Caldener diskutierten mit Regierungspräsident über Zeltstadt

Walter Lübcke

Calden. Inklusive Stadtparlament waren rund 50 Caldener ins Rathaus gekommen, um sich anzuhören, was Regierungspräsident (RP) Walter Lübcke zum Thema Flüchtlinge in Calden zu sagen hatte.

Beim Thema Pferdesteuer war das Caldener Rathaus aus allen Nähten geplatzt, die Nachricht von Zeltunterkünften für 1000 Flüchtlinge auf dem alten Flugplatz zeigte dagegen weniger Wirkung. Allerdings war dieser Auftritt auch erst kurzfristig bekannt geworden.

Nachdem Lübcke erneut betont hatte, wie groß die Not in den anderen Erstaufnahmeeinrichtungen in Hessen sei und dargestellt hatte, was geplant ist, stellten die Caldener Fragen: Wie man denn auf die Flüchtlinge zugehen soll, wenn das Lager eingezäunt sei, wollte ein Zuhörer wissen. Lübcke erklärte, dass die Zäune aus Sicherheitsgründen unbedingt nötig seien und dem Schutz der Flüchtlinge dienten.

Nach der Betreuung fragte Irmgard Croll (FWG). Unterstützerkreise wie in den Einrichtungen des Landkreises könnten den Flüchtlingen ja kaum helfen, weil die Fluktuation höher ist. Flüchtlinge mit Chancen auf Asyl werden nämlich aus den Erstaufnahmeeinrichtungen an die Landkreise weiter verteilt. Die Betreuung sei noch nicht geklärt, müsse aber in professionelle Hände gelegt werden, sagte der Regierungspräsident.

Ein schwieriges Thema bleibt die Frage, wie Bewohner den Flüchtlingen helfen können: Der Wunsch wurde vielfach geäußert, doch bisher gibt es keinen zentralen Ansprechpartner. Hofgeismars Dekan Wolfgang Heinicke betonte, dass hier Geduld nötig ist: „Bei Sachspenden muss man einen Gang zurückschalten.“ Der Wunsch zu helfen, könne sonst für Frust sorgen.

Es gab aber auch deutliche Kritik: Dass Kinder beispielsweise in den Einrichtungen aufgrund der relativ kurzen Aufenthaltsdauer nicht beschult werden sollen, stieß auf Unverständnis.

Helfer bauen Zeltstadt für Flüchtlinge

Auch das angesichts der vielen Leerstände in Stadt und Kreis Kassel die Flüchtlinge nicht in festen Häusern untergebracht werden, sorgte für Empörung. Lübcke erklärte dies damit, dass es aufwendig sei, die Flüchtlinge in der Erstaufnahme wieder einzusammeln und man Gebäude wie Kasernen erst herrichten müsse.

Lübcke sprach von einer positiven Stimmung in Calden. Dafür gab es Zustimmung. Aber der Beifall war auch groß, als die Caldenerin Sarah Humburg dem Land vorwarf, es habe mit seiner mangelhaften Informationspolitik die Caldener Bürger überfordert.

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