Zahlreiche Baustellen auf dem Caldener Airport

Nach Aus von Muller: Viel Arbeit wartet auf den neuen Flughafen-Chef

Kassel. Die Chefin geht, die Probleme bleiben: Nach der Trennung von Flughafen-Geschäftsführerin Maria Anna Muller arbeiten die Gesellschafter – das Land Hessen, Stadt und Kreis Kassel sowie die Gemeinde Calden – fieberhaft an einer Nachfolgeregelung. Wer immer den Job macht, wird es schwer haben.

Denn er/sie muss das Baby zum Laufen bringen und verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Im Gepräch ist ein ehemaliger Fraport-Manager, Mitte 40 bis 50 mit Auslandserfahrung.

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Die Bilanz, die Muller hinterlässt, ist verheerend: Im Winter gab es überhaupt keinen Flugbetrieb mit großen Maschinen, und im Sommer startet aus heutiger Sicht nicht einmal eine Handvoll Flugzeuge in der Woche. Turkish Airlines hat im November zwar angekündigt, Kassel-Calden regelmäßig anfliegen zu wollen, viele Beobachter glauben allerdings nicht daran. Wenn Turkish Airlines nicht kommt, ist es zappenduster auf dem Airport. Und selbst wenn diese Gesellschaft absehbar in Kassel-Calden startet und landet, ist das nur ein Schritt in die richtige Richtung.

Der oder die Neue muss weitere Airlines an Land ziehen und Gewerbe ansiedeln – am neuen und am alten Flughafen, der in ein Gewerbegebiet umgewandelt wird. Das kann der neue Chef aber nicht allein schaffen. Land, Stadt, Kreis und Kommune, Kammern, Regionalmangement und Wirtschaftsförderng müssen bei der Vermarktung von Flughafen und Gewerbeflächen und bei einer ordentlichen Verkehrsanbindung an einem Strang ziehen.

Maria Anna Muller im Regiowiki

Bei den Wirtschaftsunternehmen am Flughafen ist man eher einsilbig was die neue Situation angeht. Wilfried Otto, Vorstandschef der Piper Deutschland AG, die im vergangenen Sommer ihren neuen Unternehmenssitz am Flughafen Kassel-Calden einweihte, rechnet nach der Umsiedlung vom alten Caldener Flugplatz mit einem Wachstumsschub am neuen Standort. Die Querelen um die Geschäftsführung des Flughafens berührten die Piper AG kaum, sagte Otto am Montag. Die Kooperation laufe seit 40 Jahren reibungslos: „Die Allgemeine Luftfahrt ist durch die Querelen nicht behelligt“. Damit meint er nicht nur die räumliche Entfernung der neuen Gewerbebetriebe vom Terminal. Eine Neuausrichtung des Flughafens werde die Firma Piper mit Flugzeugverkauf und Flugzeugwerft nicht behindern. Erst wenn 100 bis 200 größere Maschinen täglich in Calden landeten, könnten die Piper-Kunden in ihren Anflugmöglichkeiten eingeschränkt werden – doch das werde nicht passieren.

Video-Umfrage zu Mullers Aus

Ein Vertreter einer anderen Firma, der ungenannt bleiben wollte, sagte, dass man mit der Flughafenleitung bisher gut kooperiert habe. Es gehe um die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung, egal, welche Person dort am Ruder sei. Man habe immer gute Kontakte gehabt. Als Geschäftsmann erwarte man aber auch auf der Gegenseite professionelles Handeln.

Von José Pinto Und Thomas Thiele

Rubriklistenbild: © Thiele

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