Ein Bauernschwank

Caldener Spatzenköppe glänzen mit Komödie

Illustre Gäste: Dr. Sigismund Williams (Arndt Mützel) und seine kapriziöse Gattin Claire (Brigitte Richter) lassen sich im „Schwarzen Rössel“ von der molligen Monika (Christina Werner) auftischen, rechts im Bild die Gasthofbetreiber (verdeckt Sabrina Homburg, außen Torben Tolusch). Fotos: Binienda-Beer

Calden. Einen Bauernschwank auf die Bretter zu bringen, das kam für die „Spatzenköppe" nie in Frage. Nun geben sich die Caldener Amateurschauspieler doch volkstümlich.

Aber nur auf den ersten Blick. Denn Wirtshaus, Dirndl und Bierhumpen täuschen gewaltig: alles nur eine Persiflage auf das Althergebrachte. Die Wirtschafts-Krimi-Heimat-Boulevard-Komödie „Im schwarzen Rössel am Golfballsee“ von Autor Mike Schneider ließ das Publikum am Premierenwochenende geradezu wiehern vor Vergnügen.

Mit dem weithin bekannten, am österreichischen Wolfgangsee spielenden Heimat- und Schlagerfilm von 1961 hat diese Produktion nur eines gemein: Auch im „Schwarzen Rössel“ unserer Tage, ein Gasthof mit angeschlossener Rossmetzgerei, wird nach Kräften gesungen. Etwa die Haushymne „Kommt ein Pferd in unser Haus, packen wir den Fleischwolf aus“ (auf die Melodie von „Lasst uns froh und munter sein“). Unbegründet die Sorge vor wenig begnadeten Sangeskünstlern unter den Theaterspielern, denn die selbstironischen Spatzenköppe rüsten die Besucher im Saal des Gasthauses Zur Wilhelmshöhe sicherheitshalber gleich mit Ohrenstöpseln aus.

Die für ihre ausgefeilten Produktionen renommierte Caldener Truppe macht in ihrer Detailverliebtheit selbst vor den Tischen des Publikums nicht Halt. Schälchen laden zum Zugreifen ein, bis die letzte Cabanossi genossen und der Grund des Tellers freigelegt ist: Oh Schreck, am Boden ein Pferdebildchen, in der verspeisten Wurst wird doch wohl nicht...?

Häuptling Brillenschlange: Fleischermeister Herr Schulz (Nikos Zielinsky) ist Vorsitzender des örtlichen Indianervereins.

Und darum geht es: Die Pferdemetzgerei im „Schwarzen Rössel“ läuft schlecht bis gar nicht. Dem Inhaberehepaar Josefine (Sabrina Homburg) und Leopold (Torben Tolusch) Postmüller sitzt ein weiblicher Kredithai (Anika Braun) im Nacken. Die dralle Fleischereifachverkäuferin Monika (Christina Werner) und Metzgermeister Herr Schulz (Nikos Zielinsky), beide völlig unausgelastet, verfolgen ihre eigenen Interessen. Da mietet sich im angeschlossenen Gasthof unverhofft ein augenscheinlich reiches Pärchen (Brigitte Richter und Arndt Mützel) aus USA für die Ferien ein. Leben kommt in die Bude - und bringt über Umwege schließlich die Wende zum Besseren.

Ambitionierte schauspielerische Leistungen (für die Technik zeichneten Uwe Korte und Klaus Biermann verantwortlich, Maske: Beba Engel) quittierte das Publikum mit Applaus auf offener Bühne und stürmischem Schlussbeifall. Alle weiteren Aufführungen sind mit einer Ausnahme ausverkauft. Restkarten (6/19,50 Euro) an der Abendkasse gibt es nur noch für Sonntag, 25. Januar. Beginn ist 19 Uhr.

Von Dorina Binienda-Beer

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