Das passiert bei der Erstaufnahme

Flüchtlinge in Calden: Antworten auf die Fragen unserer Leser

Essen für 400 Leute: Mitarbeiter des Roten Kreuzes kochten für die Neuankömmlinge und die Helfer. Foto: Temme

Calden. Die Flüchtlinge auf dem Flugplatz in Calden sind Gesprächsthema in Nordhessen. Daher erreichten die Redaktion viele Leserfragen, die wir hier beantworten.

Warum ist plötzlich das Land Hessen zuständig und nicht mehr der Landkreis Kassel?

Auch der Landkreis nimmt parallel weiter Flüchtlinge auf. 1500 sind hier verteilt in Unterkünften untergebracht, 2000 werden es bis Ende des Jahres sein. Allerdings sind die Flüchtlinge auf dem Flugplatz in der Erstaufnahme. Das bedeutet, ihre Fälle sind noch nicht so weit bearbeitet, dass sie an Städte und Landkreise verteilt oder abgeschoben werden können.

Was passiert bei der Erstaufnahme?

Wenn Flüchtlinge in Deutschland ankommen, können Sie sich bei der Erstaufnahmestation eines Bundeslandes melden oder bei der Polizei, die sie dort hinbringt. Sie werden dann entweder an eine andere Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet oder registriert, versorgt und medizinisch untersucht. In der Erstaufnahme kann der Flüchtling auch einen Asylantrag stellen. Die Verweildauer in der Erstaufnahme in Hessen liegt momentan bei vier bis sechs Wochen.

Gibt es auch Menschen, die länger in der Erstaufnahme bleiben?

Ja, denn an die Kreise und Städte verteilt werden nur die Menschen, die gute Chancen auf Asyl haben. Wer dagegen offenbar aus wirtschaftlicher Not aus einem Land einwandert, das als sicher angesehen wird, wird in der Regel nicht weitergeschickt. Man wolle keine Hoffnungen wecken, die dann enttäuscht würden, heißt es dazu vom Land. Darunter fallen oft Flüchtlinge aus Balkanländern.

Welche Flüchtlinge kommen auf den Flugplatz?

Laut dem Land Hessen werden die Menschen nicht nach Herkunft sortiert. Es können also alle Länder vertreten sein, aus denen gerade Flüchtlinge kommen: Syrien, Irak, Afghanistan, Eritrea, Albanien, Kosovo, Serbien und andere.

Warum sucht das Land den Flüchtlingen keine festen Unterkünfte?

Das wird versucht, doch die Nachfrage ist groß. So sucht auch der Landkreis stetig nach freien Gebäuden. Große Areale wie die Alheimer Kaserne in Rotenburg und Gebäude der Bereitschaftspolizei in Kassel-Niederzwehren sind eingeplant, stehen allerdings nicht so kurzfristig zur Verfügung.

Private Sicherheitskräfte sollen auf dem Flugplatz zum Einsatz kommen. Hat man keine Angst vor einem Skandal wie in Nordrhein-Westfalen, wo Sicherheitskräfte Flüchtlinge misshandelten?

Die Problematik ist dem Regierungspräsidium offenbar bewusst. Ein Kriterienkatalog soll verhindern, dass so etwas in Nordhessen passiert. So soll das Personal auf dem Flugplatz kein martialisches Auftreten haben, vorher überprüft werden und entsprechend geschult sein. Der Einsatz von Aushilfskräften ist zudem verboten.

Auf eine Bewachung verzichten könne man aber nicht - zum Schutz der Flüchtlinge, heißt es vom Regierungspräsidium.

Flüchtlinge kommen in Halle am Flugplatz Calden

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