Die Konkurrenz war flexibler

Airport Kassel: Warum Germania an wirtschaftlichem Flugbetrieb zweifelt

Calden. Binnen weniger Stunden brachen am Donnerstag zwei neue schlechte Nachrichten über den Airport Kassel herein. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Abzug der Airline Germania und der Kooperation der MT Melsungen mit Paderborn.

Warum kam eine Zusammenarbeit der MT mit dem Airport Kassel nicht zustande? 

MT-Sprecher Bernd Kaiser erklärt, dass es darüber bereits Gespräche mit der Vorgängerin des jetzigen Flughafenchefs Ralf Schustereder, Maria Anna Muller, gegeben habe. Die hätten sich aber schwierig gestaltet. Erste Gespräche mit Schustereder seien dagegen konstruktiv verlaufen, allerdings habe sich im weiteren Verlauf gezeigt, dass Schustereder angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage und der politischen Diskussionen um den Airport keine Möglichkeiten gesehen habe, einen Sponsorenvertrag abzuschließen.

Welche Leistung erwartet die MT denn vom Flughafen? 

Wenn die MT-Handballer im nächsten Jahr am EHF-Cup teilnehmen oder zu auswärtigen Trainingsaufenthalten aufbrechen, müssen sie mehrmals ins Ausland fliegen. Dazu buchen sie je nach Reiseziel Plätze in regulären Linien- oder Charterflug-Maschinen oder mieten gleich ein eigenes Flugzeug. Der Flughafen Paderborn/Lippstadt organisiert die Reisen und ein vereinfachtes, schnelles Check-in-Verfahren, um die Belastungen für die Spieler so gering wie möglich zu halten. Die Kooperation ist eingebettet in einen Sponsorenvertrag. So wird der Flughafen mit seinem Logo in der Rothenbach-Halle werben.

Warum will Germania Kassel-Calden nicht mehr anfliegen?

Die Sprecherin der Fluglinie, Sabine Teller erklärte auf Anfrage, dass Germania die Akltivitäten am Flughafen Kassel-Calden auf Grundlage wirtschaftlicher Aspekte geprüft und entschieden habe, auch im Sommer 2017 keine Flüge anzubieten.

Was heißt das für den Flughafen genau? 

Das heißt, dass sich das Fliegen ab Kassel für Germania offenbar nicht mehr rechnet. Hintergrund sind EU-rechtlich umstrittene Beihilfen, die Airlines etwa in Form von Gebührennachlässen von Flughäfen kassieren, damit sie dort starten und landen. Der Airport Kassel und seine Gesellschafter waren und sind akribisch darauf bedacht, nicht gegen die Richtlinien zu verstoßen. Nach Angaben von Tourismus-Experten nehmen es andere Flughäfen damit nicht so genau oder entwickelten mehr Fantasie, wenn es um Anreize für Airlines geht. So hat Germania sein Flugprogramm an den Regionalflughäfen Dresden, Nürnberg, Rostock, Münster/Osnabrück und an andernorts erst unlängst aufgestockt.

Kommt der Abzug von Germania überraschend? 

Nein. Schon im Frühjahr war klar, dass Germania Kassel-Calden im bevorstehenden Winter nicht anfliegt und es damit keinen Winterflugplan gibt. Im Sommer schließlich haben sich immer mehr die Hinweise verdichtet, dass die Berliner Airline ihr Engagement in Calden beendet. Nun ist es offiziell.

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Rubriklistenbild: © Malmus

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