Kassel Airport

Corona bremst Kassel Airport aus: Weniger Passagiere in Calden

 Airbus der dort stationierten Fluglinie Sundair am Kassel  Airport in Calden.
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Flugzeuge blieben häufiger am Boden: Auch am Kassel Airport sind im Coronajahr viele Flüge ausgefallen. Unser Bild zeigt einen Airbus der dort stationierten Fluglinie Sundair.

Die Auswirkungen der Corona-Krise treffen die ganze Luftfahrtbranche, so auch den Kassel Airport. Er verzeichnet deutlich weniger Passagiere als im Vorjahr.

Calden - Die Flugbewegungen am Kassel Airport hingegen bleiben auf dem Niveau von 2019 – und der Sommerflugplan für das kommende Jahr steht. Ob die Flüge dann ab 01.05.2021 genau so zustande kommen wie geplant, sei natürlich von der Coronasituation abhängig, sagte Airport-Geschäftsführer Lars Ernst im Gespräch mit unserer Zeitung.

Aber die gesamte Tourismusbranche gehe, auch mit Blick auf bevorstehende Impfungen, von einer Besserung der Situation aus. Reisen ab Kassel Airport seien schon jetzt buchbar. Als Ziele im Sommer stehen Mallorca, Antalya, Kreta und Rhodos auf dem Programm.

Man rechne auch damit, dass es wieder eine Verbindung nach Sylt geben werde, sagte Ernst. Und falls es die Pandemieentwicklung zulasse, sei man auch für eine kurzfristige Wiederaufnahme des laufenden Winterflugplans am Airport bereit. Der vorerst letzte Flug von den Kanaren zurück sei am Wochenende gelandet, jetzt ruhe der touristische Flugbetrieb, erklärte der Geschäftsführer.

Corona: Airport Kassel von Pandemie ausgebremst

Damit lasse sich absehen, dass der Kassel Airport in diesem Jahr auf rund 28.000 Passagiere kommen werde, von Januar bis Oktober waren es 27.000. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es in dem Zeitraum 110.000 Fluggäste und am Jahresende 121.000. Bei den Flugbewegungen neben touristischen Flügen unter anderem Businessflüge, Schulungs- und Helikopterflüge, hält sich der Flughafen laut Ernst mit rund 24.300 zwischen Januar und Oktober auf dem Vorjahresniveau. Beim jahresbezogenen Defizit sei man zuversichtlich, das Minus von 5,6 Millionen Euro aus 2019 für dieses Jahr weiter zu reduzieren, sagte Ernst.

Airport Kassel: Diskussion um Zahlen aus TV-Beitrag

Der Bund der Steuerzahler hatte in einem Beitrag für das ARD-Magazin Plusminus einen deutlichen Anstieg des Pro-Kopf-Zuschusses für Caldener Passagiere 2020 berichtet. Kritik nehme man an, die Zahlen in dem TV-Beitrag seien allerdings irreführend dargestellt, sagte Ernst. Die Rechnung, die der Bund der Steuerzahler für den Kassel Airport für 2020 aufstellt, geht so: Corona treibe die Steuerzahlerkosten pro Passagier für 2020 deutlich in die Höhe – auf 650 Euro pro Kopf (2018: 130 Euro). Doch an der Darstellung gibt es Kritik – vom Flughafen und vom Verein Pro Kassel Airport.

Für 650 Euro könnten alle Kasseler Fluggäste zusätzlich noch von Frankfurt nach Los Angeles fliegen: So formuliert es das ARD-Magazin Plusminus, das die Rechnung in einem mit „Abgestürzt – Warum einige Regionalflughäfen endgültig ausgedient haben“ betitelten Beitrag aufgegriffen hat (abrufbar unter daserste.de/plusminus) und dabei unter anderem von „Zuschussbedarf“ spricht. Der Bund der Steuerzahler wird zitiert: Calden sei einer der ersten Regionalflughäfen, die eigentlich dichtgemacht werden müssten.

