Menschen im Caldener Zeltlager berichteten

Flüchtlinge über Motive ihrer Flucht: „Es ist sicher hier in Deutschland“

Gruppe syrischer Flüchtlinge: Ganz links ist der 21-jährige Tareq zu sehen

Flüchtlinge im Caldener Zeltlager berichteten über Motive der Flucht und ihre Hoffnungen für die Zukunft.

Ich bin schon zweimal Großvater geworden“, sagt Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke vor der Zeltstadt in Calden. Zwei Babys sind bisher von Flüchtlingen auf die Welt gebracht worden. 20 weitere sollen es in den kommenden Wochen werden. Auch auf dem Zeltplatz pausiert das Leben nicht.

Theoretisch mangelt es den Flüchtlingen bei den Grundbedürfnissen eigentlich an nichts - auch wenn das Leben nicht komfortabel ist. Es gibt Essen, Toiletten, Duschcontainer, ein Zelt für Kinder und sogar ein Kuschelzelt, wohin sich Familien zurückziehen können. Kritik gibt es dennoch - und kurze Einblicke in die Geschichte der Menschen, die hier seit Wochen leben.

Der 26-jährige Montaser.

Das Essen spielt eine besonders große Rolle. „Wir essen morgens, mittags und abends nur Käse“, sagt Tareq aus Syrien auf Englisch. Der 21-Jährige sieht etwas aus wie der brasilianische Fußballstar Neymar. Mehrere Wochen lang war er unterwegs, um von Syrien nach Deutschland zu kommen. „Das war hart“, sagt er. Jetzt ist er seit einigen Wochen in Deutschland. Und will unbedingt bleiben, aber gleichzeitig weg aus dem Lager. „Es ist sicher hier, die Rechte der Bürger werden beachtet.“ In Syrien ging er auf die Universität und studierte Medizin. Was ihn frustriert, ist die Warterei. „Einer wird heute transferiert, der andere erst nach Wochen“, sagt er. Man wisse nicht, wie es weitergehe.

Ob es Streit mit anderen Bevölkerungsgruppen gebe? Ja, sagt er. Die Polizei war mehrfach vor Ort. Auch sei bei den Flüchtlingen angekommen, dass diejenigen, die aus wirtschaftlichen Gründen kämen, keine Chance auf Verbleib haben. Das sorge für Missmut.

Auch der 26-jährige Montaser war wochenlang unterwegs nach Deutschland. „Mit dem Boot und zu Fuß“, sagt er auf Englisch. Rund 4000 Euro hat er dafür bezahlt. Er floh wegen des Krieges in Syrien. Sein Haus sei zerstört worden.

Übersetzer Aria Amouei, der als Kind aus dem Iran mit der Familie nach Deutschland kam und seit der Eröffnung des Zeltcamps in Calden vor Ort ist, versteht die Lage der Flüchtlinge gut. Er übersetzt in allen Belangen in den Sprachen Dari und Farsi, die im Iran und in Afghanistan gesprochen werden. Anfangs sei es ihm schwergefallen, die Schicksale nicht mit nach Hause zu nehmen.

Die Situation sei für viele Menschen im Camp nicht einfach: Das finge bei den Essensgewohnheiten an und höre bei der wenigen Privatsphäre der Menschen auf.

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