Tiere werden scheu und verwildern

Drei Kühe irren seit Wochen im Caldener Wald umher

+
Suchen nach Lösungen: Försterin Dagmar Löffler (links) und Landwirtin Martina Brauern.

Calden/Meimbressen. Zu Wildschweinen und Rehen haben sich im Caldener Wald nun auch Rinder hinzugesellt. Seit Wochen irren drei junge Kühe im Waldgebiet am Lindenrondell umher.

Sämtliche Versuche die Tiere einzufangen, schlugen bisher fehl.

„Entweder gelingt es sie einzufangen oder sie müssen narkotisiert oder ,im schlimmsten Fall, erschossen werden“, sagt Försterin Dagmar Löffler. Da die Rinder nun schon seit sechs Wochen in der freien Natur unterwegs sind, würden sie zunehmend scheuer, verwilderten immer mehr. Bis auf fünfzig Meter konnte sich Löffler letztens den Rindern nähern, was für eine Narkotisierung eigentlich ein zu weiter Abstand ist.

Da die Drei gut genährt seien und sich ihr Wasser aus Pfützen holten, bestünde eigentlich keine Eile, wenn da nicht der Schaden wäre, den sie im Wald verursachten. „Gras gibt es dort ja nicht viel, deshalb werden sie sich über die Blätter hermachen und dabei auch manch jungen Baum schädigen“, so die Meinung der Försterin.

Nicht nur das Telefon von Löffler, sondern auch das von Martina Brauner und ihrem Partner Sven Martin, denen die Rinder gehören, steht seit Wochen nicht mehr still. „Dreimal täglich bin ich oft hier oben, weil Jogger, Radfahrer oder Wanderer unsere Tiere gesehen haben und das melden“, berichtet die Landwirtin aus Meimbressen. Wie die Fresser, wie sie im Fachjargon genannt werden, ausbüxen konnten, ist ungewiss.

Am Abend vor sechs Wochen als die 50-köpfige Herde aufgetrieben worden war, waren nachts einige in der näheren Umgebung unterwegs. „Bei einem nächtlichen Einsatz konnte der Großteil wieder eingefangen werden“, bemerkt Löffler. Laut Brauner sei danach die Herde wieder komplett gewesen, sie vermutet, dass die Rinder zu einem späteren Zeitpunkt durch eine Stelle, wo Stacheldraht ist, abgehauen seien.

Wie man der Situation beikommen kann, darüber beraten aktuell Stadt, Besitzer und Försterin. „Wir hoffen ja, dass wir sie mit der Futterraufe einfangen können“, so Brauner, dort sei ein Selbstfang eingebaut, der sie am entkommen hindern würde.

Knapp 1500 Euro Marktwert hat jedes Rind, doch das ist für Sven Martin nicht der einzige Grund, dass er den Abschuss seiner Tiere verhindern will: „In der Regel werden sie in Herz geschossen und das ist ein schrecklicher Todeskampf für die Tiere“, meint der Landwirt. Sowieso sei es nicht einfach, für dieses Vorgehen eine Genehmigung einzuholen.

Das Landwirtspaar aus Meimbressen war in den vergangen Wochen nicht untätig. Einsätze mit bis zu zehn Leuten, um die drei Rinder einzufangen schlugen fehl. Sollte das Ködern mit der Futterraufe nicht gelingen, so hoffen die Eigentümer, die Tiere im angrenzenden Hutewald, der teilweise eingezäunt ist, überwältigen zu können. Dass es ihnen noch gelingt, die Rinder zurück zur Herde zu führen, davon ist Martina Brauner überzeugt: „Sie halten sich nicht weit von der Weide auf - in letzter Zeit habe ich sie oft hören können.“ Im Übrigen hat Brauner auch schon an die Unterstützung der Jägerschaft gedacht oder Westernreiter als Helfer in Erwägung gezogen. Allerdings sei das alles sehr schwierig, da das Areal immerhin 80 Hektar groß sei, viel Dickicht habe und man sofort reagieren müsse beim Sichten der Tiere. Zwei Wochen will die Gemeinde Calden laut Adolf Roß, stellvertretender Bürgermeister, dem Paar noch Zeit geben.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.