Hilfe bei Zoff am Gartenzaun

Schiedsleute sind als Streitschlichter häufiger gefragt

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Am Eingang zum Schiedsamt in Fürstenwald: Michael Müller, der als Schiedsmann für die Gemeinde Calden zuständig ist.

Die Hecke ist zu hoch, der Baum wächst über den Zaun: Das sind typische Probleme, mit denen sich Schiedsleute auseinandersetzen müssen.

Die Hecke ist zu hoch, der Baum wächst über den Zaun: Das sind typische Probleme, mit denen sich Schiedsleute auseinandersetzen müssen. Sie sorgen dafür, dass sich Gerichte nicht mit solchen kleineren Streitigkeiten unter Nachbarn auseinandersetzen müssen. Insgesamt 345 Fälle haben die Schiedsfrauen und -männer in Stadt und Kreis Kassel im Jahr 2018 bearbeitet, teilte das Amtsgericht Kassel auf Anfrage unserer Zeitung mit. Das ist der höchste Stand der vergangenen zehn Jahre.

Die meisten dieser Angelegenheiten (220 im Jahr 2018) sind sogenannte Tür- und Angelfälle. Der Begriff spricht für sich: Hier gibt es ein formloses Verfahren, die Angelegenheit können die Schiedsleute beispielsweise durch ein Telefongespräch oder durch Vermittlung vor Ort aus der Welt schaffen. Sollte das nicht gelingen, kommt es zu einem Schlichtungsverfahren. 125 davon hat das Amtsgericht davon im Jahr 2018 insgesamt für Stadt und Kreis Kassel zusammen verzeichnet, eine getrennte Auswertung liegt nicht vor.

Schiedsleute fällen kein Urteil

In 60 Fällen waren die Angelegenheiten damit erledigt – und behelligten nicht noch ein Gericht. Denn bei vielen Streitigkeiten des täglichen Lebens oder bei kleineren Strafsachen wie Hausfriedensbruch oder Beleidigung sei zuerst der Gang zum Schiedsamt vorgeschrieben, heißt es vom Hessischen Justizministerium. Erst nach einem erfolglosen Schiedsversuch sei eine Klage beim Amtsgericht möglich.

Ein Urteil fällen die Schiedsleute allerdings nicht. Es gehe um eine Schlichtung, mit der beide Parteien einverstanden sein müssen, erklärt Bruno Leck aus Schauenburg. Er ist seit 14 Jahren Schiedsmann und Vorsitzender der Bezirksvereinigung Kassel im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS). Am Ende stehe ein Kompromiss, beide müssten aufein-ander zugehen. Das sei vor Gericht nicht unbedingt so: „Ein Urteil muss schließlich nicht jedem gefallen.“

Bruno Leck, Bund Deutscher Schiedsmänner

Die Schiedsämter ermöglichten eine zeitnahe und einvernehmliche Lösung von Konflikten, teilte ein Sprecher des Amtsgerichts Kassel mit. Damit würden sie zur Entlastung der Gerichte beitragen. 

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