Vierteljahr Verzögerung

Gewerbegebiet auf Flugplatz: Bisher sagt nur Calden Ja

Tower auf dem alten Flugplatz: Dort sind bereits Firmen angesiedelt, es soll aber Platz für weitere Unternehmen entstehen. Archivfoto: Schachtschneider

Calden. Der Startschuss für das neue Gewerbegebiet auf dem alten Flugplatz in Calden verzögert sich um ein Vierteljahr. Das schätzt Caldens Bürgermeister Maik Mackewitz.

Hintergrund ist, dass die anderen Beteiligten, Stadt Kassel und Landkreis, dem Projekt noch nicht zugestimmt haben. Die Gemeinde Calden hatte vergangene Woche, wie geplant, grünes Licht gegeben.

Die Entscheidung sei für Calden aber sehr viel einfacher, weil die Gemeinde keine Risiken trage, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Denn das Land Hessen übernimmt zeitweise 100 Prozent von Caldens Kostenanteil am Gewerbepark. Das gilt für Stadt und Landkreis nicht, auf sie könnten im schlimmsten Fall mehrere Millionen Kosten zukommen.

„Das ist ein finanzielles Risiko, da müssen wir an den Steuerzahler denken“, sagt Kühlborn. Deshalb sei man noch in Verhandlungen mit dem Land. Im Wesentlichen gehe es um zwei Punkte: Zum einen gebe es Prognosen, wie die Vermarktung der Gewerbeflächen laufen kann. „Diese Zahlen haben wir hinterfragt“, sagt er.

Maik Mackewitz

Zweitens will die Landesregierung den neuen Flughafen 2017 auf den Prüfstand stellen - das steht im Koalitionsvertrag. Würde der Flughafen beispielsweise zum Verkehrslandeplatz zurückgestuft, würde das auch die Vermarktungschancen der neuen Flächen deutlich mindern. Dieses vom Land verschuldete Risiko dürfe aber nicht der Stadt Kassel und dem Landkreis Kassel aufgebürdet werden, sagt Kühlborn. Laut dem Kreissprecher sind die Verhandlungen auf einem guten Weg. In der ersten Kreistagssitzung nach der Sommerpause wird ein Beschluss des Kreistags erwartet.

Das Parlament der Stadt Kassel werde im Herbst entscheiden, sagt Sprecher Ingo Happel-Emrich. Die Stadt steht weiter hinter den Plänen eines interkommunalen Gewerbegebiets und „bearbeitet das Thema mit der notwendigen Seriosität“, heißt es.

Keinen Einfluss haben laut Caldens Bürgermeister die Flüchtlinge auf die Planung. Die neue Zeltstadt liegt auf der anderen Seite des Flugplatzes. Eine Erschließung als Gewerbepark erfolge aber vom Kreisel am neuen Flughafen her. Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist offenbar ein Baustart im Sommer 2016 realistisch.

Hintergund: Die Hessische Landgesellschaft HLG wird der Flughafen GmbH das Gelände von 65 Hektar für zehn Millionen Euro abkaufen. Die HLG wird Träger des Projektes für zehn bis 15 Jahre. Sie plant und finanziert die Erschließung, sucht Käufer für Grundstücke. Nach Ablauf der Frist geht das Projekt an die Anteilseigner über: Calden bekommt 48 Prozent, Kreis und Stadt Kassel 26 Prozent. Entsprechend diesem Prozentsatz werden die aufgelaufenen Kosten geteilt. Über eine Rückbürgschaft hilft das Land: Es übernimmt 100 Prozent der Kosten für Calden, und je die Hälfte der Kosten für Stadt und Kreis. Das Geld ist kein Geschenk, sondern muss zurückgezahlt werden, wenn der neue Gewerbepark Steuern einbringt.

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