Aufwendige Organisation

Caldener ist einziger Zahnarzt in Hessen mit eigener Impfaktion gegen Corona

Schon vor Weihnachten hatte Dr. Michael Klarner (links) seinen Bruder Christian Klarner bei seiner ersten Impfaktion immunisiert.
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Schon vor Weihnachten hatte Dr. Michael Klarner (links) seinen Bruder Christian Klarner bei seiner ersten Impfaktion immunisiert.

Der Caldener Zahnarzt Dr. Michael Klarner beteiligt sich an der Impfkampagne. Trotz des organisatorischen Aufwands hilft der Dentist gerne mit.

Calden – Zunächst klang alles ganz einfach: Zahnärzte dürfen mit in die Impfkampagne einsteigen, das beschloss die Regierung schon vor Wochen. Doch vor allem der organisatorische Aufwand sei immens, berichtet Dr. Michael Klarner. Er ist Zahnarzt in Calden und kenne niemanden von seinen Kollegen im Landkreis, die bereits eine eigene Impfaktion gestartet hätten.

Klarner bietet die Immunisierungen nun schon zum zweiten Mal an. Bereits vor Weihnachten hatten er und sein Team geimpft. Anmeldungen sind nun auch für die zweite Runde am kommenden Samstag möglich.

Bislang hätten sich rund 40 Patienten angemeldet, die meisten von ihnen kennt Klarner schon. Sie sitzen in der Regel mit geöffnetem Mund statt mit hochgekrempeltem Ärmel auf seinem Zahnarztstuhl. „Viele finden dieses Angebot gut, weil es sehr unkompliziert ist. Gerade ältere Patienten sind froh, wenn sie denjenigen kennen, der sie impft“, sagt Klarner.

Der Caldener ist Vorreiter in Sachen Impfungen für seine Berufsgruppe im Landkreis. Das bestätigt auch Kreissprecher Harald Kühlborn: „Im Impfzentrum sind seit Januar 2021 zwei Zahnärzte im Einsatz. Die Impfberatung wird ausschließlich von approbierten Humanmedizinern durchgeführt. Weitere Zahnärzte, die Impfungen anbieten, sind uns nicht bekannt.“ Die Kassenzahnärztliche Vereinigung spricht sogar hessenweit vom einzigen Zahnarzt mit eigener Impfaktion. Erstimpfungen, Zweitimpfungen, Booster sowohl mit Moderna als auch mit Biontech – der Caldener ist gut vorbereitet.

Organisatorischer Aufwand schreckt viele Zahnärzte ab

Aber warum ist er bislang offenbar der einzige in der weiteren Umgebung, der eigenständig eine Impfaktion aus dem Boden gestampft hat? „Voraussetzung unter anderem für Zahnärzte, die impfen wollen, ist eine Schulung“, erklärt er. Da hätte Klarner Glück gehabt. Denn: „Meine Mutter ist Allgemeinmedizinerin und konnte mich und mein Team schulen.“ Die Impfungen übernehmen demnach Klarner selbst und zwei weitere Kolleginnen – auch am Samstag.

Den Impfstoff hat Dr. Michael Klarner schon sortiert: Der Zahnarzt bietet am 15. Januar eine weitere Aktion in seiner Praxis an.

Doch die medizinische Herausforderung sei ohnehin die geringere im Vergleich zum Organisationsaufwand. Der Impfstoff müsse schließlich bestellt, Formulare ausgefüllt und Impftage abseits des normalen Alltages geplant werden.

Die Lagerung des Impfstoffs sei zudem auch häufig ein Problem. „Bei den geöffneten Dosen von Moderna müssen zum Beispiel immer viele Menschen innerhalb weniger Stunden geimpft werden“, so Klarner. Spontan sei da also nicht viel möglich.

„Die Rahmenbedingungen sind für viele Zahnärzte abschreckend“, betont Klarner. „Deswegen macht es wohl auch so gut wie keiner.“ Ähnlich wie damals bei den Betriebsärzten seien die klaren Abläufe wie beispielsweise die Honorierung noch nicht geregelt, Informationen seitens Bund und Land seien Mangelware.

„Die Verwaltung will immer alles ganz genau und ordentlich machen. Dass der Faktor Zeit aber in der Coronakrise eine große Rolle spielt, ist offensichtlich nicht allen bewusst.“ Die Zuständigkeiten seien häufig ungeklärt.

Dennoch war sich Klarner von Anfang an sicher: Er will etwas tun, um die Coronakrise in den Griff zu bekommen. Am Samstag einen Extra-Arbeitstag einzuführen, sei für ihn „nicht so dramatisch.“ Auch das Anmeldungsportal habe der Zahnarzt selbst programmiert. Schließlich sei ihm der zentrale Faktor in der Krise bewusst: Zeit.

Noch sind rund 30 Plätze für eine Coronaimpfung bei Dr. Michael Klarner in Calden frei. Anmeldungen sind unter zahnmedizin-klarner.de/impftermine/ möglich. Klarner weist darauf hin, dass er sowohl mit Biontech als auch mit Moderna impft und betont: Moderna sei bezüglich Omikron ein sehr guter Booster. Von diesem Impfstoff werde beim dritten Piks nur die halbe Dosis gegeben. „Das macht erfahrungsgemäß weniger Nebenwirkungen als Biontech.“ Dort werde nämlich mit der vollen Dosis geboostert. (Daria Neu)

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