Gespräche mit Anwohnern und Flüchtlingen

Weniger Flüchtlinge: Entspanntere Lage in Caldener Zeltstadt

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Täglicher Weg: In Gruppen gehen Flüchtlinge immer wieder vom alten Flugplatz aus ins Dorf, um zum Beispiel einzukaufen. Unser Bild zeigt eine Gruppe aus Afghanistan.

Calden. Dass die Zahl der Flüchtlinge in der Caldener Zeltstadt bei 900 bleibt, das hält Caldens Bürgermeister Maik Mackewitz für ausgeschlossen.

„Das Lager wird sicher wieder aufgefüllt werden“, sagte er. Die jetzige vergleichsweise geringe Belegung ist für ihn der Hauptgrund für die Verbesserung der Stimmung im Lager. „Wenn man dort ist, merkt man, wie entspannt die Lage im Gegensatz zu vorher ist.“

Auch außerhalb der Zeltstadt habe sich die Stimmung merklich verbessert. „Ich denke, dass sich die Menschen langsam mit dem Thema arrangiert haben“, so Mackewitz. Ob die Situation so entspannt bleibt, wenn sich die Zahl der Flüchtlinge wieder erhöht, das könne man nicht vorhersehen. „Es ist nicht alles toll und es kann jeden Tag irgendetwas passieren“, so der Rathauschef. „Außerdem wird die Langeweile im Winter zunehmen, dagegen müssen wir etwas tun.“

Denselben Eindruck haben auch Geschäftsleute und Einwohner. „Am Anfang war die Arbeitssituation wirklich heftig“, sagt Tankstellenmitarbeiterin Susanne Stoll. „Flüchtlinge kamen in großen Gruppen und drängelten die anderen Kunden immer wieder weg. Sie wussten wohl nicht, dass man sich in einer Schlange anstellt.“ Besonders befremdlich sei eine Situation gewesen, in der sich ein männlicher Flüchtling nicht von ihr bedienen lassen wollte. „Ich musste dann meinen Kollegen holen“, so Stoll.

Ihr Kollege Sören Glöde berichtet Ähnliches von seinem Arbeitsalltag. „Manchmal gibt es Probleme, aber im Großen und Ganzen sind die Menschen freundlich.“ Kamen in der ersten Zeit des Zeltlagers acht bis zehn Gruppen mit 20 bis 30 Asylsuchenden täglich in die Tankstelle nahe der Zeltstadt, seien es jetzt etwa 50 bis 60 Flüchtlinge. „Sie kaufen meist Alkohol, Zigaretten und Chips“, so Glöde.

Wolfgang Caspers wohnt gegenüber der Tankstelle. „Wenn ich im Sommer meine Fenster geöffnet hatte, hörte ich immer viel Lärm, da die Flüchtlinge dort oft zusammensaßen. Das ist jetzt nicht mehr so.“ Außerdem habe Müll vor den Geschäften und auf dem Weg zum Flugplatz gelegen. Das habe sich gebessert. „Sie haben es wohl gelernt“, sagt Caspers. Das gelöste Müllproblem ist für Bürgermeister Mackewitz auch ein wichtiger Grund, für die verbesserte Stimmung der Caldener.

Wollen sich beschäftigen: Viele der Flüchtlinge in der Caldener Zeltstadt fahren täglich mit dem Bus nach Kassel. Das Bild zeigt eine Gruppe aus dem Iran.

Atmar aus Afghanistan, Flüchtling im Caldener Lager sagt: „Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit den Bedingungen im Camp. Das Essen ist zwar nicht üppig, man darf sich keinen Nachschlag holen, aber dafür schmeckt es. Außerdem ist es ruhiger geworden, was die Gewalt untereinander anbelangt. Leider sind die Toiletten immer noch recht schmutzig und auch das Wasser beim Duschen ist kalt - da hat sich nichts geändert. Abwechslung gibt es für uns im Camp kaum - es ist sehr langweilig und das ist das größte Problem für die meisten.“

Ahmad aus Syrien meint:„Das Essen im Lager ist einfach und streng zugeteilt, so dass wir darauf angewiesen sind, uns weitere Nahrungsmittel zu kaufen. Vor allem morgens und abends gibt es täglich das Gleiche. Die Gewalt im Lager hat abgenommen. Man merkt, dass dort nicht mehr so viele Menschen leben. Mit Freunden habe ich mir im Zelt eine Art Absperrung gebaut, so dass wir etwas Privatsphäre haben. Zuhause warten meine Eltern und zwei Geschwister, die ebenfalls nachkommen wollen. Bisher habe ich ihnen gesagt, sie sollen noch warten, da es hier im Zelt auch kein schönes Leben ist.“

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