Anwalt will von Berater Rückzahlung

Biokraft-Genossen hoffen auf Geld

Ehrsten/Meimbressen. Neue Hoffnung für die Genossenschaftsmitglieder der insolventen Biokraft und Wärme Ehrsten-Meimbressen.

Sie könnten einen Teil ihres investierten Geldes wieder erhalten, wenn die Klage des Insolvenzverwalters gegen eine Beratungs- und Planungsfirma sowie zwei Unternehmen erfolgreich ist.

Insgesamt geht es bei der Klage um 265 000 Euro, die die vor eineinhalb Jahren insolvent gegangene Energiegenossenschaft bezahlt hat. Zu Unrecht, wie Insolvenzverwalter Dr. Richard Foltis (Kassel) meint. Eine entsprechende Klage sei auf dem Weg, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Wann sich die zuständige Handelskammer am Landgericht damit befasst, sei offen. Er rechnet allerdings bis Herbst mit einem Ergebnis.

Wie berichtet hatten 165 Einwohner aus Ehrsten und Meimbressen eine Genossenschaft gegründet, um umweltfreundlich erzeugte Energie zu nutzen. Im Regelfall zahlten sie 2500 Euro ein.

Doch zur geplanten Energieerzeugung kam es nicht. Erst verzögerte es sich, die angestrebte Finanzierung auf die Beine zu stellen, dann wurde das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) geändert mit der Folge, dass die Grunddaten der geplanten Einnahmen hinfällig waren.

Als dann noch eine fünfstellige Rechnung der Gemeinde und eine sechsstellige der Planungs- und Beratungfirma ins Haus der Genossenschaft flatterte, reichte das Eigenkapital nicht mehr, um sie begleichen zu können. Die Genossenschaft meldete Insolvenz an. Der vom Gericht beauftragte Insolvenzverwalter Foltis prüfte daraufhin sämtliche größeren Ausgabeposten und auch die Vertragsverhältnisse. Beim Vertrag mit der Beratungsfirma wurde er stutzig. In dem Schriftstück hieß es, dass der Vertrag nur dann zustande komme, wenn die Finanzierung des Sieben-Millionen-Euro-Projekts Heizkraftwerk gesichert sei.

„Ich möchte, dass das Verfahren gegen alle drei, das Planungsbüro und die beiden Firmen, gemeinsam geführt wird.“

Insolvenzverwalter Dr. Richard Foltis

Da die Finanzierung aber nie unter Dach und Fach war, so die Argumentation von Foltis, sei der Vertrag nie richtig in Kraft getreten. Die Firma müsse also das bereits erhaltene Honorar in Höhe von 76 000 Euro zurückzahlen.

Doch das ist nicht alles, was Foltis von dem nordhessischen Planungs- und Beratungsbüro möchte. Nicht zuletzt auf Drängen des Büros habe die Genossenschaft Aufträge an zwei Firmen vergeben, unter anderem für Turbinenteile. 189 000 Euro seien hier aufgelaufen. Da auch in den Verträgen mit den beiden Lieferfirmen Ungereimtheiten enthalten seien, werden auch diese in der Klage von Foltis belangt. „Ich möchte, dass das Verfahren gegen alle drei, das Planungsbüro und die beiden Firmen, gemeinsam geführt wird. Dann kann es nicht einer auf den anderen schieben“, sagt Foltis.

Wenn Klage Erfolg hat

Aber auch darüber befindet das Gericht – genauso wie über die bereits vor zwei Wochen eingereichte Klage gegen die Gemeinde Calden. Hier will der Insolvenzverwalter, wie berichtet 20 000 Euro an geleisteten Zinszahlungen zurück. Haben alle Klagen in vollem Umfang Erfolg, könnten die Genossenschaftsmitglieder Geld zurückerhalten. Wie hoch der Betrag ist, kann derzeit niemand genau sagen. Voraussichtlich liegt er im oberen dreistelligen oder unteren vierstelligen Bereich.

Rubriklistenbild: © dpa

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