Einige Polizisten wollen nicht mehr in Hofgeismar arbeiten

Namens-Wirrwarr: Ermitteln extrem schwer in Caldener Erstaufnahme

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Erstaufnahmelager Calden: Einige Polizisten wollen laut der Gewerkschaft der Polizei nicht mehr in Hofgeismar arbeiten, weil die Ermittlungsarbeit in der Unterkunft offenbar durch Flüchtlinge selbst erschwert wird.

Calden. Flüchtlinge, die unter mehreren Namen registriert sind, sich nicht verständigen können oder verschwinden: Ermittlungen im Flüchtlingslager sind offenbar extrem schwer.

Das gehe so weit, dass einige Polizisten wegen der hohen Belastung nicht mehr in Hofgeismar arbeiten wollten und über eine Versetzung nachdenken, sagt Stefan Rüppel, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Nordhessen auf HNA-Anfrage.

Befragungen der im Caldener Lager untergebrachten Asylbewerber zögen sich oft in die Länge, da erst Dolmetscher hinzugezogen werden müssten. Manchmal seien Flüchtlinge auch „einfach weg“, wenn sie befragt werden sollen.

Rüppel: „Die Straftaten im Lager haben sich im Gegensatz zum Vorjahr zwar deutlich reduziert, wirklich entlastet sind die Beamten der Polizeistation Hofgeismar deshalb aber nicht.“ Die GdP Nordhessen fordere deshalb zwei Beamte mehr in der Ermittlungsgruppe und im Schichtdienst je einen Polizisten mehr, also insgesamt sieben Stellen zusätzlich. Zurzeit arbeiten 45 Polizeibeamte in Hofgeismar.

Die Schwierigkeiten bei der Ermittlungsarbeit bestätigt zum Teil auch Torsten Werner, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen. „Die Ermittlungen sind sicher mit einigen Widrigkeiten verbunden, das liegt auf der Hand.“ Doch die Belastung halte sich in Grenzen, da auch benachbarte Polizeistationen unterstützten, wenn es nötig werde. „Wir arbeiten alle zusammen“, sagt Werner. Beschwerden von Kollegen nehme er kaum wahr.

Laut Stefan Rüppel kam es im Monat August bisher zu drei Straftaten im Flüchtlingslager Calden. Dazurechnen müsse man aber noch die Straftaten, die Flüchtlinge außerhalb der Unterkunft begehen. „Diese Anzeigen landen auch alle bei der Polizeistation Hofgeismar“, so Rüppel.

Hintergrund: Polizei gibt keine Zahlen raus

Seit Anfang des Jahres erfasst das Polizeipräsidium Nordhessen in seiner jährlichen Kriminalstatistik auch Straftaten im Zusammenhang mit Flüchtlingen. Die Veröffentlichung von erfassten Zahlen mitten im Jahr sei nicht valide. „Sie spiegeln nur einen kurzen Zeitraum wider, der keine seriösen Schlüsse zulässt“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. „Deshalb machen wir sie grundsätzlich nicht mitten im Jahr öffentlich.“ Die Einsätze in der Caldener Unterkunft sind stark zurückgegangen. So wurden im Monat August bisher drei Straftaten innerhalb der Erstaufnahme begangen, 2015 waren es oft drei Einsätze pro Tag. Zurzeit leben 356 Flüchtlinge im Lager.

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