Flüchtlinge landen auf Einladung Deutschlands in Calden

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Flüchtlinge aus Eritrea und Äthiopien kommen auf dem Kassel-Airport in Calden an.

500 Flüchtlinge hat Deutschland in diesem Jahr aus Ländern wie dem Sudan geholt, damit sie sich eine neue Existenz aufbauen können. 160 von ihnen sind nun in Calden angekommen.

Das kleine Mädchen schaut noch etwas schüchtern. Als eine Flughafen-Mitarbeiterin dem Kind einen Kuscheltier-Löwen in die Hand drückt, beginnt es zu strahlen. Es ist nasskalt und neblig an diesem Tag, doch im Terminal des Flughafens Kassel ist alles vorbereitet für einen warmen Empfang.

Zwischen Fracht- und Urlaubsfliegern landet eine Boeing 737 mit 156 sogenannten Resettlement-Flüchtlingen aus Khartum im Sudan. Mehr als die Hälfte der Menschen - die meisten von ihnen stammen aus Eritrea und Äthiopien - sind Kinder und Jugendliche. Bepackt mit Taschen, Rucksäcken und Plastiktüten warten sie geduldig auf den Einreisestempel. Sie kommen auf Einladung der deutschen Behörden.

"Sie haben im Sudan keine Perspektive. Wir wollen den Menschen eine neue Heimat bieten. Sie sind eingeladen, sich hier eine neue Heimat aufzubauen", sagt Thomas Langwald. Er ist Referatsleiter für Resettlement und humanitäre Aufnahme beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Die Resettlement-Flüchtlinge sind nicht vergleichbar mit den anderen Menschen, die derzeit nach Deutschland kommen und eine neue Heimat suchen. Davon sind in diesem Jahr mehr als eine Million nach Deutschland gekommen, etwa 70.000 Menschen davon nach Hessen.

Die meisten Resettlement-Flüchtlinge sind in ein anderes Land geflüchtet, in dem sie aber keine Chance auf Integration haben. Zurück in ihre Heimat können sie aber auch nicht. Sie waren vielfach Opfer von Unterdrückung, Menschenhandel oder sexuellem Missbrauch. "Die Schutzbedürftigkeit ist groß. Familien mit kleinen Kindern sind oft einer permanenten Bedrohungslage ausgesetzt", betont Langwald. Wenn das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sie als Resettlement-Flüchtlinge eingestuft hat, müssen sie zudem in Interviews ihren Willen zur Integration nachweisen, bevor sie nach Deutschland einreisen können.

Das UNHCR schätzt, dass weltweit rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht sind, rund 800.000 davon sind Resettlement-Flüchtlinge. Jährlich werden aber nur 80.000 Plätze angeboten, der weitaus größte Teil von den USA, Kanada und Australien. Deutschland hat 2012 ein Resettlement-Programm gestartet mit nun 500 Plätzen. "Dieses Jahr nehmen wir 502 Menschen auf, weil es zwei Geburten gegeben hat", sagt Langwald. Bereits im Sommer gab es Flüge wie jenen nach Kassel, unter anderem für palästinensische und syrische Flüchtlinge aus Ägypten.

Die 156 Neuankömmlinge sind sofort als Flüchtlinge anerkannt. Damit stehen ihnen weitreichende Möglichkeiten offen: Sie bekommen Sozialhilfe und dürfen sofort arbeiten. Sie können direkt an Integrationskursen teilnehmen, und es wird ihnen leichter gemacht, die Familie nachzuholen. Allerdings werde schon bei der Auswahl darauf geachtet, dass möglichst Familien nicht auseinandergerissen, sondern als Einheit aufgenommen werden. "Das Ziel ist, dass sie bleiben", sagt Langwald.

Rund ein Dutzend der angekommenen Flüchtlinge soll in Hessen eine Heimat finden. Die drei Familien und der Alleinstehende kommen zunächst nach Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis und werden von dort aus auf die Kommunen verteilt. "Sie haben schon Integrationskurs-Einladungen", sagt Kevin Pioch vom Sachgebiet Hilfe für Migranten des Kreises, der die Flüchtlinge vom Airport in Kassel abholt.

Unter den Flüchtlingen ist auch Afwerke Gebreamlak. Der 48-Jährige ist mit seiner Frau und den drei Kindern eingereist. Er habe 25 Jahre lang im Sudan gelebt und versucht, sich dort eine Existenz aufzubauen, sagt der Eritreer. Doch es gab keine Arbeit für ihn, auch einen sudanesischen Pass habe er nicht bekommen können. "Ich bin froh, dass ich hier bin", sagt er erleichtert. "Ich wünsche mir eine Arbeit, egal was. Das ist mir wichtig. Erst die Sprache lernen, dann arbeiten." (lhe)

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