Prognosen deutlich verfehlt

Bilanz nach einem Jahr Flughafen Calden: Es kann nur aufwärts gehen

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Abgehoben: Diese Maschine der Condor startete nur zu Übungszwecken in Calden. Die Hoffnung bleibt, solche Maschinen in Zukunft häufiger mit Passagieren besetzt starten und landen zu sehen. Foto: Quanz

Calden. Vor genau einem Jahr ist der Flughafen Kassel-Calden an den Start gegangen. Und die gute Nachricht: Er steht und ist betriebsbereit. Bei all den Negativ-Schlagzeilen, die der Airport in den vergangenen zwölf Monaten produzierte, die Infrastruktur ist vorhanden. Wie die Bilanz ausfällt.

Was dem Flughafen bis heute fehlt, sind die Chartermaschinen, die die 2500 Meter lange und 45 Meter breite Start- und Landebahn regelmäßig nutzen. Der früheren Geschäftsführerin Maria Anna Muller war es nicht gelungen, den neuen Flugplatz am Markt zu etablieren, jetzt ruhen die Hoffnungen auf ihrem Nachfolger Ralf Schustereder.

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So paradox es klingen mag: Seine Ausgangslage ist zunächst einmal günstig. Zum einen sind die Erwartungen inzwischen deutlich bescheidener geworden, zum anderen liegt die Messlatte, nämlich die Bilanz des Flughafens im ersten Jahr, relativ niedrig. Denn Prognosen und Wirklichkeit lagen weit auseinander. 22 891 Starts oder Landungen wurden im Jahr 2013 gezählt. Das waren deutlich weniger als noch fünf Jahre zuvor, als 30 000 Flugzeuge auf der Startbahn am alten Flugplatz abflogen oder ankamen.

Allerdings: Damals waren keine Urlaubsflieger im Einsatz, von denen es, trotz aller Skepsis, doch einige auf dem für über 250 Millionen Euro neu errichteten Airport gab. Die Passagierzahl für 2013 beziffert der Flugplatz auf knapp 47 000. Allerdings: Die meisten steigen nicht in oder aus Ferienfliegern, sondern aus kleinen Privat-Jets. Und: Jeder Passagier wird doppelt gezählt - bei Abflug und Ankunft je einmal. Hinter den Prognosen bleibt die Zahl dennoch weit zurück: Für 2013 waren 100 000 Passagiere erwartet worden.

Archiv-Video: Eröffnung des Flughafens

Bilder aus der Geschichte des Flughafens

Bilder aus der Geschichte des Flughafens Kassel-Calden

Die Stimmung bei den Firmen am neuen Flughafen ist dagegen gut: „Wir sind froh, dass wir hier sind, froh, dass der neue Flughafen gebaut wurde“, sagt Wilfried Otto, Vorstandssprecher und Hauptaktionär der Piper Generalvertretungs AG. Das Unternehmen mit 60 Mitarbeitern am Firmensitz hatte eine neue Firmenzentrale dort gebaut.

Der Flughafen biete Piper „Chancen auf Wachstum“. Zwar sei der erhoffte Entwicklungsschub noch ausgeblieben, aber das sei im ersten Jahr nicht ungewöhnlich. Zudem sei die nächste Woche beginnende Messe Aero die erste richtige Möglichkeit, den neuen Flughafen branchenintern bekannt zu machen.

Voll des Lobes ist Helmut Heidemann, Geschäftsführer des Flugvermittlers Nordavia, die mit der Firma Star Wings einen Charterjet am Flughafen stationiert hat: „Der Service am Flughafen ist hervorragend, es gibt kurze Wege, das Catering ist gut, der Flughafen ist allwettertauglich.“ Die Geschäfte mit dem Mietjet laufen offenbar gut: Mittlerweil wurde ein zusätzliches Turbopropellerflugzeug, eine Beechcraft 100, in Calden stationiert.

95 Prozent der Flüge würden von Firmen gebucht, angefragt seien bisher ausschließlich Reiseziele in Europa. Flug- oder Kundenzahlen nennt Nordavia aus strategischen Gründen nicht.

Von Michael Rieß und Göran Gehlen

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