Fachklinik Fürstenwald hilft Suchtkranken: Vier Phasen der Überwindung

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Zwölf Kilometer von Kassel entfernt: 2006 wurde die Fachklinik Fürstenwald aufwendig renoviert. 65 Behandlungsplätze stehen hier für Menschen mit Alkohol- oder Medikamentensucht zur Verfügung. Besonders an der Einrichtung ist, dass es einen Kindergarten und Hundezwinger gibt.

Fürstenwald. Suchterkrankungen überwinden Abhängige gewöhnlich in vier Phasen: Auf die Einsicht, sich Hilfe suchen zu müssen, folgt die körperliche Entgiftung, in der Regel in einer Akutklinik.

Ist das geschafft, steht die eigentliche Entwöhnung an – eine Phase, in der nach den persönlichen Ursachen geforscht und eine intensive psychologische Begleitung vorgenommen wird. Ist das erledigt, folgt die Nachsorge.

Die Fachklinik Fürstenwald hilft Suchtkranken, nach der Entgiftung zurück ins Leben zu finden – überwiegend Alkohol- und Medikamentenabhängige, aber auch Menschen, die Probleme mit Cannabis, Amphetaminen und Spielsucht haben, können hier therapiert werden.

Vor allem Menschen mit Alkoholproblem werden in der überschaubaren Klinik im Caldener Ortsteil behandelt. „Bevor ein Alkoholabhängiger sich eingesteht, dass er Hilfe braucht, hat er in der Regel viele gescheiterte Versuche hinter sich, mit dem Trinken aufzuhören“, sagt Dr. Peter Reinhold-Hildenhagen, leitender Arzt in der Fürstenwalder Klinik. Berufliche und familiäre Probleme seien es meist, die zur Erkenntnis führten, dass eine Sucht vorliege.

Von welcher Menge an ein riskanter Konsum vorliegt, haben Fachleute wie folgt festgelegt: Wenn Frauen pro Tag zwischen 12 und 60 Gramm und Männer zwischen 24 und 60 Gramm Alkohol zu sich nehmen, sollte eine Einschränkung stattfinden.

„Ein Liter Wein enthält ungefähr zwischen 80 und 100 Gramm Alkohol, ein halber Liter Bier 20 Gramm“, warnt Reinhold-Hildenhagen. Menschen, die chronisch Alkohol missbrauchten, hätten eine um 23 Jahre verkürzte Lebenserwartung. Mehr als 1,3 Millionen Alkoholkranke gibt es offiziell in Deutschland.

Alkoholiker greifen auch oft zu Tabletten

Nicht selten liegen bei Abhängigkeitserkrankten mehrere Süchte vor - so greifen Alkoholiker oft auch zu Medikamenten wie Benzodiazepinen oder entwickeln etwa eine Spielsucht. Anhand von Einzel- und Gruppengesprächen wird der Ursache in Fürstenwald auf den Grund gegangen und mit therapeutischen Angeboten wie Arbeits- und Ergotherapie zurück zur Tagesstruktur gefunden. „Unsere Aufgabe ist es, dass unsere Patienten wieder am privaten und beruflichen Leben teilhaben können und wieder die Freiheit erlangen, ihr Leben unabhängig von Suchtmitteln selbst zu gestalten“, erläutert der Facharzt.

Neben Alkohol- und Medikamentenmissbrauch ist auch Cannabissucht immer häufiger ein Thema in der Klinik. „Cannabis wird oft bagatellisiert, dabei ist der Konsum vor allem in jungen Jahren sehr gefährlich“, bemerkt Reinhold-Hildenhagen.

Kiffen schadet dem Gedächtnis

Wer regelmäßig in jungen Jahren kifft, läuft Gefahr, dass sich das Gehirn deshalb nur eingeschränkt entwickeln kann. Nach langjährigem Konsum weisen Konzentration, Gedächtnis und Aufmerksamkeit der Konsumenten Defizite auf.

Außerdem fördert der Cannabisgenuss die Entwicklung einer Depression. Ein Zusammenhang mit dem Ausbruch schizophrener Psychosen besteht ebenfalls. Wer meint, dass Cannabissucht keine körperlichen Entzugserscheinungen mit sich bringt, hat weit gefehlt – Schweißausbrüche, Herzrasen oder Panikattacken etwa können beim Absetzen der Substanz auftreten.

Grundsätzlich empfiehlt Reinhold-Hildenhagen nach dem Klinikaufenthalt eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen sowie die suchtmedizinische Nachsorge in einer Beratungsstelle wahrzunehmen.

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