Von Essensausgabe bis zu Feldbetten

Fragen und Antworten zur Zeltstadt in Calden

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Alltag in Calden: Vor der Zeltstadt vertreiben sich Flüchtlinge die Zeit in der Sonne, das Foto entstand am Wochenanfang.

Calden. Die Logistik in Flüchtlingsunterkünften ist eine Herausforderung für die Organisatoren. Wir haben Fragen und Antworten zum Thema.

Die Logistik in den Flüchtlingsunterkünften ist eine Herausforderung für die Organisatoren, beispielsweise die Essensausgabe – ein Streit dort war Auslöser einer Massenschlägerei mit rund 370 Beteiligten in der Caldener Zeltstadt am Sonntag. Dies bildet einen Themenschwerpunkt der heutigen Fragen:

Wie sieht es, vor allem wegen solcher Vorfälle wie der Massenschlägerei am Sonntag, mit einer Videoüberwachung der Essensausgabe aus?

Dies werde im Moment geprüft, allerdings müssten dafür die juristischen Voraussetzungen genau abgeklärt werden, sagt Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel. Darüber solle aber möglichst noch in dieser Woche entschieden werden, ebenso über technische Aspekte wie die Beheizung der Flugzeughalle, in der das Essen ausgegeben wird. Ebenso seien eine bessere Beleuchtung und Beschallung geplant – letztere, um Warte- und Essenszeit auch dafür zu nutzen, den Flüchtlingen über Lautsprecher Informationen mitzuteilen.

Man hört immer wieder, dass sich Flüchtlinge in der Zeltstadt Calden über das Essen beschweren. Wurde hier versucht, nachzubessern?

Man sei mit den Flüchtlingen in guten Gesprächen, sagt der verantwortliche Cateringbetreiber Berthold Braun. So habe er sich mit Vertretern verschiedener ethnischer Gruppen zusammengesetzt, um sich über Wünsche der Zeltstadtbewohner aber auch länderübergreifende Vorgaben auszutauschen. Inzwischen sei der Ton angenehmer geworden und habe sich die Situation entspannt, sagt Braun.

Was wurde nach diesen Gesprächen beispielsweise konkret verändert?

Es habe sich herausgestellt, dass das europäische Essen vielen Flüchtlingen einfach zu schwer sei. Sie wünschten sich Nahrung, die mehr Flüssigkeit enthält, vor allem Suppe. „Darauf gehen wir ein“, sagt Braun. So habe er einen Riesenkessel gekauft, um mehr Suppe anbieten zu können. Auch habe man gelernt, dass diese so beschaffen beziehungsweise dünn sein muss, dass zu erkennen ist, was die Suppe enthält.

Auf Wunsch der Flüchtlinge bekämen die Kinder mehr Angebote breiartiger Speisen sowie Saft, Kakao und Milch.

Auch gebe es vor allem abends mehr frische Salate, Tomaten oder Gurken. Solche Wünsche umzusetzen, sei nicht schwer, sagt Braun, „wenn man es nur weiß.“

Es gab auch Kritik, dass die Essensausgabe zu lange dauern würde. Wie lange dauert sie tatsächlich?

 „Wir schaffen es, 1000 Menschen pro Stunde zu versorgen“, sagt BertholdBraun. So dauere die Essensausgabe für 1500 Menschen insgesamt eineinhalb Stunden. Das sei relativ flott, so gebe es öfter Besuch von Verantwortlichen anderer Erstaufnahme-Einrichtungen, „um zu gucken, wie wir das hinkriegen.“

Stimmt es, dass die Essensausgabe mit einer Identitätskontrolle verbunden ist?

Ja, dabei werden die Identitätskarten der Zeltstadtbewohner eingescannt. Zum einen sei dies wichtig, um einen aktuellen Überblick zu erhalten, wer überhaupt im Camp anwesend ist. Zum anderen gehe aus den Daten hervor, ob es sich zum Beispiel um ein Familienmitglied handelt und Kinder mit dabei sind, die zum Beispiel extra Milch bekommen, erläutert Braun.

Stimmt es, dass sich Feldbetten angesichts der Flüchtlingsströme deutlich verteuert haben – und das man mittlerweile Betten bei Ikea kauft?

Wie es in den großen Zelten aussieht, zeigt das Handyfoto eines Bewohners: Mit quer gestellten Feldbetten haben sich Flüchtlinge hier kleine Bereiche abgegrenzt.

Ja, sagt RP-Sprecher Conrad. Der Preis habe sich teilweise verdreifacht. Allerdings habe sich das Regierungspräsidium rechtzeitig eingedeckt und noch eine Reserve von rund 1000 Feldbetten. Diese sind allerdings nicht für alle Einrichtungen und Flüchtlinge geeignet, beispielsweise für schwangere Frauen. Deshalb hat das Regierungspräsidium 250 Betten bei Ikea bestellt, die in festen Unterkünften aufgestellt werden sollen.

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