Wachmann war erschossen worden

Caldener Mordprozess: Angeklagter fühlte sich verfolgt

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Steht seit Mitte Oktober wegen Mordes vor Gericht: Thomas S. aus Ehrsten. Nach vier Verhandlungstagen deutet vieles auf eine psychische Angeschlagenheit des Angeklagten hin.

Kassel/Calden. Der vierte Verhandlungstag im Caldener Mordprozess war von zwei Themen beherrscht: der Beschreibung einer Situation vor dem Flüchtlingslager Calden und der Frau, in die der mutmaßliche Täter offenbar verliebt war.

Laut Anklage hat Thomas S., Ex-Sicherheitsmitarbeiter des Caldener Flüchtlingslagers aus Ehrsten, seinen Arbeitskollegen im Februar mit zwei Schüssen in den Kopf getötet.

Die Geliebte

An allen drei bisherigen Verhandlungstagen sprachen Zeugen von einer Frau, in die Thomas S. verliebt gewesen sein soll. Sie arbeitete ebenfalls im Caldener Flüchtlingslager und habe eine Beziehung mit dem Opfer gehabt. Schwanger sei sie – vom wem, wusste keiner der Zeugen. Gestern erschien die Frau dann als Zeugin vor Gericht: Sie sei mit dem Opfer nur eineinhalb Monate zusammen gewesen, habe die Beziehung aufgrund ihrer Schwangerschaft beendet. „Da ich sicher war, dass das Kind nicht vom Opfer ist, habe ich keinen Sinn mehr in der Beziehung gesehen“, sagte sie. Getrennt habe sie sich vom ihm etwa eine Woche vor dessen Tod.

Dass Thomas S. Interesse an ihr hatte, habe sie vom Opfer erfahren. „Es gab aber niemals Stress deswegen“, so die Zeugin. Als sie den Angeklagten kennenlernte, habe sie ihn „knuffig“ gefunden. „Wie einen Teddybär.“ Sonst habe sie keinen engeren Kontakt mit Thomas S. gehabt, nur ab und zu per Kurznachrichten.

Psyche des Angeklagten

Als „komisch“ und „nicht normal“ wurde der Angeklagte von fast allen Zeugen beschrieben. Eine bestimmte Situation habe besonders viele Hinweise auf seine Psyche gegeben: Ende Januar stand Thomas S. laut Aussagen plötzlich aufgebracht und nervös von außen vor dem Tor des Flüchtlingslagers, obwohl er keinen Dienst hatte. Er werde von Russen verfolgt und bedroht. Wie und wo genau, sei nicht klar geworden. „Er hat seine Darstellung immer wieder geändert“, sagte ein Zeuge, der als Sanitätsassistent im Flüchtlingslager arbeitet: „Er sagte, er werde von zwei Leuten verfolgt, dann war es wieder nur eine Person.“ Thomas S. habe überlegt, sich mit seinem Messer zu verteidigen, es dann aber doch nicht gezogen. Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes hatten daraufhin die Polizei gerufen.

Ähnliches beschrieb eine zweite Zeugin: „Meiner Meinung nach hätte Thomas S. an diesem Tag sofort in eine psychiatrische Klinik eingeliefert werden müssen.“ Sie habe selbst Leute erlebt, die eine Psychose haben – daran habe sie das Verhalten von Thomas S. erinnert. „Ich wollte ihn in diesem Zustand auf keinen Fall auf das Gelände lassen.“

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