Calden: Flüchtlinge sorgen für Andrang bei Zahnärzten

Calden. Die medizinische Versorgung der Flüchtlinge auf dem Caldener Flugplatz sorgt für stärkeren Andrang in einigen Arztpraxen der Gemeinde. Besonders Zahnärzte sind betroffen.

Die SPD spricht von „überlaufenen“ Praxen, Mediziner beurteilen die Lage weniger dramatisch.

Die Flüchtlinge auf dem Flugplatz werden durch 13 Ärzte behandelt, mit denen das Regierungspräsidium Werkverträge geschlossen hat. Die Sprechstunden erstreckten sich jeden Tag auf zwei bis drei Stunden - außer sonntags, sagt Michael Conrad, Sprecher des RP Kassel.

Wenn die Ärzte vor Ort nicht helfen könnten, überweise man die Patienten an niedergelassene Mediziner oder Krankenhäuser. „Oft ist es aber nur ein kleiner Schnitt oder ein Wespenstich, weswegen die Leute kommen“, erklärt der RP-Sprecher.

Das System funktioniere, es habe aber auch kleinere Missverständnisse gegeben, sagt der erste Beigeordnete der Gemeinde Calden, Adolf Roß: Mal wurde ein Termin nicht eingehalten, mal kamen vier statt zwei Asylsuchende zum Arzt.

Von vier angerufenen Ärzten in Calden war nur zwei die Thematik bekannt. Beide sind Zahnärzte. Die gibt es in der Zeltstadt nicht. Dr. Wilhelm Klarner erklärt, dass er in der vergangenen Woche etwa sieben bis acht Flüchtlinge in seiner Praxis behandelt hat. Chaos habe es nicht gegeben, für die Asylsuchenden seien Termine vereinbart worden und sie seien mit Dolmetscher gekommen. Allerdings sei eine bessere Information der Ärzte wünschenswert.

In der Praxis von Ingolf Kunick spürt man die Nähe zur Flüchtlingsunterkunft. Alleine in den drei Tagen nachdem er aus dem Urlaub zurück war und die Praxis Klarner noch geschlossen hatte, habe er etwa 15 Flüchtlinge behandelt. „Viele dieser Menschen sind unterversorgt. Bei diesen Patienten geht es um Schadensbegrenzung und darum, die Schmerzen zu nehmen“, sagt Kunick.

Die beiden Caldener Praxen könnten alle diese Patienten nicht aufnehmen. Er wünscht sich, dass die Organisation verbessert wird. Das heißt einerseits, dass die Flüchtlinge pünktlich kommen. Andererseits solle die Belastung reduziert und die Flüchtlinge auch im umliegende Gemeinden gefahren werden.

Dramatischer hörte sich die Lage in einer Pressemeldung der SPD an: „Der jetzige Zustand, dass Caldener Arztpraxen überlaufen, ist sowohl für die Asylbewerber, die Caldener Bevölkerung, wie auch für die Beschäftigten in den Praxen auf Dauer nicht hinnehmbar“, erklärten die SPD-Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis Kassel Brigitte Hofmeyer und Timon Gremmels. Die medizinische Infrastruktur Caldens sei nicht für ein Plus von 1000 Menschen ausgelegt. Auf Nachfrage der HNA hörte sich das dann weniger dramatisch an: Man habe darauf hinweisen wollen, dass es einen erhöhten Behandlungsbedarf gebe, sagte Gremmels.

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Rubriklistenbild: © dpa

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