Kampfmittelräumdienst transportierte Munition ab

Aus dem Zweiten Weltkrieg: Rund 500 Stabbrandbomben bei Westuffeln geborgen

Tanja Temme

Die Brandbomben, die in der letzten Woche auf einem Acker bei Westuffeln gefunden wurden, wurden nun geborgen. Fast 500 Stück wurden vom Kampfmittelräumdienst ausgegraben.

Update vom 16. 09. 2019 - Nachdem Ende vergangener Woche Stabbrandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg auf einem Acker zwischen Obermeiser und Westuffeln gefunden worden waren, verschaffte sich Winfried Bieker vom Kampfmittelräumdienst am Montagmorgen einen genauen Überblick an der Fundstelle. 

Schon am Freitag hatte der Experte aus Calden erste Sichtungen vorgenommen. „1,50 Meter tief haben wir gegraben und dabei 490 Stabbrandbomben gefunden“, erklärte der Fachmann, der sich mit einem Bagger im Erdreich vorgearbeitet hatte. Mit den sieben Fundstücken der ersten Suche sind es somit fast 500. 

Vermutung: Bomben wurden vergraben

Der Leiter des Fundkommandos Nord vermutet, dass es sich hierbei um eine Vergrabungsstelle handelt, also ein Loch, welches kurz nach der Bombardierung von Kassel ausgehoben wurde, um die Kampfstoffe möglichst schnell zu entsorgen. Grund für seine Annahme ist einerseits, dass er keinen Abwurfbehälter fand, also eine Art Gehäuse, in welcher gewöhnlich die Munition aufbewahrt wurde. 

Andererseits kamen die Stabbrandbomben teilweise geschichtet zum Vorschein, was für menschliches Einwirken spricht. Auch die hohe Anzahl ist ein Indiz für die Vergrabungstheorie, da ein Magazin gewöhnlich aus 90 Bomben besteht. „Dass in Kassel in der Bombennacht mehr als 10.000 Menschen umgekommen waren, wusste man auch in Obermeiser, da hatte man sicherlich andere Sorgen und war einfach nur drum bemüht, möglichst schnell die Stabbrandbomben loszuwerden“, mutmaßte Holger Neumeyer, der die Gemeinde Calden vertrat. 

Zudem ist der Gemeindekämmerer auch Mitglied des Arbeitskreises Dorfgeschichte, der auch der Bombenfinder Reinhard Saalfeld angehört. 

Ordnungsamt entscheidet nun, wie es weitergeht

Wie es auf dem Acker nun weitergeht, wird in den kommenden Tagen das Caldener Ordnungsamt entscheiden. Möglicherweise wird der Eigentümer aufgefordert werden, den oberen Teil der Fläche, also den Bereich, wo einst das englische Militärflugzeug abstürzte, um dessen Bombenlast es sich hier handelt, von einer Fachfirma auf mögliche Kampfmittelreste untersuchen zu lassen. 

Winfried Bieker, Leiter Fundkommando Nord beim Kampfmittelräumdienst, mit der Munition.

„Wie hoch die Kosten für so einen Einsatz sind, kann ich nicht sagen, da es davon abhängt, wieviel sich im Boden verbirgt“, sagte Bieker. Günstig ist eine solche Begutachtung sicher nicht, handelt es sich hier doch um ein rund zwei Hektar großes Areal. Die gefundenen Stabbrandbomben wurden per Lkw zu einem Entsorgungsplatz bei Alsfeld gebracht. Bald wird es für Bieker im Kreisteil Hofgeismar weitergehen, soll sich doch auch im Wald bei Gieselwerder „noch einiges verbergen“. 

Dass bei Obermeiser am Oppermannsberg auch noch Sprengbomben zum Vorschein kommen könnten, ist laut Neumeyer unwahrscheinlich. Es gebe einen Brief des damaligen Piloten in welchem dieser schildere, dass sie die Sprengsätze nachdem sie angeschossen worden seien, in der Nähe von Kassel abgeworfen hätten.

