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Flughafen Kassel-Calden bleibt weiter in der Kritik - Verband mit drastischer Forderung

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Von: Bernd Schünemann

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Reiner Holznagel (links, Präsident des Bundesverbandes) und Joachim Papendick, Vorsitzender des Landesverbandes Hessen, am Mittwoch vor dem Kassel Airport.
Sie sind auf Werbetour für das neue Schwarzbuch: Reiner Holznagel (links, Präsident des Bundes der Steuerzahler) und Joachim Papendick, Vorsitzender des Landesverbandes Hessen, am Mittwoch vor dem Kassel Airport. © Bernd Schünemann

Die Kritik am Kassel Airport reißt nicht ab. Nun äußert sich der Bund der Steuerzahler (BdSt) erneut.

Calden – Der Kassel Airport bleibt für den Bund der Steuerzahler ein Beispiel für Planung am Bedarf vorbei – und damit auch für langfristige Steuerverschwendung. Das sagten Reiner Holznagel, der Präsident des Bundesverbandes, und Joachim Papendick, Vorsitzender des Landesverbandes Hessen, am Mittwoch bei einem Besuch am Flughafen. Aus der Sicht des Verbandes sollte der Flughafen deshalb geschlossen werden.

Das ist für das Land wie auch für Stadt, Kreis und die Gemeinde Calden keine Option. Sie tragen das Defizit, das alljährlich beim Betrieb entsteht. Die Gesellschafter stehen hinter dem Flughafen. „Kassel Airport wird von der Region angenommen und unterstützt. Davon gehen wir auch zukünftig aus“, teilte das Finanzministerium mit. Der Flughafen biete und schaffe Arbeitsplätze. Er bringe dem Land und der Region Steuereinnahmen und besitze gute Entwicklungsmöglichkeiten. „Wie bei jedem Infrastrukturprojekt gilt es beim Kassel Airport, langfristig zu denken“, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Mackewitz: Schließung seit Jahren vom Tisch

Auch Stadt und Kreis als Gesellschafter sehen in erster Linie die regionalwirtschaftliche Bedeutung des Flughafens, ergänzte Kreissprecher Harald Kühlborn. „Als Arbeitgeber, Wirtschaftsstandort und Infrastruktureinrichtung ist er ein Gewinn für die Region Nordhessen.“ Die Schließung sei seit Jahren vom Tisch, sagt Caldens Bürgermeister Maik Mackewitz.

Eine wichtige Aufgabe des Schwarzbuchs sei es, ähnliche Fälle zu verhindern, erklärte Joachim Papendick. Da sehe der Verband eine positive Entwicklung: Große Investitionen würden heute genauer auf ihre Rentabilität überprüft. Dazu hätten sicher auch die Erfahrungen mit Calden beigetragen.

Flughafen Calden: Schwarzbuch soll Verschwendung verhindern

Für den Flughafen selbst habe das nicht funktioniert: Der Steuerzahlerbund habe schon bei der Planung 1999 darauf hingewiesen, dass ein wirtschaftlicher Betrieb schwierig werde. Kassel Airport stehe heute in Konkurrenz zu sechs Flughäfen im Umfeld von 200 Kilometern – in einer Zeit, in der der Flugverkehr nicht mehr wachse.

Holznagel und Papendick wiesen auch darauf hin, dass die Europäische Union ab 2024 eine Subventionierung von Regionalflughäfen nicht mehr zulasse. Allerdings sei nicht klar, ob das auch für Calden gelte oder nur für Flughäfen mit einer größeren Zahl von Passagieren. Dazu gab es gestern weder vom Flughafen noch vom Finanzministerium eine Auskunft. (Bernd Schünemann)

Schwarzbuch kreidet seit 50 Jahren Verschwendung an

Das Schwarzbuch sei „heute wichtiger denn je“, sagt Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler. Die Menschen akzeptierten Steuerverschwendung nicht mehr. Seit 50 Jahren liste der Bundesverband in dem jährlich erscheinenden Werk exemplarisch große Steuerverschwendungen auf. Damit habe das Buch dazu beigetragen, dass Entscheider bei großen Investitionen genau hinschauten. Das Jubiläumsjahrbuch legt der Verband Mitte Oktober vor. (Bernd Schünemann)

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