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Umfassende Umgestaltung der Wilhelmsthaler Straße in Calden geplant

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Von: Dorina Binienda-Beer

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Blick aus dem Fenster der Alten Schmiede: Die Wilhelmsthaler Straße in Calden verbindet die Ortsmitte mit Schule, Kindergarten und Sportstätten am Südrand der Gemeinde. Archiv
Blick aus dem Fenster der Alten Schmiede: Die Wilhelmsthaler Straße in Calden verbindet die Ortsmitte mit Schule, Kindergarten und Sportstätten am Südrand der Gemeinde. Archiv © Dorina Binienda-Beer

Eine umfassende Umgestaltung der Wilhelmsthaler Straße in Calden ist geplant. Anwohner sehen das Projekt eher kritisch.

Calden - Zwei Verkehrsachsen durchziehen Calden. Beide ändern in naher Zukunft ihr Gesicht. Das Ortszentrum wird nach endgültiger Fertigstellung der B7-Ortsumfahrung und dem Rückbau der Holländischen Straße zu einer innerörtlichen Zone von einer starken Entlastung profitieren. Eine weitreichende Umgestaltung ist auch für die Wilhelmsthaler Straße geplant.

Caldens innerörtlicher Straßenzug mit den meisten Gewerbebetrieben bildet die Verbindung zwischen der Ortsmitte und etlichen Einrichtungen der sozialen Infrastruktur am Ortsrand, ist außerdem Zubringer in Richtung Schloss sowie südliches Umland. Massive Veränderungen stehen hier an. Ab Mai soll für vier Millionen Euro in 18-monatiger Bauzeit ein nach Auskunft des Caldener Bauamtes zeitgemäßes Verkehrskonzept umgesetzt werden.

Zwischen Fahrschule und Apotheke werde eine verkehrsberuhigte, barrierefreie und „attraktive Lebensader“ geschaffen, sagt Fachbereichsleiter Christoph Kaufmann. Das Projekt werde einen bedeutsamen Baustein in Zusammenhang mit der angestrebten Ortskerngestaltung darstellen.

Das Planungskonzept für diesen Straßenabschnitt sieht im Wesentlichen vor: eine Fahrbahnbreite von nur noch fünf Metern, anstelle der heutigen maroden Gehwege links- und rechtsseitig niveaugleiche Mischflächen – somit könne auf Bordsteine verzichtet werden. Auf diese Weise würden „die Bewegungsräume vergrößert und der nichtmotorisierte Verkehr gestärkt“, heißt es aus dem Rathaus.

Davon werden auch Radfahrer profitieren. Für motorisierte Fahrzeuge gilt künftig maximal Tempo 30. Die Gemeinde verspricht sich eine deutliche Steigerung der Wohn- und Lebensqualität in der Wilhelmsthaler Straße.

Sie will für die Verkehrssituation bedeutsame Restflächen zwischen den heutigen Gehwegparzellen und den Gebäuden erwerben, um diese funktional und gestalterisch in das Umbauprojekt einzubeziehen. Die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke sehen den Neuerungen jedoch mit gemischten Gefühlen entgegen.

Konzept für Wilhelmsthaler Straße bereitet Sorgen

Weil es sich bei der Wilhelmsthaler Straße um eine Kreisstraße handelt, ist als Baulastträger auch der Landkreis Kassel an dem Infrastrukturvorhaben beteiligt. Von den 1,6 Millionen Euro, die auf die Gemeinde Calden entfallen werden, müssen die 85 Grundstückseigentümer entlang des umzubauenden Straßenabschnitts immerhin 320 000 Euro stemmen.

Ihnen bereiten, wie sich in einer Infoveranstaltung mit dem federführenden Ingenieurbüro zeigte, die geplanten verkehrstechnischen Veränderungen vor ihren Haustüren aber mindestens ebensolches Unbehagen.

Prinzipiell bestehe sehr wohl Einsicht in die Notwendigkeit von Bauarbeiten, sagen etwa die Anwohner Beate Lehmann, Gerd Sommerlade und Friedhelm Schaub mit Blick auf den überwiegend miserablen Zustand der Gehwege aktuell. Der Reparaturbedarf sei unstrittig. Als Hauptkritikpunkte an dem Umbaukonzept sehen sie jedoch die Fahrbahnverengung auf fünf Meter und die vorgesehenen Mischflächen für Fußgänger und Radfahrer bei Verzicht auf den Wiedereinbau von Bordsteinen als Begrenzung.

Enge Fahrbahn ist Hauptkritikpunkt

Seitlich der Fahrbahn verläuft laut Planung zwar jeweils ein farblich abgesetzter Pflasterstreifen von 50 Zentimetern Breite. Im Begegnungsverkehr auf der dann schmaleren Fahrbahn sehen die meisten Anlieger allerdings das Risiko, dass es gerade bei größeren Fahrzeugen wie Bussen, Lkw oder Schleppern zu Ausweichmanövern in den Gehbereich kommen könnte. Damit bestünde ein nicht unerhebliches Sicherheitsrisiko für Fußgänger.

Immerhin handele es sich bei der Wilhelmsthaler Straße um einen von vielen Grundschülern genutzten Weg zur und von der Mittelpunktschule, geben die Skeptiker zu bedenken.

Von Fahrzeugen intensiv frequentiert sein wird die Nord-Süd-Verbindung in der Gemeinde auch weiterhin: Am Ende der ein Kilometer langen Umbaustrecke liegen nicht nur das Schulzentrum, sondern auch Kinderbetreuungseinrichtungen, Sportplätze und -halle, das Schwimmbad und außerhalb der Ortslage Schloss Wilhelmsthal, das bei Großveranstaltungen im Park von Besucherströmen angesteuert wird.

In diesem Punkt prüft das planende Ingenieurbüro nach Auskunft von Bauamtsleiter Christoph Kaufmann, ob die Straßenlaternen möglicherweise in den Pflasterstreifen neben der Fahrbahn integriert werden können, als optische und tatsächliche Bremse gegen das Befahren der Mischfläche.

Auch Lärm und Abgase bereiten Sorgen

Es gibt weitere Befürchtungen. Mehr Lärm- und Abgasimmissionen könnten auftreten, wenn es bei den Verkehrsfluss hemmenden Engpässen auf der verschmälerten Fahrbahn zu einem häufigeren Abbremsen und Wiederanfahren kommt. Bedenken gibt es zudem, dass bei Niveaugleichheit das Oberflächenwasser verstärkt auf die Grundstücke abfließen könnte, wenn es keine verlässliche Wartung der Kanalzugänge geben sollte. Die künftige Parkplatzsituation ist ein weiterer Knackpunkt.

Der Anwohnergemeinschaft Calde-Platz bereitet ernsthaft Sorge, dass das seit 2007 in Eigenregie und mit Herzblut gepflegte Areal vom Straßenumbau negativ betroffen sein könnte. Im Übrigen habe es damals bei der Planung eine intensive Abstimmung zwischen Gemeinde und Anliegern gegeben, sagt Mitinitiatorin Beate Lehmann. Eine solch positive Erfahrung hätten sie und die Nachbarschaft gerne auch bei der Umbauplanung für die Wilhelmsthaler Straße gemacht.

Das eineinhalbjährige Vorhaben wird den durchfließenden Verkehr beeinträchtigen. Deshalb werde abschnittsweise vorgegangen, versichert Bauamtsleiter Kaufmann.

Auf dem letzten Straßenstück, von der Apotheke Richtung Ortsausgang, bleiben eine breitere Fahrbahn und Gehwege mit Bordsteinen erhalten. (Dorina Binienda-Beer)

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