Zeltstadt keine Dauereinrichtung

Flüchtlinge sollen begleitet Alltag kennenlernen

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Die Zeltstadt am alten Caldener Flugplatz von oben: Das Luftbild zeigt den gegenwärtigen Ausbaustand. Nächste Woche sollen noch fünf weitere feste Zelte im oberen Teil hinzukommen.

Calden. Die Zeltstadt auf dem Caldener Flugplatz soll keine Dauereinrichtung werden. „Eine Zeltaufnahme kann immer nur eine Notaufnahme sein", sagte Manfred Becker, Jurist der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen.

Es sei nicht beabsichtigt, mit der Zeltstadt in Calden feste Strukturen zu schaffen.

Das sieht auch der Kasseler Regierungspräsident so: „Die Menschen müssen im Winter in festen Unterkünften und aus den Zelten raus sein“, sagt Walter Lübcke. Möglicherweise müsse man dann auch auf Turnhallen zurückgreifen. „Denn wir wissen nicht, wie viele Flüchtlingen noch zu uns kommen werden.“

Um die Betreuung der Flüchtlinge kümmert sich ein 28-köpfiges Team, das vom Regierungspräsidium zusammengestellt wurde. „Das Wichtigste ist, dass die Menschen nett empfangen und aufgenommen werden“, sagte Lübcke. Genau das ist das Anliegen der über 300 Caldener, aus deren Mitte immer wieder Fragen nach Möglichkeiten praktischer Hilfe gestellt wurden und ob bereits ein Unterstützerkreis gebildet worden ist. Das sei zwar noch nicht der Fall, aber wünschenswert.

Treffen im Landgasthaus Koch. 300 kamen.

Denn obwohl in der Erstaufnahme noch keine Integrationskurse stattfinden, sollen die Flüchtlinge mit der deutschen Lebensweise vertraut gemacht werden. „Sie sollen erst einmal ganz elementare Dinge lernen“, sagtManfred Becker. Dazu gehöre beispielsweise, wie man hier einkauft, wie man mit dem Bus fährt und wo man zur Post geht. Da sei es sinnvoll, dass Einheimische die Flüchtlinge aus der Zeltstadt abholen, sie mitnehmen und begleiten.

Eine Rechts- und Asylberatung für die Flüchtlinge, die alle in Gießen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) befragt werden, kann von staatlichen Stellen nicht übernommen werden. „Da bitten wird die Kirchen und Organisationen wie Pro Asyl tätig zu werden“, so der Regierungspräsident. Mit der evangelischen Landeskirche, Bischof Martin Hein sowie dem Dekan des Kirchenkreises Hofgeismar, Wolfgang Heinicke, sei man im Gespräch.

Lübcke erinnerte daran, „dass niemand freiwillig seine Heimat verlässt, sondern vor Krieg, Verfolgung und Armut flieht“. Zwar erhielten nicht alle einen Aufenthaltsstatus, aber alle hätten Anspruch auf menschenwürdige Unterkunft, Verpflegung und Betreuung, sagte Lübcke und konnte sich des Beifalls der Caldener sicher sein.

Applaus erhielt auch ein syrischer Flüchtling. Er bedankte sich für die Aufnahme in Calden. Der Arzt möchte schnell Deutsch lernen, in seinem Beruf arbeiten „und dieser Gesellschaft helfen“.

Arbeiten, das möchte auch eine junge Frau aus Albanien, die seit einem Jahr hier lebt und jetzt „den Stempel“ zur Arbeitserlaubnis erhalten hat. „Ich möchte nicht mehr von Sozialhilfe leben“, sagte sie, ebenfalls unter dem warmen Beifall der Caldener.

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