Land will fünf Millionen Euro für Luftsicherheit umlegen

Flughafen Kassel-Calden kostet Kommunen noch mehr

Kassel/Calden. Stadt und Landkreis Kassel sowie die Gemeinde Calden müssen für den Flughafen Kassel-Calden absehbar deutlich tiefer in die Tasche greifen als bisher.

Denn neben dem anteiligen Defizit sollen sie künftig auch einen Teil der so genannten Gemeinwohlkosten von fast fünf Millionen Euro für Luftsicherheit und -überwachung sowie Feuerwehr tragen, für die das Land bislang noch allein aufkommt.

Das bestätigten auf Anfrage das Hessische Finanzministerium, der Landkreis Kassel und die Gemeinde Calden. Entsprechende Gepräche laufen seit längerem, und Landkreissprecher Harald Kühlborn sieht derzeit „eine große Logik darin, dass die Gemeinwohlkosten entsprechend der Gesellschafteranteile aufgeteilt werden“. Die Stadt Kassel gibt sich etwas zurückhaltender. Die entsprechenden Beratungen stünden noch aus. Daher könne sie keine vorausgreifende Aussage treffen.

Hintergrund: 300 Euro Zuschuss je Passagier

Rein rechnerisch kostet jeder Passagier, der in Kassel-Calden abfliegt oder landet, den Steuerzahler gut 300 Euro. Pro Kopf sind das sogar mehr als 600 Euro, weil der Fluggast in der Regel abfliegt und wieder ankommt. So wird in der internationalen Luftfahrt gezählt. Diese Zahlen ergeben sich, wenn man die Summe aus Defizit und Gemeinwohlkosten von 13 Mio. Euro durch erwartete rund 43 000 Passagiere in diesem Jahr dividiert. Im vergangenen Jahr registrierte der Airport seit seiner Inbetriebnahme Anfang April 46 557 Passagiere, davon 33 301 Touristen sowie 13 256 Freizeit- und Geschäftsflieger. Fallschirmspringer werden nicht als Passagiere gezählt. (jop)

Wie berichtet, erwartet die Flughafengesellschaft in diesem Jahr ein Minus von 8,1 (2013: 6,8) Millionen Euro. Hinzu kommen die Gemeinwohlkosten von knapp fünf Mio. Euro. Macht zusammen 13 Mio. Euro. Davon müsste gemäß seinem Gesellschafteranteil von 68 Prozent gut 8,8 Mio. Euro das Land zahlen; Stadt und Landkreis, die je 13 Prozent der Anteile halten, je 1,7 Mio; die Gemeinde Calden wegen ihres Sechs-Prozent-Anteils 780.000 Euro.

Allein die geplante Umlage der Gemeinwohlkosten würden Stadt und Kreis zusätzlich je 637.000 Euro im Jahr kosten. Wie die von großen Finanzproblemen geplagte Gemeinde Calden die zusätzlichen fast 300.000 Euro aufbringen soll, weiß niemand. „Solange es keine zusätzlichen Gewerbesteuern durch den Airport gibt, zahlen wir keinen Euro mehr als vereinbart“, sagt Bürgermeister Andreas Dinges. Er lehnt die geplante Umlage ab. Anderenfalls stünde die Kommune vor unlösbaren Problemen.

Von José Pinto

In der gedruckten Ausgabe am Donnerstag lesen Sie außerdem: "Airport als Klotz am Bein".

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