Alles unter strengen Coronaregeln

Einführung von Caldens Bürgermeister Mackewitz: Kurz wie die Tagesschau

Nüchterne Atmosphäre: Maik Mackewitz (rechts) wurde in der Mehrzweckhalle Calden unter Coronaregeln in seine zweite Amtszeit eingeführt. Die Urkunde erhielt er vom Ersten Beigeordneten Norbert Ullrich.
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Nüchterne Atmosphäre: Maik Mackewitz (rechts) wurde in der Mehrzweckhalle Calden unter Coronaregeln in seine zweite Amtszeit eingeführt. Die Urkunde erhielt er vom Ersten Beigeordneten Norbert Ullrich.

Normalerweise ist die Amtseinführung eines Bürgermeisters ein Abend mit viel Händeschütteln, Umarmungen und längeren Reden.

Calden - Doch in Pandemiezeiten läuft dies deutlich nüchterner ab – wie am Donnerstagabend in Calden für den alten und neuen Bürgermeister Maik Mackewitz.

Warum gab es in diesen Zeiten überhaupt eine Gemeindevertretersitzung?

Vereinfacht gesagt: Weil die Gemeinde Calden auch ab 1. März einen Bürgermeister haben möchte. Die aktuelle Amtszeit von Maik Mackewitz läuft Ende Februar aus. Und er wurde zwar bei der Wahl am 1. November als parteiloser Alleinkandidat Mackewitz mit 85,85 Prozent (Wahlbeteiligung 39,08 Prozent) für eine zweite Amtszeit wiedergewählt, doch eine öffentliche Amtseinführung ist laut Hessischer Gemeindeordnung (HGO) nötig. Das sei im Prinzip der einzige Grund gewesen, die Sitzung anzusetzen, sagte Andreas Reichhardt, der Vorsitzende der Gemeindevertretung. Womöglich hätte man in Coronazeiten auch eine Ausnahmeregelung mit Blick auf den Übergang der Amtszeiten finden können, ergänzte Mackewitz. Aber man habe formal alles richtig machen wollen.

Wie waren die Rahmenbedingungen?

Wie gesagt, eher nüchtern. In der großen Mehrzweckhalleverloren sich 22 Menschen. Maximal 75 inklusive möglicher Besucher hätte man zugelassen, sagte Herbert Kloppmann, Hauptamtsleiter der Gemeinde. Dazu gab es das Übliche: Abstand, Masken und Hygienestation.

Lief alles glatt?

Jein. Die Gemeindevertretung war nicht beschlussfähig. Nur 13 von 31 Mandatsträgern waren anwesend, es wären 16 nötig gewesen. Aber: Die Amtseinführung, die keinen Beschluss erfordert, sei trotzdem gültig, ließ sich Hauptamtsleiter Kloppmann am Freitagmorgen vom Hessischen Städte- und Gemeindebund bestätigen: „Wichtig ist, dass sie formal korrekt ist. Und das war sie.“ Von der ohnehin kurzen Tagesordnung der Sitzung wurden die Punkte gestrichen, für die ein Beschluss nötig gewesen wäre. Mackewitz brachte aber den Haushalt ein (Bericht folgt). Der sei am Morgen danach auch gleich an alle Gemeindevertreter, die nicht anwesend waren, versandt worden.

Und wie lief die Amtseinführung selbst?

Kompakt. Start war um 20 Uhr, Ende um 20.15 Uhr – so lang wie eine Ausgabe der Tagessschau. Mackewitz erhielt die Amtsurkunde vom Ersten Beigeordneten Norbert Ullrich. Seinen Amtseid, der ihm von Andreas Reichhardt abgenommen wurde, beendete der alte und neue Bürgermeister mit der Formel „So wahr mir Gott helfe“. Besiegelt wurde das Ganze mit einem Handschlag zwischen Reichhardt und Mackewitz – wegen Corona mit Gummihandschuhen. Ein laut HGO nötiger Akt. Dort heißt es in Paragraf 46, Absatz eins: „Der Bürgermeister und die Beigeordneten werden spätestens sechs Monate nach ihrer Wahl von dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung in öffentlicher Sitzung in ihr Amt eingeführt und durch Handschlag auf die gewissenhafte Erfüllung ihrer Aufgaben verpflichtet.“

Gab es Zeit für Reden?

Ja. Und es galt tatsächlich der launige Grundsatz: Man kann über alles reden, aber nicht über fünf Minuten. Zeit für Lob und Dank war dennoch: „Lieber Maik“, wandte sich Norbert Ullrich an Mackewitz und überbrachte den Dank und die Glückwünsche aller gemeindlichen Gremien. „Die Bürger haben dich nicht aus Jux und Tollerei wiedergewählt, sie sind mit der deiner Arbeit zufrieden.“ Als Beispiele nannte Ullrich unter anderem die Beschleunigung des Baubeginns für die Ortsumgehung Calden, die Verringerung der Flughafenanteile der Gemeinde und das Ringen mit Ministerien, um in Sachen Finanzlage wieder handlungsfähiger zu werden. Andreas Reichhardt lobte: „Die Zusammenarbeit mit dir, Maik, war immer gut. Ich denke, ich spreche da für alle Fraktionen.“ Und auch ein paar Blumensträuße gab es noch für den Bürgermeister – quasi als Farbtupfer in der nüchternen Atmosphäre.

Und was sagte Mackewitz selbst?

Der hielt sich ebenso kurz, sparte aber auch nicht mit Lob. Der Gemeindevertretung dankte er für die „wirklich gute“ Zusammenarbeit und die sachlichen Diskussionen. „Ich habe das Gefühl, wir ziehen alle an einem Strang.“ Es habe ihm Spaß gemacht, und er hoffe, das werde auch nach der Kommunalwahl im neuen Parlament so bleiben. Im Gemeindevorstand sei die Zusammenarbeit sogar „noch besser“ als im Parlament, fügte er an: „Das ist total konstruktiv, herzlichen Dank.“ Und dann sei da ja auch noch die Verwaltung, die „à la bonne heure“ arbeite, mit Hauptamtsleiter Herbert Kloppmann, „der Herbert, der meine rechte Hand ist und dem ich 150-prozentig vertraue“, wie Mackewitz sagte. „Ich freue mich auf die nächsten sechs Jahre, kommen Sie gut durch diese Zeit“, schloss er – und erntete von allen Applaus. (Matthias Müller)

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