Flüchtlinge: SPD-Chef hält Presse-Ausschluss für falsch

Hier leben die Asylsuchenden: Auf dem Flugplatz in Calden ist eine Zeltstadt für Flüchtlinge aufgebaut worden. Unser Bild zeigt Helfer am Eingang der Unterkunft. Thorsten Schäfer-Gümbel will die Zeltstädte nur als Übergangslösung. Archivfoto: Gehlen

Calden. Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hat am Dienstag die Flüchtlingsunterkünfte in Calden besucht. Der Besuch war im Vorfeld umstritten.

Fehlende Intimsphäre, Langeweile, Angst vor der Kälte im Herbst und Winter - diese und viele andere Sorgen haben die Asylsuchenden, die zurzeit in der Flüchtlingsunterkunft in Calden untergebracht sind.

Einige der Menschen, die in der Zeltstadt leben, teilten diese Nöte gestern dem SPD-Fraktionsvorsitzenden und Oppositionsführer im Landtag, Thorsten Schäfer-Gümbel, mit. Er hatte die Einrichtung besucht. „Die Menschen leben in den Zelten auf engem Raum“, sagte Schäfer-Gümbel nach seinem Rundgang über das Gelände auf dem Caldener Flugplatz. „Deshalb dürfen Zeltstädte nur eine Übergangslösung sein.“ Man müsse jetzt alle Kraft darauf verwenden, Plätze in festen Unterkünften zu schaffen. Außerdem sei es wichtig, die Asylverfahren von bisher sieben Monaten auf drei Monate zu beschleunigen. „Das muss einfach schneller gehen“, sagte er.

Thorsten Schäfer-Gümbel

Bei dem Besuch der Einrichtung hatte Schäfer-Gümbel auch die Presse eingeladen. Das Kasseler Regierungspräsidium hatte dies aber nicht erlaubt. „Dass die Medien ausgeschlossen werden, halte ich für falsch“, sagte Schäfer-Gümbel. „Die Situation der Flüchtlinge in ihrer Unterkunft zu verschweigen, ist unangemessen.“

Für die Einladung der Presse erntete der SPD-Chef im Vorfeld Kritik von der Union. Hessens CDU hatte Schäfer-Gümbel vorgeworfen, die Notunterkunft nur für eine politische Inszenierung zu besuchen. Schäfer-Gümbel stelle seinen eigenen medialen Auftritt über den Schutz vor traumatisierten Menschen in Flüchtlingsunterkünften, hieß es. Schäfer-Gümbel sagte dazu: „Die Feinfühligkeit der hessischen Union endet bei dem nächsten ausländerfeindlichen Ausbruch des Abgeordneten Hans-Jürgen Irmer.“

Noch in diesem Jahr sollen nach Schätzungen weitere 450.000 Flüchtlinge in Deutschland ankommen. „Ich denke, es werden deutlich mehr werden“, sagte Schäfer-Gümbel. „Dies wird eine innenpolitische Herausforderung, die wir aber schaffen können.“

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