Dritter Verhandlungstag im Landgericht Kassel

Caldener Mordprozess: Angeklagter tat dem Opfer leid

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Regungslos auf der Anklagebank: Der mutmaßliche Täter schwieg an allen drei Verhandlungstagen. Das Bild zeigt Thomas S. und seinen Verteidiger.

Kassel/Calden. Japanische Musik und Nahrungsergänzungsmittel: Mit diesen Dingen hat sich der wegen Mordes angeklagte Thomas S. laut Zeugenaussagen vorwiegend beschäftigt.

Andere Hobbys oder Leidenschaften soll der 25-Jährige nicht gehabt haben. Der Ex-Wachmann des Caldener Flüchtlingslagers muss sich seit dem 19. Oktober vor dem Landgericht Kassel verantworten. Er soll seinen 35-jährigen Arbeitskollegen erschossen haben. Am dritten Verhandlungstag sagten acht Zeugen aus. Dabei erfuhr das Gericht vieles über die Persönlichkeiten des mutmaßlichen Täters und des Opfers.

Thomas S.

Niemand wollte etwas mit ihm zu tun haben, die Arbeitskollegen im Flüchtlingslager mieden den Kontakt, so Zeugen. Er soll ein Einzelgänger, verwirrt und nicht normal gewirkt haben. Besonders auffällig sei sein Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln gewesen: Thomas S. hätte zu Hause etliche Dosen mit Proteinpräparaten aufbewahrt, die er zum Muskelaufbau schluckte. Außerdem besaß er zahlreiche Öle, die er täglich in großen Mengen zu sich nahm, berichteten Zeugen. Seinen Muskelaufbau vorantreiben wollte er aus einem bestimmten Grund: Er wollte zur Bundeswehr zu gehen.

Für Arbeitskollegen verwirrend war auch seine Leidenschaft für japanische Musik. Obwohl Handys und Kopfhörer im Flüchtlingslager verboten sind, hätte Thomas S. mit seinem Handy ständig japanische Musik gehört und dabei abwesend gewirkt. Die Zeugen sind sich alle darin einig, dass er psychisch angeschlagen ist. Dass er aber eine Waffe besessen hatte und zu einem Mord fähig ist, traut ihm keiner der Zeugen zu – das wurde während der Verhandlung deutlich.

Das Opfer

Dass das Opfer in schmutzige Geschäfte verwickelt gewesen sein soll, glaubte keiner der Zeugen. Laut Anklage haben sich Täter und Opfer am 10. Februar wegen eines Waffengeschäfts bei Ehrsten getroffen. Darauf wies am dritten Verhandlungstag aber nichts hin. Zeugen beschrieben den ehemaligen Schichtleiter im Caldener Flüchtlingslager als „guten Menschen“, „liebevollen Vater“ und „hilfsbereiten Arbeitskollegen“. „Er war nie gewalttätig und ein super Vater“, sagte seine Ex-Frau, von der das Opfer seit Mai 2015 geschieden war.

Seine mitfühlende Art soll auch der Grund gewesen sein, weshalb er sich mit Thomas S. angefreundet hat. „Thomas hat ihm Leid getan, weil er keine Freunde hatte. Deshalb hat er sich um ihn gekümmert“, sagte ein Zeuge.

Der nächste Verhandlungstermin ist am Montag, 7. November, in Raum D 130 im Landgericht Kassel. Die Verhandlung beginnt um 9 Uhr. Danach geht es am 9. November weiter.

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