120 Ärzte stehen bereit

Calden: Täglich Sprechstunde für Flüchtlinge - Viele  sind schwer traumatisiert

Mehrsprachiger Hinweis: Von Montag bis Samstag bieten Allgemeinmediziner und Kinderärzte nachmittags Sprechstunden in der Flüchtlingsstadt in Calden an. Weitere ehrenamtlich helfende Ärzte sind willkommen und können sich gern auch beim Gesundheitsamt melden. Foto:  nh

Calden. Ein kleines Schild verkündet, dass ab 13 Uhr wieder ein Arzt da ist, um den rund 1300 Menschen in der Flüchtlingsstadt in Calden eine Sprechstunde anzubieten.

Innerhalb von Stunden seien die ersten Mediziner für die Ankunft der Flüchtlinge mobilisiert worden. Und schon zwei Tage später wurde die erste Sprechstunde geöffnet, schildert der Kasseler Allgemeinmediziner Michael Urban, der auch Obmann für den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Kassel ist. „Ich bin erstaunt, was in so kurzer Zeit aus dem Boden gestampft wurde“, sagt der Arzt.

Wie die medizinische Versorgung der Flüchtlinge in der Landesfeuerwehrschule in Kassel organisiert werden wird, stand gestern noch nicht fest. Auch hier soll es aber eine schnelle Lösung geben.

Rund 120 Ärzte in der Region Kassel seien dem Aufruf gefolgt, an der medizinischen Hilfe für die Flüchtlinge mitzuwirken, sagt der Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel, Michael Conrad: „Das ist großartig.“

So bieten Allgemeinmediziner und Kinderärzte aus Stadt und Landkreis von Montag bis Samstag Sprechstunden in einem gut ausgestatteten Sanitätscontainer an. Für diese drei bis dreieinhalb Stunden dauernden Sprechstunden machten sich die niedergelassenen Mediziner in ihrer eigenen Praxis frei, schildert Urban.

Bis zu 60 Patienten nutzten die täglichen Sprechstunden, dabei handele es sich meist um solch gesundheitliche Probleme, wie sie in der täglichen Hausarztpraxis auch vorkommen: Erkältungen, Magen-Darm-Infekte oder auch Hauterkrankungen seien häufig. Die meisten Flüchtlinge seien jüngere Erwachsene, außerdem leben rund 350 Kinder in den Zelten.

Michael Conrad

Zu den schwerwiegenden Problemen gehörten psychische Traumata, die viele Flüchtlinge durch Krieg, Folter, Vergewaltigung oder Flucht erlitten. Glücklicherweise seien nun auch Psychiater und Psychotherapeuten im Boot, um diesen Patienten zu helfen. Die Übersetzung durch Dolmetscher klappe auch in den Sprechstunden gut, sagt Urban. Falls eine Überweisung an einen Facharzt nötig sei, könne an eine Facharztpraxis oder in ein Krankenhaus überwiesen werden. Darüber hinaus sei der Sanitätsdienst des DRK 24 Stunden im Einsatz.

Auch die Erstuntersuchungen der Flüchtlinge seien nun gut angelaufen, sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, das eng mit dem Regierungspräsidium zusammenarbeitet. Die Kosten für notwendige ärztliche Untersuchungen trage das Land, erläutert die Sprecherin des Regierungspräsidiums Gießen, Gabriele Fischer. Wobei im Asylbewerberleistungsgesetz geregelt sei, dass nur akute und schmerzhafte Erkrankungen behandelt werden.

Einblick in die Caldener Zeltstadt für Flüchtlinge

Selbstverständlich werden auch Schwangere und Wöchnerinnen im Rahmen der Vor- und Nachsorge behandelt, unter anderem in der Frauenklinik des Klinikum Kassel. Zwei Neugeborene gibt es schon in der Zeltstadt. 20 Flüchtlingsbabys sollen in den nächsten Wochen zur Welt kommen.

Nach Verfügbarkeit sollen junge Mütter mit ihren Babys in festen Unterkünften untergebracht werden, sagt Gabriele Fischer.

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- Reportage: Eine Stunde im Flüchtlingscamp

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