Stadt Kassel übernimmt weitere Anteile

Neue Firmen sollen auf alten Flughafen in Calden ziehen

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Aus früheren Zeiten: Eine Postkarte mit Fotos vom alten Flughafen Kassel-Calden, als dieser noch in Betrieb war. Nun soll im Bereich der ehemaligen Start- und Landebahn ein interkommunales Gewerbegebiet entstehen.

Grünes Licht für das geplante interkommunale Gewerbegebiet am alten Flughafen in Calden: Die Stadt Kassel übernimmt weitere Geschäftsanteile an der Flughafen GmbH Kassel. Dafür stimmen auch die Parteien.

SPD, CDU, Grüne und AfD in der Stadt Kassel wollen Grünes Licht für das geplante interkommunale Gewerbegebiet am alten Flughafen in Calden geben. Mit großer Mehrheit hat sich am Mittwochabend der Finanzausschuss zudem dafür ausgesprochen, dass die Stadt Kassel weitere Geschäftsanteile an der Flughafen GmbH Kassel (FGK) von der Gemeinde Calden übernehmen soll. Entscheiden werden die Stadtverordneten darüber in ihrer nächsten Sitzung am Montag, 4. Februar.

Im Ausschuss lehnte lediglich die Kasseler Linke das Gewerbegebiet und die Anteilsübernahme (siehe Bericht rechts) ab. Zur Kritik der Linken im Vorfeld betonte Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) in der Sitzung, das interkommunale Gewerbegebiet sei eine „bedeutende Möglichkeit, um luftfahrt-affine Unternehmen anzusiedeln“. 

Erste Pläne wurden wegen der Erstaufnahmeeinrichtung verschoben

Die Bestrebung, auf dem alten Flughafengelände ein Gewerbegebiet auszuweisen, gebe es schon lange. Die Pläne dafür seien aber im Jahr 2015 wegen der dort eingerichteten Erstaufnahme für Flüchtlinge zunächst wieder in der Schublade verschwunden. Da diese Einrichtung aber im Sommer auf „passiv“ gesetzt worden sei, könnten die Pläne nun umgesetzt werden. Geselle zur Kritik der Linken: „Es gibt sehr wohl Interesse und Interessenten für die Flächen.“ Wie berichtet, geht es um eine rund 65 Hektar große Fläche im Bereich der ehemaligen Start- und Landebahn.

Der alte Flughafen Kassel-Calden.

Der größte Teil davon gehört der Flughafen GmbH. Die Flächen sollen zunächst für insgesamt 9,77 Millionen Euro (15 Euro pro Quadratmeter) an die Hessische Landgesellschaft (HLG) verkauft werden. Die HLG soll das Gewerbegebiet im Auftrag der drei FGK-Gesellschafter Stadt und Landkreis Kassel sowie der Gemeinde Calden erschließen und die Flächen an Firmen verpachten, also vermarkten.

"Entlastet uns in der ganzen Region"

Die Erträge aus dem Flächenverkauf sollen das Betriebsergebnis des Flughafens entlasten und so auch den Zuschussbedarf der Gesellschafter verringern. Laut Vereinbarung werden künftige Gewerbesteuererlöse zu jeweils einem Drittel an Stadt, Kreis und Gemeinde fließen. Mögliche Defizite – sollten sich also nicht genügend Firmen finden – haben Stadt und Kreis zu je 20 Prozent sowie die Gemeinde zu 60 Prozent zu übernehmen. Das Land soll Bürgschaften übernehmen, die Gesellschafter bilden zur Entwicklung des Gewerbegebiets einen Lenkungsausschuss.

Sozialdemokrat Hermann Hartig bewertete die Magistratsvorlage als wichtigen Antrag für die Zukunftsfähigkeit und Sicherheit des Flughafens.

Dieter Beig, Grünen-Fraktionschef

Die Risiken seien abgewogen, meinte Hartig. Zustimmung signalisierten auch CDU-Fraktionschef Dr. Michael von Rüden sowie Grünen-Fraktionschef Dieter Beig. „Ich freue mich, dass wir ein Gewerbegebiet interkommunal entwickeln“, sagte Beig. „Das entlastet uns in der ganzen Region.“

Kassel erhöht Anteil

Das Stammkapital der Flughafen GmbH Kassel (FGK) beträgt insgesamt 1,02 Millionen Euro. Gesellschafter sind das Land Hessen, die Stadt Kassel, der Landkreis Kassel und die Gemeinde Calden. Weil die Gemeinde Calden nicht mehr in der Lage ist, anteilig die beim Flughafen anfallenden Verluste (2017: rund sechs Millionen Euro) aus dem eigenen Haushalt zu begleichen, will sie die Hälfte ihrer Geschäftsanteile an Stadt und Kreis Kassel abgeben. 

