Pflanzaktion ist gut angelaufen

Hilfsprojekt in Rumänien: Für jede Familie 100 Kilo Kartoffeln

Ottmar Rudert (links) und Günter Rüddenklau mit Traktor und Kartoffeln auf einem Feld im Kreisteil Hofgeismar.
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Hilfe kommt an: Ottmar Rudert (links) und Günter Rüddenklau sorgten dafür, dass 15 Tonnen Kartoffeln auf einem Feld im rumänischen Tirgu Mures gepflanzt wurden.

Seit fast 15 Jahren organisieren die beiden Biobauern Ottmar Rudert (Ostheim) und Günter Rüddenklau (Westuffeln) Hilfstransporte nach Südosteuropa.

Ostheim/Westuffeln – Kleidung, Betten, Fahrräder, Haushaltsgeräte und Güter des täglichen Bedarfs schaffen sie seit 2008 jeden Herbst nach Moldawien, Rumänien und in den letzten Jahren auch in die Ukraine. In den Armutsvierteln dort helfen sie mit den Spendengütern aus Nordhessen.

Die Aktion stößt seitdem auf große Resonanz. Auch die HNA berichtet regelmäßig darüber, um zu zeigen, wie die Spenden vor Ort verwendet werden. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie beobachten Rudert und Rüddenklau, dass die Menschen in Südosteuropa wieder Hunger leiden müssen. Deshalb haben sie in diesem Frühjahr ein Selbsthilfeprojekt gestartet: Auf einem fünf Hektar großen Acker bei Tirgu Mures in Rumänien sind unter ihrer Anleitung 15 Tonnen Pflanzkartoffeln in die Erde gekommen.

Aus den Schilderungen evangelischer Kirchengemeinden wussten Rudert und Rüddenklau, dass in der Pandemie die Not wieder größer geworden ist. Ein Grund dafür war, dass die Transferzahlungen von Verwandten, die in Westeuropa Arbeit gefunden hatten, weitgehend ausgeblieben waren. Im Lockdown hatten viele ihren Job verloren und in ihre Heimat zurückkehren müssen. „Das Hungertuch ist bei uns wieder sprichwörtlich geworden“, schrieb Johannes Klein, Pfarrer der Gemeinde in Fagorasch, schon 2020.

Dieser Hilferuf ließ Rudert und Rüddenklau nicht ruhen. Nachdem sie zunächst bei Berufskollegen und Märkten Lebensmittel-Spenden gesammelt und nach Rumänien transportiert hatten, kam ihnen die Idee, dort selbst Kartoffeln produzieren zu lassen.

So kauften sie im Frühjahr 30 Tonnen Kartoffeln vor Ort. 15 Tonnen verteilten sie an darbende Menschen sofort. 15 Tonnen der rotschaligen „Laura“ kamen in die Erde. Das Feld dafür hatte der in Tirgu Mures ansässige Autozulieferer Materom zur Verfügung gestellt. Ein Manager der Firma hilft schon seit Jahren bei der Lagerung und Verteilung der Hilfsgüter. Beim Pflanzen selbst halfen junge Männer, Maschine und Traktor hatte ein örtlicher Landwirt zur Verfügung gestellt.

„Die Kartoffeln sind prima angegangen und stehen gut“, berichtet Rüddenklau, der kürzlich wieder in Rumänien war. Rudert, der schon seit Jahren auf seinem eigenen Hof Erfahrung im Kartoffelanbau sammelt, ist zuversichtlich, dass bei der Ernte im September aus 15 Tonnen Pflanzkartoffeln rund 100 Tonnen Erntekartoffeln werden. „Denn mit dem sieben- bis achtfachen Ertrag ist zu rechnen“.

Dann ginge die Rechnung so: 100 Tonnen sind 100.000 Kilo, was beispielsweise für 1000 Familien jeweils 100 Kilogramm ergäbe. „Damit ließe sich der Hunger über einige Zeit etwas lindern“, sind sich die Helfer einig. Die beiden weisen darauf hin, dass ohne die Geldspenden heimischer Firmen, Betriebe, Kollegen, Organisationen und Privatleuten auch diese Aktion nicht finanzierbar wäre. „Da setzt unsere Region ein starkes Zeichen der Solidarität.“ (Gerd Henke)

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