16 Rehkitze mit Drohne gerettet

Christian Wehner sucht ehrenamtlich Wiesen mit Wärmebildkamera ab

Christian Wehner steht in einer Wiese, neben ihm fliegt seine Drohne.
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Christian Wehner möchte viele Rehkitze retten: Mit seiner Drohne (oben), die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, fliegt er über Wiesen, die demnächst gemäht werden sollen.

Mit einer Drohne und Wärmebildkamera ausgestattet, sucht Christian Wehner nach Rehkitzen, um sie vor dem Mähtod zu bewahren.

Fürstenwald – Im Mai und Juni mähen die Landwirte sehr häufig ihre Wiesen. Doch zu dieser Zeit verstecken sich dort viele Rehkitze. Um sich zu schützen, drücken sie sich ganz tief in den Boden, sodass sie kaum gesehen werden. Das bedeutet in vielen Fällen einen qualvollen Tod für die Tiere.

Mittlerweile gibt es freiwillige Helfer, die sich ehrenamtlich für die Kitze einsetzen – Christian Wehner aus Fürstenwald ist einer von ihnen. Dafür hat er sich eine Drohne mit Wärmebildkamera gekauft. Zusammen mit seinem Freund und Jäger Patrick Noee ist er gegen 4 Uhr morgens auf der Wiese, um dort nach Kitzen zu suchen. Bis 18 Uhr des Vortags müssen Landwirte den Jagdpächtern Bescheid geben, wenn am nächsten Tag gemäht wird. Damit wissen Wehner und Noee rechtzeitig, dass sie in den Morgenstunden starten können. In seinem ersten Kitzrettungsjahr hat Wehner 16 Rehkitze in der Umgebung vor dem Mähtod bewahrt und gerettet, „Das Wichtigste ist einfach, die Kitze zu sichern“, erzählt Wehner.

Die Idee, sich ehrenamtlich zu engagieren, kam ihm im vergangenen Jahr. Da lief er mit seinem Freund eine Wiese ab, beide hatten kein Rehkitz entdeckt. „Am nächsten Tag wurden dann trotzdem zwei tote Kitze gefunden“, schildert Wehner die Situation. Da habe er sich entschieden, bei der Kitzrettung mitzuhelfen. „Die effektivste Technik ist die Wärmebildkamera“, sagt Wehner. Also kaufte er sich eine gebrauchte Drohne, eine Wärmebildkamera, zehn Akkus und noch mehr Zubehör. 3800 Euro hat er dafür bezahlt.

Die Wärmebildkamera misst den kältesten und den wärmsten Punkt und macht diese farblich deutlich. Blau bedeutet also kalte Stellen, während rot den wärmsten Punkt kennzeichnet. Da Wehner vorher weder Erfahrungen mit der Drohne noch mit der Wärmebildkamera hatte, ist er in die Wiesen gegangen und hat geübt – mit einer Wärmflasche. Diese hat er dann in die Wiese gelegt und versucht, sie mit dem Fluggerät zu finden.

Gerettet vor dem Mähtod: Ein Kitz wurde von der Kamera entdeckt und wird nun aus der Wiese getragen.

Kitze selbst haben eine Temperatur von etwa 39 Grad Celsius. „Durch die Technik lassen sich selbst fünf Grad deutlich unterscheiden“, sagt Wehner. Damit die Wiese noch kalt ist und sich damit besser von dem warmen Kitz unterscheidet, sucht Wehner in den frühen Morgenstunden nach den Tieren.

Mit seiner Drohne fliegt er auf etwa 15 bis 20 Metern Höhe die komplette Fläche ab, rasterförmig wie beim Rasenmähen. Wird ein Kitz in der Wiese entdeckt, lotst Wehner seinen Kollegen per Funkgerät zur richtigen Stelle. Da die Kitze selbst keinen Geruch haben, dürfen sie nur mit Handschuhen angefasst werden. So können sie keinen menschlichen Geruch annehmen und später nicht von den Ricken abgestoßen werden.

Nachdem das kleine Reh aus der Wiese herausgetragen wurde, wird es unter einen Karton oder Wäschekorb gesetzt. „Dafür habe ich mir extra zehn Wäschekörbe zugelegt“, berichtet Wehner. Die werden dann mit Zeltheringen befestigt und entsprechend gekennzeichnet, damit die Landwirte nach dem Mähen die Kitze wieder in die Freiheit entlassen können.

Gesucht werde meist im Mai und Juni. Jetzt bereitet sich Wehner auf die Kitzrettungen im nächsten Jahr vor. Er übt fleißig und unterstützt bei der Jagdhilfe und der Nachsuche, wenn ein Tier angeschossen wird und weiterläuft.

Kontakt: Christian Wehner, Tel. 01 51/12 30 89 17 oder E-Mail: kitzrettung.wehner@gmail.com

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