Bio-Schweine in Obermeiser: Der Schwanz bleibt dran

Bio-Bauer Fritz Hold in einer seiner neuen Stallanlagen: In den nach vorne offenen Buchten mit jeweils elf Schweinen haben die Tiere dreimal mehr Bewegungsfläche als in konventionellen Mastanlagen. Fotos:  Henke

Obermeiser. Das Interesse an Bio-Landwirtschaft nimmt zu - nicht nur von Verbrauchern, sondern auch bei den Bauern. Wir stellen einen Bio-Landwirt aus Obermeiser vor.

Nach etwa fünf Minuten haben die Tiere ihre Scheu vor den Fremden abgelegt und werden neugierig. Dann kommen sie an den Rand ihres Stalles und beäugen die Leute, für die sie gerade Gegenstand der Unterhaltung sind. Und jeder sieht: Den Schweinen von Fritz Hold geht’s gut. Die „Läufer“ sind putzmunter und lassen ihre Ringelschwänze freudig kreisen.

Der Ringelschwanz: Kennzeichen fürs Bio-Schwein.

Ja, diese Borstentiere haben noch richtige Schwänze. Sie sind nicht kupiert, also entfernt, sondern bleiben, so wie die Natur es vorgesehen hat. Das ist möglich, „weil das Schwanzbeißen in meinen Ställen gegen Null tendiert“, sagt Hold. Das Schwanzbeißen ist eines der Probleme in der Massentierhaltung und der Grund dafür, dass den Ferkelchen, kaum haben sie das künstliche Licht des Stalles entdeckt, der Ringelschwanz gestutzt wird.

Holds Schweine sind Bio-Schweine. Sie liegen auf Stroh und nicht auf Spaltenböden. Sie bekommen biologisch erzeugtes Futter und kein genmanipuliertes Soja aus Übersee. Und Antibiotika ist bei Hold sowieso verpönt und nach den Vorschriften der biologischen Schweinemast auch nicht erlaubt - allerdings auch gar nicht nötig. Denn anders als in den großen Stallanlagen der konventionellen Schweine-Produktion, werden Bio-Schweine viel seltener krank. Und sollte dann doch eines mal husten, dann verabreicht Bauer Hold eine Kräutermischung. „Die ist auch für Menschen verträglich.“

Wo in der Tiermast keine Antibiotika eingesetzt werden, da sind auch die in der Humanmedizin gefürchteten multiresistenten Keime (MRSA) kein Problem. „Die sind bislang noch in keiner der regelmäßigen Messungen bei uns aufgetreten“, sagt Hold.

Ein wesentlicher Grund für die Tiergesundheit ist der großzügig bemessene Platz in Holds Stall. Bio-Schweinen wird mit einer Fläche von 2,3 Quadratmetern pro Tier dreimal soviel Bewegungsraum zugestanden wie ihren Artgenossen in der konventionellen Haltung.

Keine Pestizide 

Fritz Hold hat seinen Betrieb vor zehn Jahren komplett auf Bio umgestellt, was bedeutet, dass auch das Futter für seine Tiere biologisch erzeugt wird - ohne Kunstdünger und Pestizide.

„Das habe ich nie bereut“, sagt er und macht aus seiner tiefen Zufriedenheit über diese Entscheidung kein Hehl. Denn es sei nicht nur im Sinne des Tierwohls der einzig richtige Entschluss gewesen, sondern auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Weil seine biologische Schweinemast sich so gut rechnet, hat Hold vergangenes Jahr zwei neue Ställe gebaut für jeweils 275 Schweine. Ende des Jahres hat er sie in Betrieb genommen und dazu auch noch einen Mitarbeiter eingestellt.

Auch an kalten Tagen habe er beobachten können, wie wohl sich seine Schweine fühlen. Selbst bei Schnee und 14 Grad minus seien sie in den Außenbereich ihrer Buchten gelaufen.

„Die Tiere können jede Witterung genießen, haben frische Luft und sind dabei völlig relaxt.“ Der Kenner, so Hold, erkenne dies später am Geschmack von Fleisch und Ahler Wurscht.

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