Landwirt Daniel Rüddenklau aus Westuffeln führt ab dem 1. Juli einen Biobetrieb – Umstellung dauert zwei Jahre

Bio-Landwirtschaft: Gute Preise, bessere Lebensmittel

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Das wichtigste Gerät für seinen Biobetrieb: Mit einer Hacke fährt Daniel Rüddenklau durch die Pflanzenreihen und hackt das Unkraut ab. In der konventionellen Landwirtschaft wird Unkraut mit der Pflanzenschutzspritze vernichtet.

Westuffeln. Der 1. Juli ist für Daniel Rüddenklau aus Westuffeln ein besonderer Tag: Der 29-Jährige übernimmt den landwirtschaftlichen Betrieb seines Vaters und stellt ihn auf Biowirtschaft um. In Westuffeln ist er dabei in guter Gesellschaft. Dort werden mittlerweile etwa 75 Prozent Ackerfläche ökologisch bewirtschaftet.

Die Idee

Die Rüddenklaus sind nicht völlig neu in der Biobranche: Sohn Daniel bewirtschaftet bereits seit neun Jahren 18 Hektar Biofläche im Nebenerwerb. „Weil sich die Flächen am Rand der Ortschaft befinden, wollten wir nicht mit der Pflanzenschutzspritze um die Wohnhäuser herumfahren. Also haben wir dort auf Bio umgestellt.“ Die Entscheidung den kompletten Betrieb umzustellen, sei aber letztlich mit der Biogasanlage gefallen, die die Familie seit 2011 betreibt. Mit dieser Anlage können Rüddenklaus besondern hochwertigen Dünger erzeugen. Das sind beste Voraussetzungen für einen Biobetrieb.

Die Umstellung

Zwei Jahre dauert es, bis ein Betrieb vollständig umgestellt ist. Bis dahin dürfen keine Lebensmittel an den Verbraucher verkauft werden, sondern ausschließlich Futtergetreide. Das liege daran, dass Mineraldüngerreste, die in der konventionellen Landwirtschaft verwendet werden, erst vollständig aus dem Boden heraus sein müssen.

Ertrag und Preise

Die Faustregel lautet: Halber Ertrag, doppelter Preis. Eine Tonne Gerste von konventionellen Betrieben kostet zurzeit 140 Euro, eine Tonne Biogerste 360 Euro. Für sogenanntes Umstellungsgetreide, also das, was in den zwei Jahren während der Umstellung auf Ökolandwirtschaft produziert wird, bekommt der Bauer 300 Euro pro Tonne.

Vor- und Nachteile

Einen Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umzustellen, erfordert einen hohen bürokratischen Aufwand. Anträge müssen gestellt werden, der Landwirt muss sich einem sogenannten Anbauverband anschließen und seinen Betrieb jährlichen Kontrollen unterziehen. Außerdem muss er sich im Vorfeld natürlich über die Auflagen informieren. Der finanzielle Aufwand hält sich in Grenzen, da für die Arbeit in konventionellen Betrieben in etwa die gleichen Geräte benutzt werden wie in Biobetrieben.

Einen klaren Vorteil sieht Rüddenklau darin, dass er sich mit seinem Biobetrieb vom internationalen Markt abkoppelt. „Die Preise für Biolebensmittel sind regional sehr unterschiedlich. Dagegen werden die Preise für konventionelle Lebensmittel in Paris oder Chicago gemacht.“ An den Arbeitszeiten ändere sich nicht viel, die Spitzenzeiten würden nur vom Frühjahr in den Herbst gelegt. „Vier- bis fünfmal werden die Böden im Herbst bearbeitet und das Unkraut zerstört. Bisher mussten die Böden bis zu neunmal mit der Pflanzenschutzspritze bearbeitet werden.“

Einmal Bio, immer bio

Für Daniel Rüddenklau kommt es nicht infrage, seinen Betrieb irgendwann wieder konventionell zu führen. „Auch wenn sich die Auflagen oder Preise ins Negative ändern sollten, bleibe ich auch bei der Biolandwirtschaft.“ Das habe für ihn vor allem ideologische Gründe.

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