Sicheres Fahren

Fahrtraining auf dem alten Flugplatz: Größter Feind ist die Angst

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Vor dem Start: Eine umfassende Einweisung ging dem Sicherheitstraining auf dem alten Flugplatz Calden voraus. Hier fanden viele Jahre lang auch Auto- und Motorradrennen statt.

Calden. Ihre blauen Augen strahlen, wenn sie von Ihrer großen Leidenschaft berichtet. Nahezu jedes Wochenende ist Dr. Christiane Potzner mit ihrem Motorrad auf den großen Rennstrecken Deutschlands unterwegs, wird nicht umsonst von ihren Freunden scherzhaft „Miss Sachsenring“ genannt.

„Rennen sind für mich wie Achterbahnfahrten, nur sicherer, denn hier habe ich im Griff, wie schnell ich fahre“, sagt die 46-Jährige, die im Alltag an der Universität in Kassel Gedächtnistraining und Speed-reading lehrt, am Wochenende aber gern Hörsaal gegen „Drive Camp“ tauscht und als Instruktor am alten Flughafen Calden Grundlagen für sicheres Motorradfahren vermittelt.

„Das Wichtigste ist die Blickführung“, sagt die Kasselerin. Auch die Fahrhaltung bei hohen Geschwindigkeiten sei nicht zu unterschätzen, die es Stück für Stück zu verinnerlichen gelte. „Deshalb erhöhen wir ganz langsam das Tempo, um sich und seinen Körper daran zu gewöhnen.“

Das Gehirn mischt sich ein

Bevor es zurück auf die historische Caldener Rennstrecke geht: Dr. Christiane Potzner gibt ihren Rookies letzte Tipps.

Mit ihren Rookies, wie die Rennsport-Neulinge in Fachkreisen heißen, startet sie am Samstag auf dem Caldener Kurs ganz sachte, steigert schließlich auf bis zu 150 Stundenkilometern auf den Geraden und bis zu 100 in den Kurven. „Das ist dann wunderbar schräg und schnell, aber noch lange nicht zu vergleichen mit den Profis, die bis zu 60 Grad Schräglage fahren können.“ 20 sind es gerade einmal bei den Anfängern, und das aus einem simplen Grund: Der körpereigene Kontrollmechanismus würde nicht mehr vertragen. „Das Gehirn schaltet sich da automatisch ein, deshalb müssen wir es sanft an die Vergrößerung des Schräglagengrads gewöhnen.“ Tue man dies nicht, verkrampfe man schnell, sagt Potzner. Ein entspanntes Fahren sei aber überaus wichtig, nur so könne man den größten Feind eines sicheren Fahrstils ausbremsen: die Angst.

Fahrtraining auf dem alten Flugplatz in Calden

Optimales Gelände: Startbahn und Vorfelder des alten Flugplatzes boten ideale Bedingungen für das Fahrtraining.

Das muss Berthold Braun, der gemeinsam mit Michael Heuser (MHMotors Fuldatal) die Idee zum Drive Camp hatte, nicht mehr. Der Betreiber der Caldener Konzertscheune fährt seit vielen Jahren kein Motorrad mehr, denkt aber gern zurück an die großen Rennsportzeiten bis Ende der Achtziger, als noch regelmäßig Flugplatzrennen stattgefunden haben. „Das war einfach herrlich“, erinnert sich der Motorsportfan, während er mit der Flugleitung per Funk checkt, ob das nächste Team freie Fahrt hat.

Hat es, und deshalb brettert Christiane Potzner mit ihren Rookies los. Ihre blauen Augen sind jetzt unterm dunklen Helm verborgen. Strahlen tun sie aber ganz sicher.

Fahrtraining auf dem alten Flugplatz in Calden

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