Corona bremst Kassel Aiport aus: Zahl Passagiere rückläufig

Das Land Hessen, Airport-Miteigentümer neben Stadt und Kreis Kassel sowie Gemeinde Calden, verteidigt den Flughafen in dem Beitrag: Er sei wichtig für Nordhessen – eine Region, die in der Vergangenheit verkehrsmäßig sehr schwer zu erreichen gewesen sei. An der Rechnung von Plusminus, die auch der Hessische Rundfunk in Beiträgen vermeldet hat, gibt es Kritik: vom Flughafen selbst und vom Verein Pro Kassel Airport.

Der Hintergrund: Rechnet man 650 Euro mal 28.000 Passagiere, kommt man auf fast 18 Millionen Euro. Der Steuerzahlerbund spricht auf seiner Website mit Bezug auf das Jahr von 2018 von minus 17,7 Millionen Euro für „Unternehmensergebnis inklusive Zuschüsse“ für Kassel-Calden. Auf die Gesamtausgaben bezogen ist das nicht falsch. Es heißt aber nicht, was man nach Betrachtung des TV-Beitrags durchaus denken könnte, dass diese Zuschüsse aktuell gezahlt werden – oder, dass das Minus aus dem laufenden Geschäft so groß ist.

Airport Kassel: Das sind die Folgen der Coronakrise

Der Jahresfehlbetrag aus dem operativen Geschäft lag 2018 bei 5,9 Millionen Euro, 2019 bei 5,6 Millionen und soll auch 2020 leicht sinken, sagt Flughafen-Geschäftsführer Lars Ernst. Wie kommt also der genannte Betrag von fast 18 Millionen Euro zustande? Der Verein Pro Kassel Airport und der Reisebüroverbund Region Kassel kritisiert die Verwendung dieser Zahl im Zusammenhang mit einer Jahresrechnung: In der Bilanz des Flughafens wurde ein Sonderposten für Investitionszuwendungen gebildet – sprich die Zuschüsse für den Ausbau des alten Caldener Flughafens zu einem Verkehrsflughafen in den Jahren 2011 bis 2013.

Dieser Sonderposten werde jährlich in Höhe der Abschreibungen teilweise aufgelöst. Dies führt zu einem Erlös in Höhe von 11,8 Millionen Euro. Dem stünden Abschreibungen in gleicher Höhe gegenüber, so dass der Sonderposten für Investitionszuwendungen keine Auswirkungen auf die aktuell Gewinn- und Verlustrechnung habe. „Es handelt sich also um reine Buchungstechnik“, sagen Pro Kassel Airport und Reisebüroverbund.

Corona-Krise: Airport Kassel betroffen

„Der Ausbau zum Regionalflughafen wurde schon längst bezahlt. Es wurden mit dem Ausbau Werte für den Steuerzahler geschaffen, die anders als Betriebsbeihilfen, nicht verschwinden“, heißt es in einer ausführlichen Stellungnahme weiter. Und: „Um es deutlich zu sagen: Dem Flughafen fließen keine 11,8 Millionen Euro an Zuschüssen jährlich zu.“ Aus Sicht von Pro Kassel Airport und Reisebüroverbund sei es unzulässig, die Zukunft des Flughafens mit den Kosten für den damaligen Ausbau zu verknüpfen: „Eine Schließung würde an diesen Kosten, die bereits vor fast zehn Jahren angefallen sind, nichts ändern.“

Zur Erinnerung: Die Baukosten betrugen 271 Millionen Euro. Über diese Summe sei schon ausführlich kritisch diskutiert worden, sagt Lars Ernst, das sei auch legitim. Aber: „Es ist irreführend zu behaupten, dass der Sonderposten – als Abschmelzbetrag über Jahre gestreckt – die Investitionszuschüsse der öffentlichen Hand zum Ausbau vom Flughafen Kassel abbildet“, sagt er. „Die Investitionszuschüsse wurden überwiegend bis zur Inbetriebnahme des Flughafens 2013 geleistet. Danach war die Investition abgeschlossen und damit auch die Belastung der öffentlichen Haushalte.“ (Matthias Müller)

Corona hat auch in Kassel massive Effekte auf den Flugverkehr. Nun steuert die erste Airline ein beliebtes Urlaubsziel wieder an. Weitere Ziele sollen bald folgen. Zu Beginn des Jahres war der Airport Kassel erneut Serienkulisse. Klaas Heufer-Umlauf drehte dort für die zweite Staffel seiner Serie „Check Check“.

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