Entwicklung der Fluggastzahlen

Drittes Quartal war am Flughafen deutlich besser als in den Vorjahren

Calden. Betrachtet man das bisherige Jahr, verzeichnet der Flughafen Kassel ein Minus bei den Passagierzahlen. Doch seit Beginn des Sommerflugbetriebs am 1. Juli hat sich die Situation deutlich verbessert.

Die hessische Linke hat erneut gefordert, den Flughafen Kassel zurückzustufen. Die Passagierzahlen seien zu schlecht. Bis September habe sich das Verkehrsaufkommen sogar noch verringert, heißt es. Ein Faktencheck.

Das sagt die Linke

Die Linke im Landtag ist die schärfste Kritikerin des Flughafens Kassel – spätestens seitdem die Grünen mit der CDU eine Koalition eingegangen sind. In dieser Woche hat der haushaltspolitische Sprecher Jan Schalauske erneut gefordert, den Flughafen zu einem Verkehrslandeplatz zurückzustufen: „Angesichts der schlechten Verkehrszahlen, die der Flughafen Kassel-Calden auch im September wieder vorgelegt hat, muss die schwarz-grüne Landesregierung endlich einsehen, dass das Projekt gescheitert ist.“

Jan Schalauske

Es bestehe kein ausreichender Bedarf nach einem Regionalflughafen. „Die Rückstufung ist deshalb der einzig logische Schritt, um nicht noch mehr Steuergeld zu verpulvern“, sagt Schalauske. Die schwarz-grüne Koalition will im Spätherbst den Flughafen auf den Prüfstand stellen und über sein Schicksal entscheiden. Da es aber eine langfristige Vereinbarung von Flughafen, Sundair und Schauinsland Reisen gibt inklusive finanzieller Beihilfe des Flughafens für die Fluggesellschaft, fragt Schalauske, „ob die angekündigte Evaluation überhaupt ernsthaft und ergebnisoffen durchgeführt wird.“

Das Passagiergeschäft

Die Linke hat recht, dass von Januar bis September weniger Passagiere ab Calden geflogen sind als in den Vorjahren. Aktuell sind es 43 376, im Vorjahr waren es rund 2000 mehr, 2015 sogar 6500 mehr. Das lässt aber außer Acht, dass es in diesem Jahr keinen Winterflugplan am Airport Kassel gab. Nur Aegean Airlines bot im späten Frühjahr Flüge zur documenta in Athen an.

Zudem begann der Sommerflugplan nicht wie üblich am 1. Mai, sondern erst zum Juli. Und dann gab es Probleme, weil der Sundair-Airbus noch nicht zugelassen war. Flugabsagen und Verspätungen waren die Folgen.

„Trotz der Schwierigkeiten waren die Sommermonate deutlich besser als in den vergangenen Jahren“, sagt Flughafensprecherin Natascha Zemmin. In Zahlen: Im dritten Quartal 2017 starteten und landeten 31 807 Passagiere in Calden. Das ist ein Drittel mehr als 2016 (23 928) und gut ein Viertel mehr als 2015, als Germania noch das ganze Jahr über den Flughafen bediente.

Seit Juli ging es mit den Passagierzahlen also bergauf. Die Erwartungen sind klar: „Wir gehen für das gesamte Jahr von einer Steigerung im Vergleich zu 2016 aus“, sagt Zemmin, zumal Germania schon im vorigen November die Flüge eingestellt hatte. Mit sechs Sundair-Flügen pro Woche im Winter sollte das derzeitige Minus also auszugleichen sein. Richtig wird sich aber erst 2018 zeigen, was die Stationierung des Sundair-Airbus wert ist.

Das Frachtgeschäft

Lars Ernst

Die Linke weist auch darauf hin, dass das Frachtaufkommen deutlich gesunken sei. Auch das stimmt, und daran wird sich vorerst auch kaum etwas ändern. Denn der Onlinehändler Amazon hat bis Mai 2017 wöchentlich fünf Frachtmaschinen in Calden abgefertigt. Dann hat er die Flüge nach Leipzig verlegt, und das Frachtgeschäft am Flughafen Kassel brach von monatlich 175 bis 200 Tonnen auf maximal 25 Tonnen ein. Übrig sind noch vier Maschinen pro Woche, die der Paketdienst GLS im Dezember 2016 von Paderborn nach Calden verlegt hat. Laut Flughafenchef Lars Ernst sind die Aussichten, Frachtflüge in nennenswerter Größe nach Calden zu locken, gering – dieses Geschäft machen andere Flughäfen. Allerdings sei Amazon weiter dabei, den Ablauf seiner Lufttransporte zu verbessern. Eine Rückkehr von Frachtflügen des Internethändlers nach Calden sei daher nicht ausgeschlossen.

Rubriklistenbild: © Pia Malmus

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