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Auch fast 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges lauert auf manchem Acker noch Gefahr. So auch auf einem Feld in der Westuffelner Gemarkung. Dort hat Reinhard Saalfeld, Mitglied des Heimatvereins, am Donnerstagnachmittag zufällig Stabbrandbomben gefunden. 

Mit einem Detektor hatte Heimatkundler Saalfeld einen Bereich abgesucht, wo während des Zweiten Weltkrieges ein Militärflugzeug notgelandet war. „Da sich Besuch aus England angekündigt hatte, die einen Verwandten bei dem Absturz verloren haben, wollte ich nochmal schauen, wo der Flieger runtergegangen ist“, sagte der Heimatkundler. 

Piepton am Suchgerät

Saalfeld spricht von einem englischen Lancaster-Bomber, dessen siebenköpfige Besatzung an der Bombardierung Kassels 1943 beteiligt war. Dabei wurde die Maschine von der deutschen Flugabwehr beschossen. Das Flugzeug geriet in Brand und musste notlanden. Genau dort, wo der Ruheständler am Donnerstag die Bomben durch einen Piepton seines Suchgerätes entdeckte. 

Bei der Notlandung verbrannten sechs Besatzungsmitglieder. Der Pilot konnte mit dem Fallschirm abspringen. Nachdem Saalfeld den ersten Metallkörper im Boden gefunden hatte, beriet er sich mit seinen Vereinskollegen. Gemeinsam informierten sie den Kampfmittelräumdienst und die Polizei. 

Die ersten Brandbomben nach 30 Zentimetern

Diese kamen am Freitagmorgen auf der Fläche zusammen, um zu schauen, ob eine Gefahr von den Fundstücken ausgeht. Nur gut 30 Zentimeter musste Winfried Bieker, Leiter des Fundkommandos Nord des Kampfmittelräumdienstes, graben, bis er die ersten Brandbomben fand. 

„Davon gibt es im Kasseler Raum noch Tausende im Boden“, sagte der Caldener. Obwohl diese schon jahrzehntelang in der Erde liegen, seien sie gefährlich. Einige haben eine sogenannte Zerlegerladung, die über eine hohe Explosionskraft verfügt. „Wenn ein Landwirt mit seiner Maschine einen bestimmten Teil der Bomben erwischt, kann das eine Explosion auslösen“, hieß es an der Fundstelle. Kämen die Überreste mit Feuer in Verbindung, geht wegen der großen Entzündlichkeit ebenfalls eine Gefährdung aus. 

Verschmutzung durch Brandbomben

Nicht zuletzt können die Brandbomben wegen ihrer Chemikalien für eine Verschmutzung des Bodens sorgen. Deshalb müssen sie auch aus Umweltschutzgründen fachgerecht entsorgt werden. Da sich sieben Stabbrandbomben fanden, beschloss Bieker, dass man in den nächsten Tagen den Boden mit einem Bagger ausheben muss, um weitere zu finden. Jedes Magazin habe 90 Stabbrandbomben umfasst. Deshalb sei es gut möglich, dass dort noch mehr zum Vorschein kommen. 

Für Winfried Bieker war dieser Einsatz nichts Besonderes. Vor allem im Kasseler Raum finde der Kampfmittelräumdienst fast täglich Stabbrandbomben. Die wurden bei den Angriffen im Zweiten Weltkrieg in großer Zahl über dem Stadtgebiet und darüber hinaus abgeworfen.

Erstmeldung: Stabbrandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden 

Der Kampfmittelräumdidenst ist vor Ort. Laut Polizei soll "zeitnah" eine weitere Suche in diesem Bereich erfolgen. Eine Gefährdung für die Bevölkerung habe nicht bestanden, heißt es. Die Fundstelle ist gesichert und abgesperrt.

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