Das Land Hessen wird danach künftig unverändert 694 800 Euro (68 Prozent) der FGK-Geschäftsanteile halten. Stadt und Kreis Kassel erhöhen ihren jeweiligen Anteil von 132 850 auf 148 175 Euro (von 13 auf 14,5 Prozent). Die Gemeinde Calden verringert ihren Anteil von 61 300 auf 30 650 Euro (von sechs auf drei Prozent).

Umfrage bei Reisebüros: Viele fragen nach Flügen ab Kassel

Für die Reisebüros in der Region spielt das Geschäft mit Ferienflügen ab dem Flughafen Kassel eine zunehmend wichtige Rolle. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Reisebüro-Verbundes Region Kassel unter 90 Unternehmen der Branche hervor. 

Verglichen werden dabei Angaben aus 2014, dem zweiten Betriebsjahr des Airports, mit 2018. Für das vergangene Jahr berichteten zwei Drittel aller Reisebüros, ihre Kunden hätten „häufig“ oder „sehr häufig“ nach Urlaubsflügen ab Kassel gefragt. Das seien nahezu doppelt so viele wie vier Jahre zuvor, sagte Michael Stiegl, Koordinator des Branchenverbundes. 

In noch stärkerem Maß habe sich der Anteil der Büros erhöht, die ihren Kunden auch aktiv dazu raten, Reisen mit Abflugort Kassel zu buchen: Über 77 Prozent der befragten Touristiker tun dies nach eigenen Angaben oft oder sehr oft (2014: 37 Prozent). Laut Berater Stiegl zeigt das, dass der Flughafen bei Reisefachleuten „im gesamten Einzugsgebiet angekommen ist und dass der Flugbetrieb inzwischen so stabil läuft, dass man ihn auch empfehlen kann“. 

Bedeutung des Airports ist gestiegen

In der Anfangszeit des Airports hatten immer wieder Flugausfälle und Umbuchungen zu anderen Abflugorten den Reisebüros das Leben schwer gemacht. So etwas ist inzwischen selten geworden. Ein weiterhin verlässlicher Flugplan ist nach Angaben von Mitgliedern des Reisebüro-Verbundes auch deren Hauptanliegen an den Flughafenbetrieb in Calden. 

Ebenfalls oben auf der Wunschliste steht eine Anbindung an ein Luftverkehrs-Drehkreuz, worüber schon seit dem Airport-Start im Jahr 2013 diskutiert wird. Die Verbund-Mitglieder haben immer noch Hoffnung, dass es einmal etwas werden könnte mit regelmäßigen Flügen von und nach Istanbul, wenn der dort neu eröffnete Großflughafen vollständig in Betrieb gegangen sein wird. 

Alle Infos zum Kassel Airport finden Sie im Flughafen-Spezial

Mittelfristig erwarten sie auch, dass die zuletzt verhaltene Nachfrage nach Türkei-Reisen wieder deutlich wachsen wird. Das Urlauber-Mekka Antalya verkaufe sich jedoch recht gut, ebenso wie die weiteren von Calden aus angebotenen Sommerziele. 

Aus Sicht des Reisebüro-Verbundes wäre es vorteilhaft, wenn der heimische Airport darüber hinaus ein Ziel anbieten würde, das nicht alle umliegenden Flughäfen ebenfalls im Flugplan hätten: Kroatien oder Montenegro etwa – oder ein attraktives Städtereiseziel wie Barcelona.

Hintergrund: Ergebnisse aus der Umfrage

Beliebte Ziele: Die am meisten nachgefragten Urlaubs-Flugziele waren 2018 in den teilnehmenden Reisebüros (in Reihenfolge) Griechenland, die Balearen, die Kanaren, Ägypten und die Türkei. Das sind genau die Ziele, die auch von Calden aus angeflogen werden.

Kritische Worte: Gründe, warum Reisebüros andere Flughäfen als Kassel empfehlen: Die Flüge seien dort oftmals teurer als an anderen Airports und das Urlaubsangebot sei insgesamt noch zu gering – vor allem Marktführer TUI ignoriere den Kasseler Flughafen noch immer. 

Gewachsenes Vertrauen: Über 90 Prozent der befragten Reisebüros erwarten, dass ihre Kunden einen Flug ab Kassel wählen würden, sofern die gewünschten Ziele angeboten würden. Das ist ein doppelt so hoher Wert wie bei der Umfrage im Jahr 2014.

Flugplan

  • Mallorca: ab 14. April jeweils Mo., Mi., Do., Fr. und So. 
  • Kreta: Di. und Sa. (ab 13.4.) . Hurghada: Do. u. So. (ab 2.5.) 
  • Antalya: Mi. und Sa. (ab 4.5.) 
  • Fuerteventura: Fr. (ab 5.7.) 
  • Sylt: Sa. (ab 8.6.) zunächst bis Ende August; bei guter Nachfrage Verlängerung möglich. Hinzu kommen 16 Sonder- und Gruppenreiseangebote, teils auch zu anderen Flugzielen.

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