Langer Ausflug in die Natur

Nach vier Monaten: Flüchtige Rinder aus Calden sind wieder da

Putzmunter: Die Jüngste unter den Ausreißerinnen blieb am Waldrand im Selbstfang stecken und konnte dann auf den Viehwagen getrieben werden. Ihr war schon kurz nach Ankunft im heimischen Stall (Bild) vom überstandenen Abenteuer nichts mehr anzumerken.

Calden. Caldens Ausbrecher-Rinder stehen wieder im heimischen Stall. Nach vier Monaten im Wald ist auch für die letzten beiden der drei getürmten Jungtiere Schluss mit Freiheit.

Nach ungezählten Fehlversuchen in den zurückliegenden Wochen konnten sie am Mittwoch am Waldrand gegenüber der Kirschenplantage eingefangen werden. Ihre Gefährtin wurde schon vor zwei Wochen mit Hilfe eines Narkoseschusses überwältigt. Alle Ausbrecherinnen sind nun unversehrt zu ihren Eigentümern nach Meimbressen zurückgekehrt. Das Todesurteil bleibt ihnen erst einmal erspart.

Das Trio war im Sommer von der neuen Weidefläche unweit des Caldener Lindenrondells ausgebüchst. Wie das passieren konnte, ist bis heute ungeklärt. Spaziergänger, Jogger und Radler trafen an verschiedenen Stellen in der Caldener Gemarkung bis hin zum Ahnataler Kammerberg immer wieder auf die friedlich grasenden Abenteurerinnen. Trotz täglicher Anrufe bei den Eigentümern mit Standorthinweisen gelang es über lange Zeit nicht, die jungen Fleischrinder dingfest zu machen. Mitwochmittag dann der so lange herbeigesehnte Moment: „Wir haben es geschafft!“, jubelte Halterin Martina Brauner.

Ihr Appetit wurde den Jungspunden zum Verhängnis. Die Jüngste aus dem Trio nahm sich beim Schmaus aus einer am Waldrand platzierten Futterraufe mit Selbstfang selbst in Gewahrsam. Ihre Begleiterin stellte sich geschickter an: Sie futterte zwar auch genüsslich, erwies sich aber als geschickt genug, die metallene Klappvorrichtung zur Arretierung des Kopfes nicht auszulösen.

Totale Erleichterung: Hinter den Eigentümern Sven Martin und Martina Brauner, Meimbressen, liegen anstrengende Zeiten. Mehr als ein Vierteljahr dauerten ihre Versuche, mit Helfern die drei entlaufenen Rinder wieder einzufangen.

Der aus Hofgeismar herbeigerufene Tierarzt, der kürzlich schon Nummer 1 schachmatt gesetzt hatte, lauerte mit dem Narkosegewehr auf einem Schlepper. Bis Position und idealer Moment für den Schuss mit dem Narkosegewehr gekommen waren, brauchte er Geduld und Nerven. Die gesamte Aktion erstreckte sich über etwa dreieinhalb Stunden.

Zuletzt hatten sich die Eigentümer einem massiven Druck des Caldener Ordnungsamtes ausgesetzt gesehen. Über die ganze Zeit strebten sie an, ihre Tiere nicht töten zu lassen. Sicherheitshalber lief dennoch der Antrag auf eine Abschussgenehmigung bei der Fachbehörde. Alle Hoffnungen ruhten auf der Narkotisierungslösung, die sich aber auch nicht problemlos verwirklichen ließ. Mehrere Male konnte der Veterinär nichts ausrichten. Den Eigentümern sind für die oft auch vergeblichen Einsätze erhebliche Kosten entstanden. Die Tiere wieder im Stall stehen zu haben, sei ihr größter Weihnachtswunsch gewesen, sagte Martina Brauner und stellte lächelnd klar: „Für mich ist jetzt schon Weihnachten.“

Auf die drei Rinder, die ihr weiteres Leben im Laufstall verbringen müssen, wartet im kommenden Sommer ein neues Abenteuer: gemeinsames Mutterglück.

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