalls von Familie Ullrich in Fürstenwald herrscht ordentlich Trubel. Rund 240 Tiere quieken aufgeregt und schauen neugierig durchs Gitter, wer sie da beim Schlafen, Wühlen und Fressen stört. Für Maik Ullrich und seine Eltern Carsten und Silke ist das Alltag. Seit fast 25 Jahren bieten die Landwirte und Fleischer regionale Produkte an, Fleisch und Wurst kommen direkt vom eigenen Hof.

Seit heute gibt es eine Neuerung auf ihrem Grundstück. Der Hofladen „Ullrichs Bauernladen“ wurde erweitert und modernisiert.

Helle Balken, große Fenster, eine neue Kühltheke laden zum Stöbern ein. Auf einer Empore soll zukünftig ein kleines Café entstehen. Familie Ullrich bietet dort von Filet und Kotelett über Pfefferbeißer und rote Wurst bis hin zu Gehacktem all die frischen Sachen an, die sich bei den Menschen aus Fürstenwald und Umgebung längst rumgesprochen haben. Hofläden liegen im Trend, das spüren auch die Direktvermarkter. Gemüse, Obst und Eier kaufen sie zu. Die Schweine schlachten und verarbeiten sie selbst. Auch das Rindfleisch kommt von ihnen.

„Dienstags ist bei uns Schlachttag“, erklärt Silke Ullrich, deren Eltern den Familienbetrieb ins Leben gerufen hatten. Der Ablauf ist klar: Mutter, Vater und Sohn packen jede Woche fleißig selbst mit an. „Es ist immer noch eine sehr anstrengende Arbeit – auch körperlich“, sagt Maik Ullrich. Maschinen hätten die Produktion aber wesentlich erleichtert – im Vergleich zu früher.

Etwa sechs Monate dürfen die Schweine im nahegelegenen Stall leben, bis sie geschlachtet werden. Zehn Tiere sind es in jeder Woche. „Bei uns geht es nicht darum, möglichst schnell die Schlachtreife zu erreichen“, erklärt Carsten Ullrich. Transportwege sind überhaupt nicht notwendig, dieser Stress falle also völlig weg.

Heute geht es im neuen Hofladen los: Maik, Carsten und Silke Ullrich (von links) hatten in den vergangenen Tagen noch letzte Handgriffe zu erledigen.

„Wir holen die Schweine montagabends aus ihrem Stall. Die Nacht über haben sie dann noch Ruhe“, erklärt Silke Ullrich. Per Strom werden die Tiere am nächsten Tag betäubt und dann entblutet. „Danach kommen die Schweine in eine Brühmaschine“, so Maik Ullrich, der selbst bereits seinen Meister als Fleischer absolviert hat. In der Brühmaschine werden die Haare der Tiere entfernt. Auf einem sogenannten Schragen – eine Art Gestell – geht es dann ans Abflammen und Nachrasieren.

An der Spreize wird das Schwein anschließend geteilt und die Innereien ausgenommen. An jedem Schlachttag sei auch ein Veterinär vor Ort, der sich das Prozedere genau anschaue. Schließlich müsse alles nach strengen Vorgaben ablaufen, sagt Familie Ullrich.

Nach der Kühlung geht es am nächsten Tag erst ans Zerlegen. Frische Produkte können sofort im Laden verkauft werden. „Vom lebenden Schwein bis zum Fleisch auf dem Teller sind es bei uns also manchmal nur wenige Stunden.“ Wurst wie die Stracke beispielsweise bräuchte aber eine längere Pflege. „Viele Menschen, die damit nichts zu tun haben, können sich gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit das eigentlich bedeutet“, so Silke Ullrich. Die gute Nachricht: Die Kunden des Bauernladens hätten meistens viel Verständnis, sie kennen die Ullrichs schließlich schon seit Jahren.

Öffnungszeiten: Der Bauernladen hat heute von 9 bis 18 Uhr geöffnet, ansonsten donnerstags von 9 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr. (Daria Neu)

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